16.11.2018 - 16:15 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Museum wird zur Puppenbühne

Ihr Leben hängt an einer Angelschnur. Mit dem Kreuz setzt der Spieler die Marionetten in Bewegung. In bestimmten Posen erstarrt, harren sie bis Februar im Schwandorfer Stadtmuseum aus. Irma Held hat die Ausstellung besucht.

von Irma Held Kontakt Profil

Die rund 100 Unikate aus inzwischen 40 Spieljahren Schwandorfer Marionettentheater entstammen alle dem Schnitzmesser von Raimund Pöllmann, dem mittlerweile 80-jährigen Vater des Puppenspiels. Er verleiht den Zirbenholz-Kugeln auch Ausdruck und Gesichtsfarbe. Pöllmanns Frau Christine ist die Stylistin. Die Figuren werden von ihr der Zeit entsprechend, in der die Stücke spielen, angekleidet. Das Meiste wird an den beweglichen und fragil wirkenden Holzkörpern maßgeschneidert. Neben Informationen zur Geschichte des Schwandorfer Puppenspiels, das 1977 als Projekt der nicht mehr bestehenden Höflingerschule begonnen hat, zeigt der Rundgang zu Beginn die Entstehung der Holzköpfe, bevor diese den Rest der Ausstellungsräume „besetzen“.

Das Museum wird dabei zur ganz großen Bühne mit vielen kleinen. Christine und Raimund Pöllmann haben aus ihrer etwa 600 Puppen umfassenden Kinderstube einen repräsentativen Querschnitt ausgewählt und zusammen mit Museumsleiterin Eva Maria Keil die unterschiedlichsten Spielszenen arrangiert. Die passenden Kulissen machen die fantastische Märchen- und Theaterwelt perfekt. Der Betrachter träumt sich, dem Alltag entrückt, durch Stücke und Epochen. Die Puppentheaterleute zeigen in dieser Hinsicht keine Berührungsängste. Molière zählt genauso zu den Autoren wie Shakespeare, Ferdinand Raimund, E.T.A. Hoffmann, Max Frisch oder Ludwig Anzengruber. Das Ensemble ist sich in einem aber treu geblieben: Jede Spielzeit werden zwei neue Stücke auf die Bühne im Dachgeschoss des Oberpfälzer Künstlerhauses gebracht.

Auch bei den Kinderstücken ist das Theater wählerisch. Nur wenige Stücke werden nach Jahren wiederholt. Und dann mit anderen Puppen, umfrisiert wird selten: „Das passt einfach nicht so recht“, sagt Christine Pöllmann. Da werden lieber neue Holzköpfe mit neuem Outfit geschaffen, denen die Leidenschaft der Puppenspieler neues Leben einhaucht. Christine Pöllmann hat viele „Lieblingskinder“, eines davon ist der Drache Felix. Er durfte natürlich auch den Ausflug in die Ausstellung mitmachen. Einen richtigen Favoriten hat sie nicht. Sie mag die Wirtin aus dem gleichnamigen Stück von Peter Turrini und Sir Toby aus „Was ihr wollt“ von Shakespeare. Und dann sind ihr die Puppen, mit denen gerade gearbeitet und gespielt wird, „besonders ans Herz gewachsen“. Heuer also die Gretel, der Hänsel, Faust Mephisto, Scaramouche und manch andere. Sie werden aber für die aktuellen Aufführungen gebraucht.

Sir Toby hängt stattdessen im Museum ebenso wie Don Juan zusammen mit üppigen Damen mit ebenso üppigen Dekolletées und einer Oben-Ohne-Nixe. Ist das Marionettentheater eine feste Institution der Vorweihnachtszeit, so wenig hat das Theater im Grunde mit Weihnachten zu tun. In inzwischen über 40 Jahren gab es nur ein Weihnachtsstück und zwar 2012 „Die Weihnachtsgans Auguste“. Auch sie treibt sich noch im Museum herum und wird auch dieses Weihnachten wieder überleben.

Spielsaison:

Der „Faust“ nach Johann Wolfgang von Goethe und William Mountfort in der Schwandorfer Fassung feiert am 17. November Premiere. Die Vorstellung im Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf-Fronberg beginnt um 19.30 Uhr. Weitere Termine : 22. und 29. November, 1. und 14. Dezember, jeweils 19,30 Uhr sowie am 16. Dezember ab 17 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene 10, ermäßigt 6 Euro. Das Kinderstück „Hänsel und Gretel“ wird am 18. und 25. November, jeweils 14.30 und 16 Uhr, Samstag, 1., Sonntag, 9. und Samstag, 15. Dezember, jeweils 14.30 und 16 Uhr sowie am Sonntag, 16. Dezember, 14.30 Uhr aufgeführt. Der Eintritt beträgt für Kinder ab 4 Jahren 4 Euro und für Erwachsene 7 Euro. Für Kinder gibt es zum Abschluss jeder Vorstellung eine Überraschung. Restkarten gibt es im Oberpfälzer Künstlerhaus unter der Telefonnummer 09431/9716. Reservierung unbedingt erforderlich.

Spieler gesucht:

Nicht nur die Marionetten suchen, auch das Ensemble sucht neue Spieler. Alle im Theater – viele gehen noch einem anderen Beruf – freuen sich über eine Verstärkung. Wer Interesse hat ruft an unter der Nummer 09431/1336 oder schickt eine E-Mail an SADMarionetten[at]t-online[dot]de

Ausstellung:

Die Sonderausstellung „Das Schwandorfer Marionettentheater – über 40 Jahre auf der Bühne“ ist im Schwandorfer Stadtmuseum bis 17. Februar zu sehen.

Öffnungszeiten: Mittwoch, Freitag und Sonntag 14 bis 17 Uhr, Donnerstag 12 bis 18 Uhr sowie

nach Vereinbarung.

Kontakt: Telefon 09431/ 41553, E-Mail: stadtmuseum[at]schwandorf[dot]de

Im Internet

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.