08.03.2020 - 13:31 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Eine liebenswerte Forelle

Der 14. Schwandorfer Klavierfrühling beginnt mit drei großartigen Werken der Kammermusik

Das Eröffnungskonzert des 14. Schwandorfer Klavierfrühlings gestalteten Studierende der Hochschule für Musik Nürnberg mit Wolfgang Manz (Zweiter von links) am Klavier.
von Reinhold TietzProfil

Der Saal im Oberpfälzer Künstlerhaus ist am Donnerstagabend mit erwartungsvollem Publikum sehr gut gefüllt, als Dr. Christina Lanzl, die Leiterin des Hauses, die Besucher begrüßt. Christian Seibert, der Künstlerische Leiter des Klavierfrühlings, weist auf die Bedeutung von Ludwig van Beethoven als Schöpfer neuer musikalischer Ideen hin. Dann kommen Annika Härtig (Violine), Pascal Schwab (Viola), Kiara Konstantinou (Violoncello) und Wolfgang Manz (Klavier) nach vorn und eröffnen mit dem Klavierquartett Es-Dur op 16 von Ludwig van Beethoven die Vortragsfolge. Ursprünglich als Bläserquintett verfasst, bewirkt die Neufassung des Werks für Klavier und Streichtrio neue klangliche Wirkungen mit neuem gelungenem Eigenwert. Mit einem intensiven "Grave" beginnt die Satzfolge. Das dazugehörige "Allegro ma non troppo" bringt seinen Melodiereichtum sehr lebhaft vor. Das folgende "Andante cantabile" schwelgt ebenfalls in ausgedehnten Streichermelodien, die vom Klavier mit passenden Akkorden unterstützt werden. Das abschließende "Rondo", wieder "Allegro ma non troppo", trägt ein liebliches Thema vor, das abwechselnd von allen Instrumenten flott dargestellt wird. All das trägt der erfahrene Pianist mit den jungen Studierenden der Hochschule für Musik Nürnberg in glanzvollem Einvernehmen und mit einsatzfreudiger Gestaltung vor.

Als nächstes Werk erklingt das Klavierquintett Es-Dur op 87 von Johann Nepomuk Hummel. Normalerweise sorgen in einem Klavierquintett ein Klavier zusammen mit einem Streichquartett für schöne Klangwirkungen. In diesem Werk und im Opus nach der Pause ist das anders: Statt der 2. Violine wirkt ein Kontrabass mit, der jetzt von Igor Sajatovic gespielt wird. Nach heftigem Beginn des "Allegro e risoluto assai" ertönen Melodien der Violine und Viola, begleitet von Harmonien des Cellos und des Kontrabasses. Dazu dauernd schnelle Umspielungen auf dem Klavier. Auch das "Menuetto" wird, da es "Allegro con fuoco" bezeichnet ist, rasch und feurig dargeboten. Sehr intensiv klingen die langsam gestalteten Töne im "Largo" und bewirken trotz seiner Kürze Entspannung. Das "Finale: Allegro agitato" jedoch zieht wiederum sehr rasch und feurig vorüber. So wie die Vortragenden das Werk erklingen lassen, würde man es gerne öfter hören.

Wie das nach der Pause vorgetragene Stück ist es - noch dazu in einer solchen Darbietung - wert, wesentlich öfter gehört zu werden. Dennoch ist der absolute Höhepunkt des Abends das "Forellenquintett", das "Klavierquintett A-Dur" op 114, D667 von Franz Schubert. Im "Allegro vivace" werden die freundlichen Themen rhythmisch miteinander verknüpft. Auch das "Andante" wirkt durch seine unbeschwerten Melodien. Ganz anders das feurige "Scherzo" mit seinem weichen "Trio". Das "Thema con variazioni" wird zuerst von den Streichern vorgetragen, dann in den sechs Variationen vom Klavier virtuos variiert. Eine liebenswerte Forelle! Das "Finale: Allegro giusto" schließlich bringt Fröhlichkeit in schwingenden Rhythmen zur Geltung. Ein zu Recht berühmtes Werk! So intensiv, wie die Interpreten des Abends spielen, ist das Konzert ein besonders Erlebnis!

Kurt Seibert bei seiner Klaviermatinée mit Variationen verschiedener Komponisten.
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