15.03.2019 - 13:34 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Leidenschaft am Klavier

Pianist Stephan Möller beeindruckt beim Klavierfrühling mit hingebungsvollem Spiel

Einfühlsam interpretierte Stephan Möller Klavierwerke von Robert Schumann.
von Reinhold TietzProfil

Mitreißendes Engagement ist das mindeste, was man über die Spielweise des Pianisten Stephan Möller äußern kann, der am Donnerstag im dritten Konzert des Schwandorfer Klavierfrühlings im Saal des Oberpfälzer Künstlerhauses zwei Klavierwerke von Robert Schumann vorträgt. Schumanns Schaffen ist eng mit seinen Lebensumständen verknüpft, und die schwanken immer wieder zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt.

So sind auch die vorgetragenen Stücke in ihrem Charakter durchaus unterschiedlich und doch im jeweiligen Ausdruckswillen ebenso innerlich verbunden. Möller interpretiert zuerst die "Davidsbündlertänze. 18 Charakterstücke für Klavier" op 6. Die jeweiligen Überschriften geben den entscheidenden Hinweis darauf, welche Stimmung im Spiel dargestellt werden soll. Das reicht von "Wild und lustig" über "Zart und singend" zu "Lebhaft" und "Innig" oder "Sehr rasch" und "Nicht schnell", um einige Gegensätze zu benennen.

Mit äußerster Hingabe

Der fiktive Davidsbund galt dabei für Schumann als Avantgarde, die sich mit der damaligen Biedermeierkultur kritisch befasste. Tänze stellen dabei das Wollen dar, eine Weiterentwicklung der notwendigen gedanklichen Entwicklungen zu fördern. Dementsprechend unterschiedlich sind die jeweiligen Gedanken, die nacheinander musikalisch vom Pianisten zum Ausdruck gebracht werden. Faszinierend ist dabei der körperliche Einsatz, den Stephan Möller mit der Arbeit seiner Hände vollbringt und dem faszinierenden gedanklichen Hörergebnis, das sein Spiel hervorruft. So emotional aufrüttelnd hört man dieses Werk äußerst selten.

Mit äußerster Hingabe trägt der Pianist auch die "Fantasie C-Dur" op 17 vor. Sonate hat sie Schumann nicht genannt, weil formal nur drei Sätze gegeben sind, wobei der langsame noch dazu am Schluss steht. Noch entscheidender dürfte gewesen sein, dass Schumann sich formale Freiheiten erlaubte, die gedanklich aus seiner gerade schwierigen Liebesbeziehung zu Clara Wieck, seiner späteren Ehefrau, resultieren.

Dementsprechend ist der Kopfsatz "Durchaus fantastisch und leidenschaftlich vorzutragen. Im Legendenton" zwischen stürmischer Klage und lyrischer Schwärmerei hin- und hergerissen. Der folgende Satz "Mäßig. Durchaus energisch" stellt sich mit hymnischem Beginn und folgenden rhythmischen Umspielungen eines großen Themas als gedankliche Mäßigung dar.

Tiefe Eindrücke

Der Schlusssatz "Langsam getragen. Durchweg leise zu halten" evoziert eine Stimmung zwischen elegischem Verzicht und harmonischem Traum mit leisem Ende. Stephan Möller gelingt es, alle diese tiefen Eindrücke an seine Zuhörer aufwühlend zu vermitteln. So gesehen ist dieser Klavierabend ein ganz besonderes Ereignis und man wird, wenn man wieder einmal Klaviermusik von Schumann hört, die Interpretation an diesem Erlebnis messen.

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