Mit 30 ließ sich Bruno Wilfahrt mit einem Kumpel am Polarkreis aussetzen, kämpfte sich mit Rucksack und Kompass eine Woche lang durch die finnische Wildnis. Jahre nach seiner Survival-Tour durchkämmte er das kanadische Hope, wo 1981 „Rambo“ gedreht wurde. Im texanischen Waco fand er Aufnahme in die „Hall of Fame“ der Texas Rangers. Beim Abstieg in den Grand Canyon brach er sich den Knöchel und schlug sich, auf sich allein gestellt, bis Weiden durch.
Wilfahrt liebt das große Abenteuer. Jetzt besuchte er die Hotspots der Winnetou-Verfilmungen aus den 60er Jahren in Kroatien. Mit 14 hatte er alle Winnetou-Bücher gelesen. Aber es waren vor allem die Filme mit Pierre Brice, die es ihm angetan hatten. An der Figur Winnetou faszinieren ihn die Tugenden wie Kameradschaft, Ehre, Naturverbundenheit und der Einsatz für Schwächere. Schon als Kind besaß er dasselbe Messer wie Old Shatterhand: Ein Puma Bravo.
"Ist dir schon mal aufgefallen, wie oft Winnetou seine zweischüssige Schrotflinte abgefeuert hat, ohne nachzuladen? Wo hatte er nur all seine Patronen aufbewahrt?" Wilfahrt: „Mir geht es nicht darum, jeden Stein zu inspizieren, auf dem Sam Hawkens gesessen hat. Mit geht es um den Spirit, der von diesen Filmen ausging. Wie konnte Winnetou eine ganze Generation fesseln?“
Wichtige Szenen wurden damals an den Plitvicer Seen gedreht. Klar, dass hier die Suche des 64-jährigen beginnt. Und Wilfahrt tut das nicht nur auf den ausgelatschten Touri-Pfaden. Wer mit dem Outdoor-Mann unterwegs ist, wird unweigerlich zum Waldläufer. Er war schon öfter hier. „Dort oben ist mein Lieblingspunkt. Von dort aus sieht man zwei in sich spiegelnde Seen und einen Wasserfall.“ Dort oben? Das bedeutet einen Umweg von einer Stunde, beachtliche Steigungen, umgestürzte Bäume und fast undurchdringliches Dickicht. Aber der Blick ins Tal ist wirklich überwältigend.
Wilfahrt ist gut vorbereitet. Die Schlüsselszene der Befreiung von Götz George und Karin Dor in "Der Schatz im Silbersee" fand am Wasserfall Mali Prstavac im Bereich der Oberen Seen statt. Hier wurde damals auch das Foto für das Filmplakat geschossen. Der Film wurde im August gedreht, die Seen führten damals weniger Wasser. Deshalb hatte das Team mehr Platz zum drehen. Der Baum, an den die beiden gefesselt waren, ist heute ein Stumpf. Der Zugang zur Schatzhöhle ist bei Wilfahrts Besuch wegen Hochwassers gesperrt. Wenige Meter dahinter: Der große Wasserfall, an dem Winnetou zu Beginn des zweiten Teils vorbeiritt.
Keine zwei Stunden südlich, bei Obrovac, stand das Apachen-Pueblo. Der grün-blaue Zrmanja-Canyon war in den Filmen der Rio Pecos. Von der nahen Straße aus hat man keine Chance, den Drehort zu sehen, wo Winnetou und Old Shatterhand Blutsbrüder wurden. Aber Wilfahrt weiß die Zufahrt. Besucher tauchen hier tröpfchenweise auf. Es sind allesamt Fans der Karl-May-Abenteuer. Auch Tschechen und Polen. In ihren Ländern liefen die Filme sehr erfolgreich. Wie es der Zufall so will, trifft Wilfahrt ein Paar aus Wernberg und Schweinfurt, das aus Nostalgie-Gründen hier ist.
