05.02.2019 - 17:47 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Einsatz in der „Drogenhochburg Oberpfalz“

Seine Berufskarriere ist filmreif. Hans Reisky war in den 80er und 90er Jahren Drogenfahnder in Regensburg. Der gebürtige Schwandorfer arbeitete dabei auch als verdeckter Ermittler. Ein Typ zwischen Schimanski und "Miami Vice".

Beim Besuch des bayerischen Wirtschaftsministers half Hans Reisky als Personenschützer aus. Mangels eines anderen Anzugs trug er seinen eierschalenfarbenen Hochzeitsanzug.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Jetzt hat der 64-Jährige seine Memoiren veröffentlicht, geschrieben von Autor Rolf Peter Sloet (Battenberg-Gietl-Verlag, 14,90 Euro).

ONETZ: „Drogenhochburg Oberpfalz“. So lautet der Titel Ihres Buches. Ist das nicht zu dick aufgetragen?

Hans Reisky: Ich werde dafür zwar einen Anpfiff vom Verlag bekommen: Aber mir hätte ein anderer Titel auch besser gefallen. „Zweiter Sieger“ zum Beispiel. Das ist man als Drogenfahnder nämlich immer. Auf jedes Gramm, das wir beschlagnahmen konnten, wurde eine mehrfache Menge nach Bayern eingeführt.

ONETZ: Aber der Titel zieht wahrscheinlich besser.

Hans Reisky: Es ist wirklich ganz schön was los. Die Süddeutsche Zeitung hat eine ganze Seite über mich gemacht. Am Mittwoch, 6. Februar, ab 17.30 Uhr bin ich live in der Abendschau. ARD hat mal angefragt, man plant da wohl eine Dokumentation über Ostbayern und die tschechische Grenze. In Regensburg war bei der Lesung voll. Da hat man noch Stühle holen müssen. Unter den Zuhörern war einer, den ich mal inhaftiert habe. Der wollte ein Widmung. Ich hatte ihm damals nach der Haft Arbeit in einer Motorradwerkstatt besorgt.

ONETZ: Sind Ihre früheren Klienten nicht wahnsinnig sauer auf Sie?

Hans Reisky: Ich habe nie auf Abhängige verächtlich herabgeschaut. Bei manchen ist es mir sogar gelungen, die weg zu bekommen. Deren Eltern grüßen mich heute von allerweiten. Die Dealer waren es, denen meine Verachtung galt und die ich bekämpft habe. Ein Zuhälter aus Regensburg, der groß ins Drogengeschäft einsteigen wollte, hatte mal einen g’scheiten Hass auf mich. Aus Rache hat er einen meiner Informanten aus Roding beauftragt, mich umzulegen. Sie hatten mit ihm schon auf Zielscheiben schießen geübt. Ich habe meinen Revolver in den Stiefel gesteckt und bin hinter zu ihm nach Roding. Da rückte er raus mit der Wahrheit.

ONETZ: Ich weiß ja nicht, ob Sie die aktuelle Entwicklung verfolgen. Wir haben aktuell eher ein Problem mit Crystal aus Tschechien.

Hans Reisky: Mich wundert, dass man da in Tschechien nicht mehr mit Informanten arbeitet. Sogar ich, der ja schon gesetzteren Alters ist, könnte dort jederzeit was kaufen. Ich denke, dass da schon was gehen würde, wenn man wollte.

Ex-Fahnder Hans Reisky (links) mit Autor Rolf Peter Sloet in Regensburg.

ONETZ: Sie haben viel mit V-Leuten gearbeitet. Das hat Ihnen gelegen?

Hans Reisky: Ich hatte da ein Handerl dafür. Es hat sich herumgesprochen, das ich einhalte, was ich verspreche. Wenn ich in Absprache mit dem Staatsanwalt eine vernünftige Strafe zugesichert habe, konnten wir im Gegenzug etliche Straftaten klären. Du musst ihre Sprache sprechen. Ich hatte einen Kollegen, der war ein Beamtentyp. Der V-Mann weigerte sich, mit ihm zu kooperieren. Mit diesem V-Mann konnte ich später den größten Drogenfall Ostbayerns aufklären.

ONETZ: Was konnten Sie den Informanten in der Szene bieten?

