17.06.2019 - 12:15 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Hella Brice: "Wir haben oft über den Tod gesprochen"

Hella Brice kehrt an den Winnetou-Drehort in Kroatien zurück. Dort erinnert sich die Oberpfälzerin an ihren verstorbenen Mann, den Schauspieler Pierre Brice.

Hella Brice vor der Kulisse des Tulove Grede in Kroatien mit Portraits ihres Mannes.
von Helmut KunzProfil

Fackeln über den „Gräbern“ Nscho-tschis und Intschu-tschunas. Alte Filmplakate, Silberbüchse, Bärentöter und die Kostüme von Winnetou und Old Shatterhand. Ein Orchester spielt Martin-Böttcher-Melodien. Im Vordergrund Portraits von Lex Barker und Pierre Brice, die heuer 100 und 90 Jahre alt geworden wären. Zu Pierre Brice' vierten Todestag im Juni besucht seine Witwe Hella Brice, die in Schwandorf und Amberg aufgewachsen ist, den Tulove Grede in Kroatien. Es ist Winnetous Schicksalsberg. Unweit der Sterbestelle im Film des Apachenhäuptlings präsentiert Ulrich Wirsing der Schirmherrin seiner „Winnetoufeste“, die der Nürnberger seit 2012 jährlich für Fans organisiert, eine Überraschung.

ONETZ: Was fühlten Sie, als Sie sich umdrehten und die Portraits Ihres verstorbenen Mannes vor diesem magischen Berg erblickten?

Hella Brice: Wow! Das hat mich ergriffen, das hat mich von hinten gepackt. Das war ein Gänsehautgefühl am ganzen Körper. Links der Lex, rechts der Pierre. Die schauen sich jeweils immer an. Das geht bis zum Kind zurück. Gigantisch finde ich auch die Filmposter vor der Kulisse des weißen Berges hier. Ich wünschte es jedem, das live miterleben zu dürfen.

Hella Brice mit Winnetous Silberbüchse.

ONETZ: War dies Ihr erstes Wow-Erlebnis an diesem Ort?

Was der Ulli schon alles auf die Beine gestellt hat, ist einfach nur hammermäßig. An Pierres erstem Todestag haben wir hier ‚Winnetou 3‘ gesehen und da hat er den ganzen Berg in den französischen Nationalfarben anstrahlen lassen. Das zweite Lichterlebnis war ein Jahr später am Zrmanja-Canyon, wo ein Schwarz-Weiß-Foto Pierres um Mitternacht aus der Tiefe des Canyons in den Himmel aufstieg. Ich freue mich, dass Ulrich den Leuten ihren Traum weiterleben lässt.

ONETZ: Hilft es Ihnen bei Ihrer Trauerbewältigung, wenn Sie spüren, wie sehr Ihr Gatte heute noch als Idol verehrt wird? Wie stehen Sie zu seinen Fans?

Genau unter diese Menschen möchte ich mich mischen, weil die mit mir den Pierre feiern. Er ist noch da für uns. Genau dieses Gefühl habe ich hier. Dass Pierre nicht weg ist, sondern dass er einfach unter uns ist. Das ist ein sehr starkes Gefühl. Sie wollen den Menschen Pierre Brice kennenlernen. Er hat ja die Rolle des Winnetou verkörpert. Ich möchte eine kleine Botschafterin sein und seine Werte aufrecht erhalten. Ich denke, dass das wichtig ist, gerade in der jetzigen Zeit, in der alles immer oberflächiger wird. Es gibt keine Nächstenliebe mehr, jeder denkt nur noch an sich. Noch heute schreiben mir Leute, er habe ihnen Werte vermittelt.

ONETZ: Wie war er denn als Mensch?

Er stand ein für Freundschaft, Kameradschaft und Mut. Mut war für ihn das wichtigste. Denn Mut ist der Gegenpol zur Angst. Aus Angst entstehen alle negativen Eigenschaften. Er hat immer gesagt: Wenn du Mut hast, dann tötest du alles Negative. Diese Formel galt für ihn schon während des Indochina-Krieges, an dem er in jungen Jahren teilnahm. Deshalb konnte er den Winnetou auch so gut interpretieren. Er hat die Rolle des Winnetou gelebt, ihm eine Seele geschenkt und er hat seine Werte in dieser Rolle weitergegeben. Ohne es zu wissen. Er war schon so, als ich ihn kennengelernt habe. Ich musste keinen Deut an ihm verändern. Er war es. So wie er es uns auf der Leinwand vorgespielt hat. So edel, so mutig. Er stand ein für Gleichberechtigung. Für jeden, der schlecht behandelt wurde, trat er ein. Da habe ich ihn schon wütend gesehen. Ich erinnere mich an eine Situation, da hat er einen aus der Filmcrew an der Krawatte gepackt, weil der einen anderen dumm angemacht hatte. Das war Pierre.

