14.09.2018 - 14:56 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Hans Schuierer als Messlatte

Johannes Zeiler ist ein erfahrener Schauspieler. Er ist nicht auf einen speziellen Typus festgelegt. Die Rolle des Hans Schuierers bezeichnet er aber als besondere Herausforderung. Das hat seinen Grund, verrät er im Interview.

Er lasse sich von Herrn Schuierer überraschen, sagte dessen Film-Ego Johannes Zeiler vor der „Wackersdorf“-Premiere auf dem Münchner Filmfest. Er wurde mit diesem Satz des Altlandrats überrascht: „Ich hätte nie gedacht, dass mir jemand so nahe kommen kann.“
von Irma Held Kontakt Profil

Johannes Zeiler kommt nahezu unerkannt ins Alpenhotel im Münchener Stadtzentrum, er ist ja auch nicht mehr Hans Schuierer. Sportlich, lässig gekleidet wirkt der 48-Jährige Schauspieler mit Dreitagebart ganz anders als beim Dreh für „Wackersdorf“ im vergangenen November. Sowohl er wurde für die Rolle des unbeugsamen Schwandorfer Altlandrats Hans Schuierer zurückversetzt in die 80er Jahre als auch die komplette Filmkulisse. Jetzt ist er wieder im Hier und Jetzt des Jahres 2018 angekommen.

Der charmante Österreicher arbeitet bereits intensiv an einem neuen Projekt, wie er Oberpfalz-Medien erzählt. International bekannt wurde der aus der Steiermark stammende und in Wien lebende Darsteller durch die Titelrolle des „Faust“ (2011). Alexander Sokurovs Film gewann bei den Filmfestspielen in Venedig den Goldenen Löwen. Neben vielen anderen Film und Fernsehrollen ist ein erwähnenswert. Bereits einmal verkörpert Zeiler einen Politiker. In „Deckname Holec“ (2016) gibt er den 2008 verstorbenen ehemaligen ORF-Fernsehdirektor und Wiener Bürgermeister Helmut Zilk.

ONETZ: Herr Zeiler, Personen darzustellen, ist Ihr Beruf. Ist es schwerer oder auch spannender eine noch lebende Person zu spielen, der Sie während der Dreharbeiten kurz begegnet sind?

Johannes Zeiler: Eine reale Person zu spielen, ist insofern eine Herausforderung, weil es das konkrete Vorbild für die Menschen gibt. Daran muss man sich messen lassen, an dem Bild, das die Menschen von der Person haben.

ONETZ: Hatten Sie, bevor sie die Rolle bekamen, Vorwissen zum Thema WAA und zu Herrn Schuierer?

Johannes Zeiler: Der Landrat Schuierer und dessen Bedeutung waren mir nicht bekannt. Die WAA-Problematik sehr wohl. Die WAA und die Proteste waren auch in Österreich ein Thema. Wir hatten zu der Zeit Hainburg, ein Wasserkraftwerk, das nicht gebaut wurde.

ONETZ: Wie haben Sie sich der Figur des Altlandrats genähert?

Johannes Zeiler: Ich habe mich mit der Person auseinandergesetzt, indem ich mir Bild- und Videomaterial, das vorhanden war, angeschaut habe. Ich habe natürlich sehr viel über ihn gelesen, von Zeitungsartikeln bis hin zur Biografie.

ONETZ: Wie, glauben Sie, fällt die Reaktion von Hans Schuierer auf Ihre Interpretation seiner Person aus?

Johannes Zeiler: Ich gehe davon aus, dass er sagen wird, dass das und jenes anders gewesen ist. Ansonsten lasse ich mich aber von Herrn Schuierer überraschen.

ONETZ: Der Oberpfälzer Dialekt klingt im Film gekonnt. Woher kommt das?

Johannes Zeiler: Ich spreche wienerisch und steirisch, aber ich habe einen kleinen Vorteil. In der Gegend, der nordöstlichen Steiermark, in der ich aufgewachsen bin, haben sich Oberpfälzer Mitte des 19. Jahrhunderts angesiedelt. Dieser Teil der Steiermark bellt genauso wie die Oberpfalz. Das ist mir das erste Mal aufgefallen als ich im Fernsehen eine Dokumentation über Karpfenbauern nördlich von Weiden gesehen habe. Ich war total von den Socken, weil sie genauso geredet haben wie wir.

ONETZ: Was sind Ihre nächsten Rollen?

Johannes Zeiler: Ich bin als Theaterschauspieler groß geworden und mache seit zehn Jahren fast nur noch Film oder Fernsehen. Derzeit drehe ich für eine Serie in Österreich. Der Arbeitstitel ist „Erbschaftsangelegenheiten“. Ich spiele hier die Hauptrolle, einen Erbenermittler, der auf der Suche nach Hinterbliebenen auf unglaubliche Geschichten stößt. Ich bin sehr optimistisch, dass es die Serie in den bayerischen Bereich schaffen wird.

"Wackersdorf" im Kino:

Die Kinotour für „Wackersdorf“ hat am Donnerstag, 13. September, in Anwesenheit von Johannes Zeiler das Wiener Votivkino eröffnet. Im Zuge dieser Reihe ist der Film als Preview in mehreren, ausgewählten Kinos in der Region zu sehen. Am Sonntag, 16. September, ab 15 Uhr im Starmexx in Burglengenfeld, ab 17.30 Uhr im Cineplex in Amberg und ab 20 Uhr im Kino in Nittenau. Anwesend sein werden Regisseur Oliver Haffner und Anna Maria Sturm alias Monika Gegenfurtner. Zur Vorstellung am Montag 17. September, 18 Uhr, ins LuLi Kinocenter nach Sulzbach-Rosenberg kommen Produzent Ingo Fließ und Haffner. Die Bayern 2-Debatte im Ostentor-Kino in Regensburg am Dienstag, 18. September (18 Uhr), bestreiten Fließ, Haffner, Sturm und Zeiler.

Diese vier werden auch dabei sein, wenn der Film am Mittwoch, 19. September, (ab 19.30 Uhr) nach zwei Vorstellungen im Open-Air-Kino im Schwandorfer Stadtpark wieder heimkehrt – in die Schwandorfer Oberpfalzhalle. Folgendes Programm ist vorgesehen. Gegen 19.15 Uhr roter Teppich, 19.30 Uhr Begrüßung und Filmbeginn, gegen 21.45 Uhr Bühnenpräsentation.

Bereits am 11. September gab es ab 17 Uhr eine Sondervorstellung von „Wackersdorf“ im Schwandorfer Lichtwerk-Kino, geordert vom Landratsamt. Mit dabei wiederum der Protagonist des Films, Altlandrat Hans Schuierer, und auch Altlandrat Volker Liedtke. Er war 1981 eines der Gründungsmitglieder der Bürgerinitiative gegen die Wiederaufarbeitungsanlage im Städtedreieck. Das Schwandorfer Landratsamt beziehungsweise das Amtszimmer des Landrats waren in den 80er Jahren und sind auch im Film die zentralen Orte.

Der Film-Inhalt:

„Wackersdorf“ konzentriert sich auf den früheren Schwandorfer Landrat Hans Schuierer. Der zunächst der WAA gegenüber aufgeschlossen, dann zu deren entschiedenem Gegner wird. Besonders missfällt ihm, dass der Staat nicht davor zurückschreckt Gesetze zu missachten oder in seinem Sinne zu ändern. Die „Lex Schuierer“ gibt es noch immer.

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