Hans Reisky: Dieser V-Mann hat eine schöne Summe kassiert. Ich bin mit ihm zur Geldübergabe in ein gutes Restaurant. Die Spesen habe ich eingereicht. Der Chef hat später gesagt: Da hätten ein paar Wiener auch gereicht.

ONETZ: Ich kann mir vorstellen, dass Sie nicht allen Kollegen geheuer waren.

Hans Reisky: Ich hatte schon Neider, bin schnelle Autos und Motorrad gefahren, hatte eine schöne Frau. Rauschgift-Fahnder – das war wie für mich gemacht. Als ich ins Drogenkommissariat kam, musterte mich der Leiter und sagte: „Du schaust aus, als ob du zu uns passt.“ Ich hatte damals schon die Ohrringl drin. Einen davon aus Sri Lanka, ein Riesenoschi mit einem Saphir. Ich bin schon aufgefallen. 1986 wurde ich nach Wackersdorf versetzt. Wir sollten in Containern die Personalien von festgenommenen Demonstranten feststellen. Ich hatte damals schon längere Haare. Im Verpflegungszelt saßen tausend Leute. Als ich reinkam, haben sich tausend Köpfe gedreht.

ONETZ: Mit Wackersdorf verbindet Sie eine tragische Geschichte. Sie sollten eigentlich in dem Hubschrauber sitzen, der dann explodierte.

Hans Reisky: Ich war nach einem Bänderriss gerade wieder im Dienst und konnte noch nicht richtig laufen. Dann kam es zu einem Einsatz mit dem Hubschrauber. Es hieß: „Flieg mit, die haben grad Punks verfolgt.“ Ich lehnte ab, obwohl ich gern mitgeflogen wäre. Der Kollege stieg ein. Keine zehn Minuten später ist der Hubschrauber abgestürzt. Der Kollege starb. Da läuft es dir schon eiskalt runter.

ONETZ: Sie haben in Ihrer aktiven Zeit einen Kroaten gefasst, einen der gefährlichsten Großdealer von Regensburg, der acht Jahre bei der Fremdenlegion war. Oder auch einen Rockerkönig, der später wegen Mordes einsaß.

Hans Reisky: Der sitzt, glaube ich, heute noch. Ich kann mich noch an einen Bauern erinnern, der in Cham ein Blumenfeld hatte. Der Chapterpräsident schnitt sich Blumen ab. Als ihn der Landwirt zum Zahlen in die Kasse aufforderte, zog er ohne Vorwarnung seine Pistole und hat auf ihn geschossen. Gottseidank hatte die Waffe eine Ladehemmung. Der Wahnsinnige hätte den wegen fünf Mark erschossen.

ONETZ: Gibt es solche Typen heute noch?

Hans Reisky: Das kann ich nicht beurteilen. Das kriege ich nicht mehr mit. Früher gab es ja auch eine richtige Zuhälterszene. Da war ja auch in Weiden die Hölle los. Klankermeier und wie sie alle geheißen haben. Früher hatte ich gute Kontakte ins Rotlichtmilieu. Einmal habe ich einem Reporter den Gefallen getan und bin mit ihm auf d’Nacht in eine Bar. Er hat danach gesagt: Die Puffmutter mag dich aber gut leiden. Die hatte mir auch einiges zu verdanken. Als ich noch bei der uniformierten Polizei war, waren wir in einer Minute da, wenn es Probleme gab.

ONETZ: Irgendwie filmreif.

Hans Reisky: Ich hab’ das Buch jetzt mal Michael Hild geschickt, dem Produzenten der „Rosenheim-Cops“. Er hat auch „Die Sieger“ produziert, einen Film mit Hannes Jaenicke als SEK-Beamten.

ONETZ: Wer wäre denn Ihr Favorit als Schauspieler?

Hans Reisky: Jaenicke. Das ist ein richtig guter Typ.

ONETZ: Kommen Sie noch nach Schwandorf?

Hans Reisky: Schon. Zu meinem Bruder.

ONETZ: Ist der auch so "vogelwild"?

Hans Reisky: Im Gegenteil. Er war Ingenieur bei Siemens. Ich sage immer: Klaus, jetzt sind wir beide unsterblich. Er, weil er etliche Patente gemacht hat. Und ich mit meinem Büchl.

Fotografiert von einem Kollegen in der Polizeischule Ainring. Bilder: exb/Reisky (2)
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