ONETZ: Wie sehr war er sich seiner Bedeutung als Winnetou in Deutschland bewusst?

Pierre hatte ja vorher große Filme in Rom gedreht, an der Seite großer Schauspieler, wie Marcello Mastroianni und kam dann plötzlich in die Karl-May-Szene. Er dachte sich: "Mein Gott, so einen Indianer zu spielen sagt mir eigentlich wenig. Kaum Text." Aber seine Agentin hat ihn überredet und ihm eine große Karriere in Deutschland prophezeit. Er konnte das nicht nachvollziehen. Er hat aber dann selbst bald diesen A-Star-Is-Born-Effekt erkannt und gemerkt, dass da mehr dahinter steckt. Als ich 1976 in sein Leben trat, habe ich ihm noch einmal grundsätzlich erklärt, warum er mit Winnetou so erfolgreich war. Ich war ja sein Publikum.

ONETZ: Welche Beziehung hatte Ihr Mann zum Tulove-Grede-Gipfelmassiv?

Eine große. Er sagte immer, mit einem kleinen Schmunzeln natürlich, wie er das so gut konnte, dass die Sterbeszene seine Lieblingsszene war. Da durfte er traurig sein. Da durfte er über sich selbst weinen. Pierre hat solche Sachen richtig geliebt, wenn er sie spielen sollte. Das sah man ja auch. Ich kannte Pierre wirklich sehr gut und ich weiß, dass er da innerlich sicher auch eine kleine Träne vergossen hat.

ONETZ: Sie waren in seiner Todesstunde bei ihm?

Ich habe alles hautnah miterlebt. Auch die letzten Sekunden. Ich habe mit ihm geredet, habe ihm gesagt: "Deine Seele geht jetzt aus Deinem Körper raus. Ich fühle Dich, ich spüre Dich und ich freue mich mit Dir. Geh ins Licht und in die Liebe."

Hella Brice mit Portraits ihres verstorbenen Ehemannes vor dem Gipfelmassiv des Tulove Grede.
Zur Person:

Hella Brice

Hella Brice ist die Witwe von Schauspieler Pierre Brice. Als Hella Krekel wurde sie mit ihren Drillingsschwestern am 8. Oktober 1949 auf Schloss Fronberg bei Schwandorf geboren. 1951 zog die Familie nach Amberg. In München lernte Hella Krekel Pierre Brice, der durch die Karl-May-Filme bereits berühmt war, kennen und lieben. Die beiden waren 34 Jahre verheiratet. (esa)

ONETZ: Pierre Brice ist also noch da?

Aber wie. Er steht neben mir, hinter mir. Der steht neben Euch. Er ist präsent. Ich will mich nicht in Selbstmitleid stürzen. Ich reiß mich zusammen. Ich spüre ihn. An jedem Ort, den ich betrete, zuhause, überall spüre ich Pierre. Wir haben oft über diese Dinge geredet.

ONETZ: Über den Tod?

Wir haben oft über den Tod gesprochen. Und wir haben gesagt, dass die Geburt genauso wichtig ist wie der Tod andersrum auch. Wir müssen damit leben können. Man sollte den Tod nicht beweinen. Denn sie sind ja glücklich die Seelen, dass sie endlich von diesem harten Erdenleben erlöst sind. Wir sollten eigentlich mit ihnen feiern, so wie sie das in anderen Religionen und Kulturen tun. Ich denke da nur an das katholische Irland. Gott bestraft nicht, wir bestrafen uns alle selbst. Sie sind nicht weg die Verstorbenen, nur die Materie vergeht. Die Seele ist Energie und Licht.

ONETZ: Werden Sie noch einmal nach Amberg zurückkehren?

Ich möchte so gern mal wieder nach Amberg. Jetzt habe ich Zeit. Wenn mein letztes Buch geschrieben ist, das ich aus Bildern, Fotos Anekdoten und Unterlagen zusammensetze, dann habe ich wirklich vor, nach Amberg zu kommen. Ich liebe Amberg. Mein Schwager Hubert ist ja auch aus Amberg und der fährt mit mir und meiner Drillingsschwester Hummy bestimmt mal hin. Grüßen Sie mein geliebtes Amberg von mir.

Ein Doppeljubiläum groß gefeiert: 100 Jahre Lex Barker und 90 Jahre Pierre Brice.

Eine Reise zu den Filmschauplätzen

Weiden in der Oberpfalz
Hella Brice mit Silberbüchse.
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