24.05.2019 - 13:09 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Das grüne Dach muss dicht bleiben

Ausstellung zum Wald im Schwandorfer Stadtmuseum zeigt multimedial dessen Bedeutung. Denn: Der Wald ist weit mehr als eine schöne Kulisse.

Um die Ausstellung naturnah zu gestalten, wurden echte Baumstämme ins Museum gebracht. Im Bild Museumsleiterin Eva Maria Keil.
von Irma Held Kontakt Profil

Der Wald ist für den Menschen überlebenswichtig - heute noch und zukünftig ebenso. Das zeigt eine Ausstellung im Schwandorfer Stadtmuseum. In der Schau ist viel von nachhaltig die Rede. Nachhaltig soll sie auch auf die Besucher wirken, in dem Sinne den Wald wert zu schätzen. Ihn zum Beispiel nicht als Müllkippe zu missbrauchen. Der Begriff Nachhaltigkeit kehrt mit dem vom Freistaat geförderten Projekt "Initiative Zukunftswald" genau dahin zurück, wo er herstammt, aus der Forstwirtschaft.

Schon die heutigen Fichtenwälder sind im Grunde Zeugen einer gigantischen Naturzerstörung als die Oberpfalz als "Ruhrgebiet des Mittelalters" galt. Der Mischwald musste den schnell wachsenden Fichten- und Kiefern-Monokulturen weichen. Die allgemeine Luftverschmutzung setzte Jahrhunderte später dem Wald massiv und sichtbar zu, Bäume starben ab. Auf Höhenzügen des Bayerischen Waldes mahnen Baumskelette noch heute.

Doch zurück zur Ausstellung, die einen weiten Holzbogen spannt, vom Jagdvergnügen der Adeligen, über Handwerksberufe, wie Fassmacher, Wagner oder Zimmermann, bis hin zu Küchen- und Arbeitsgeräten aus Holz. Exponate veranschaulichen diese Vielseitigkeit des Werkstoffs Holz. Das ist der Beitrag von Museumsleiterin Eva Maria Keil. Für den Wald als Arbeitsplatz, als Lebensraum oder Ernährungsgrundlage ist der Bereich Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zuständig. Wobei er den Wald durchaus aus verschiedenen Blickwinkeln und Funktionen darstellt.

Da darf der Erholungssuchende, der die Stille genießen und frische Luft atmen will, genauso wenig fehlen wie der Schwammlersucher, der nach Pilzen Ausschau hält, der Beerensammler, der sich auf einen Schwarzbeerkuchen freut oder der Imker, der auf Waldhonig hofft. Und nicht zuletzt der Waldbewirtschafter, der Holz vermarkten oder verfeuern will. Der Wald ist Erholungs- und Arbeitsplatz in einem.

Der Waldumbau vom bereits erwähnten Nadelwald zum artenreichen klimastabilen Mischwald weist in die Zukunft. Die Erderwärmung stellt eine ganz neue Herausforderung für Tier- und Pflanzenwelt und in der Folge für Forstleute dar. Damit der Rundgang aber nicht zu trocken und hölzern wird, ist er interaktiv und multimedial konzipiert, sind echte Baumstämme im Museum eingezogen und ist das kleine Gärtchen ebenfalls Teil der Ausstellung. Video, Computerspiel, Frage- und Antwortkasten sprechen vor allem ein jüngeres Publikum an, sorgen für Abwechslung.

Was der Holznutzungsbaum dem Museumsbesucher zu erzählen hat, macht nicht an der Landkreisgrenze halt. Und das Wissen, das der CO2-Würfel bereit hält, geht weit über Schwandorf hinaus, wie viele andere Informationen über die Vielfalt des Waldes. Und nachhaltig, um wieder zum Ausgangspunkt zurückzukommen, ist die Ausstellung auch in der Hinsicht, dass die Schautafeln wieder verwendet werden können.

Info:

Service

Die Sonderausstellung „Unser Wald im Landkreis Schwandorf – damals, heute zukünftig“ in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Forstverwaltung ist noch bis 9. Juni zu sehen. Öffnungszeiten: Mittwoch, Freitag und Sonntag, 14 bis 17 Uhr sowie Donnerstag, 12 bis 18 Uhr, und nach Vereinbarung. Telefon 09431/41553; E-Mail stadtmuseum@schwandorf de.

www.schwandorf. de

Info:

Waldnutzung

Das Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen stellt in dieser Saison ebenfalls den Wald in den Mittelpunkt. Auf dem Gelände sind verschiedene Formen der Waldnutzung zu sehen, Waldmast und Waldweide sind zwei davon. Rindenschälen, Köhlerei oder Pottasche-Sieden als Teil der früheren gewerblichen Nutzung des Holzes, wie der Oberpfälzer sagt, werden wieder in Erinnerung gerufen. Zu diesem Jahresthema bietet das Freilandmuseum bis zum Herbst regelmäßig auch Sonderführungen an.

www.freilandmuseum.org

Erstmals wurde der kleine Museumsgarten in eine Ausstellung integriert. Er steht als Sinnbild für den Wald als Ruheraum.
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