21.11.2019 - 16:24 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Franz Schindler will Oberpfälzer SPD im Duo führen

Wie bei der Bundespartei: Der Schwandorfer Anwalt tritt zusammen mit Carolin Wagner aus Lappersdorf beim Bezirksparteitag in Neumarkt als Doppelspitze an – bisher ohne Konkurrenz.

Das designierte neue Dream-Team der Oberpfälzer SPD: Der amtierende Vorsitzende Franz Schindler (links) und seine Doppelspitzen-Partnerin Carolin Wagner (rechts).
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Das sozialdemokratische Urgestein aus Schwandorf tritt wieder an: Beim SPD-Bezirksparteitag am Samstag steht, Stand jetzt, nur Franz Schindler für den Chefposten der Oberpfälzer SPD zur Verfügung. "Wir haben frühzeitig an die Unterbezirke appelliert, Kandidaten zu benennen, aber bis jetzt gibt es keine Bewerber." Überraschungen am Samstag ausgeschlossen? "Möglich ist alles, aber warum dann nicht gleich, würde sich nicht erschließen." Ganz allein muss der Anwalt die Genossen zwischen Schierling und Waldsassen nicht vertreten: "Ermuntert durch die Empfehlung der Bundespartei kandidiere ich mit Dr. Carolin Wagner aus Lappersdorf als Doppelspitze."

Im Mittelpunkt des Parteitags stehen die Kommunalwahlen im März: "Wir planen eine Talkrunde mit den drei OB-Kanditatinnen, Gertrud Maltz-Schwarzfischer (Regensburg), Birgit Fruth (Amberg) und Karin Frankerl (Schwandorf). Deren Chancen? "In Regensburg haben wir eine besonders schwierige Situation", verweist Schindler auf den Fall Wolbergs. "In Amberg und Schwandorf treten sie gegen Amtsinhaber an - aber sie kämpfen, das ist wichtig."

Kämpfen will Schindler trotz des Ausscheidens aus dem Landtag und desaströser Umfragewerte: "Die SPD rappelt sich schon wieder auf", sagt er etwas knurrig. "Wenn ich nicht daran glauben würde, würde ich nicht antreten." Rückendeckung erwartet er sich dabei wie die Jusos eher von einem Bundeschef-Duett Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken: "Ich habe Scholz nicht gewählt, könnte mich aber auch damit arrangieren."

So ging die Wahl aus

Neumarkt i. d. Opf.

Scholz steht für „Weiter so“

Er hofft allerdings, dass er das nicht muss: „Wer Scholz wählt, akzeptiert ein Weiter so – das kann tödlich enden.“ Ohnehin sei sein Dreamteam nicht zum Zug gekommen: „Ich war für das Team Ralf Stegner und Gesine Schwan, die hielt ich für am Geeignetsten.“ Enttäuscht sei Schindler über die geringe Beteiligung: Die normalen Mitglieder hätten die Kandidaten nicht gut genug gekannt, um sich entscheiden können. „Wenn man das bedenkt, habe ich mich gewundert, wie wenig Zustimmung Scholz als ständig präsenter Vizekanzler bekommen hat.“

Noch einmal würde er der Partei so eine Ochsentour nicht empfehlen: „Das kann man so nicht nochmal machen“, sagt der Jurist, „es lähmt die Partei.“ Die Regionalkonferenzen seien zwar sehr gut besucht, die Stimmung sei toll gewesen. Einfache Mitglieder hätte man da aber nicht gesehen. „Vor allem mit so einer Zeitspanne geht das nicht“, sagt Schindler, die anderen hätten gesagt: „Mit der SPD brauchst nicht zu reden, die wissen nicht mal, wer ihr Vorsitzender wird.“

Alter und vermutlich auch neuer SPD-Bezirkschef Franz Schindler: allerdings bald nicht mehr allein.

„Totgesagte leben länger“

Dennoch sieht Schindler der möglichen nächsten Amtsperiode nicht hoffnungslos entgegen: „Totgesagte leben länger“, macht er sich Mut. Natürlich habe die Groko ein ganz schlechtes Image, auch wenn man dafür oft zu Unrecht der SPD die Schuld gebe: „Ohne uns gäbe es keinen Mindestlohn und keine Grundrente, aber das wird nicht honoriert.“ So aber würde die Große Koalition immer kleiner und obendrein ausgerechnet die AfD stärkste Opposition nach den Grünen.

Die traditionellen Wählerbindungen seien aber nicht nur hierzulande am Abnehmen, Parteien mit schärferem Profil profitierten. „Mit der Klimadiskussion bekamen die Grünen einen Hype, das kann man nicht steuern.“ Die SPD wäre seiner Ansicht nach dennoch schlecht beraten, sich grüner generieren zu wollen als das Original. Im Übrigen hätten die das Thema auch nicht erfunden: „Willy Brandt hat schon 1972 davon geredet, dass der Himmel über der Ruhr wieder blau werden muss.“

Gewagter Kanzlerkandidat

Man müsse dem einstigen Koalitionspartner Respekt zollen, wie sie den Aufstieg zu einer kleinen Volkspartei gemeistert hätten: „Unser Hauptgegner sind nicht die Grünen, sondern die Konservativen und Rechtsextremen.“ Die SPD tue sich aber schwer mit der eigenen Wahrnehmbarkeit: „Die CSU kopiert sozialdemokratische Forderungen, Söder hat kein Problem mit der Grundrente und auch die Grünen reden jetzt von sozialer Abfederung der Klimapolitik.“

Die Gemengelage sei eben schwierig. „Wenn man das alles bedenkt, wären neue Köpfe an der Spitze schon hilfreich.“ Wenn der Finanzminister wieder gewählt würde, bringe der sich als Kanzlerkandidat in Position: „Das ist schon gewagt bei knapp 16 Prozent, das merken die Leute doch.“ Was ist die Alternative? „Die letzte Pause, in der sich die SPD regenerieren konnte, dauerte von 1982 bis 1998.“ Da kommt man schon ins Grübeln.

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