Gegenüber des Canyons befindet sich der Mali Alan, das wohl fantastischste Winnetou-Motiv. Magie pur. Man spürt den Geist Winnetous. Eine halbe Stunde geht es am „Eisenbahner-Camp“ aus „Winnetou 1“ vorbei, über einen Schotterweg hoch zum schneeweißen Gipfelmassiv. Hier oben wurden viele Schlüsselszenen gedreht. Am „Santer-Krater“ erschoss Mario Adorf Nscho-tschi und Intschu-tschuna. Er selbst stürzte in die Speere der Apachen.
Vom kleinen Parkplatz an der Windmauer sind es hin und zurück eine Stunde Fußmarsch zur „Sterbestelle“ Winnetous. Vorsicht, Schlangen! Aber das ist ja ganz im Sinne Wilfahrts. "Eine herrliche Landschaft". Der Aufstieg an den Ort, wo Rollins 1965 Winnetou erschoss, hat fast schon alpinen Charakter. "Wie haben die damals nur ihre Ausrüstung hier hoch gebracht?" Der Ausblick in die grünen Seitentäler, wo die Rollins-Banditen angegriffen und die US-Armee campiert hatten, ist atemberaubend.
Zurück an der Mauer ein weiterer Zufall. Der Nürnberger Karl-May-Fan Ulrich Wirsing organisiert seit 2012 für Gleichgesinnte einwöchige „Winnetoufeste“ zu den Original-Drehorten. Und diese Gruppe trifft exakt zur selben Zeit ein, als der Weidener von der "Sterbestelle" zu seinem roten VW-Bus zurückkommt. Im Gepäck: Hella Brice, die Witwe von Pierre Brice. Wilfahrt erzählt ihr, dass er vor vier Jahren, als die Eilmeldung von Pierres Tod über die Ticker ging, sein Country-Programm unterbrach und die Winnetou-Melodie spielte. Ein mitgereister Fan aus Arzberg fällt auf die Knie, als er erfährt, dass Wilfahrt der "Country-Bruno" von Ramasuri sei. Am Vortag des vierten Todestags des Winnetou-Darstellers findet hier oben an den "Gräbern" Nscho-tschis und Intschu-tschunas ein Orchester-Konzert mit Martin-Böttcher-Melodien statt. Die Gruppe aus Deutschland feiert den 100. Geburtstag von Lex Barker und den 90. von Pierre Brice.
Anderthalb Autostunden südlich, ein weiteres großartiges Panorama: Die Krka-Wasserfälle bei Sibenik, Motiv zahlreicher Karl-May-Filme. Auch Teile der Neuverfilmung wurden hier gedreht. Lex Barker ritt in „Old Shatterhand“ über eine Brücke, ein Daliah-Lavi-Double sprang nackt von den Fällen in den See und Sam Hawkens turtelte mit Squaw „Vollmond“. Hier plauderten Old Shatterhand und Nscho-tschi über beider Zukunft.
Wilfahrt zieht Bilanz: Regisseur und Bergsteiger Harald Reinl hat von seinen Schauspielern viel Einsatz und Wagemut auch in sehr schwierigem Gelände verlangt. „Und er hatte einen guten Scout, der ihm die schönsten Stellen präsentierte." Wer die Drehorte besuche, gelange automatisch an die herrlichsten Stellen Kroatiens. Ihm fällt dazu eine Botschaft des Extrem-Paddlers Dirk Rohrbach ein: Wer sich in der Natur bewegt, trifft nur auf freundliche und hilfsbereite Menschen, egal welcher Hautfarbe und Nationalität sie sind. Naturbursche Wilfahrt dazu: „Ich wünsche mir, dass die jetzigen Machthaber, anstatt unsinnige Zölle einzuführen, Energien zu verschwenden oder wie in Deutschland Messer mit nur noch sechs Zentimeter langer Klinge zu erlauben, lieber wie einst Präsident Theodore Roosevelt ein paar Tage lang in die Wildnis gingen, um zu spüren, wie gut das den Menschen tut."


















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