Update 07.06.2018 - 09:36 Uhr
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Professor Mauser: "Ich kann mich an nichts Entsprechendes erinnern"

Professor Siegfried Mauser äußert sich zu den Vorwürfen, einer Studentin beim Schwandorfer Klavierfrühling zu nahe gekommen zu sein. Der 63-Jährige sieht sich als Opfer der Frauen, die ihm nach Jahren Gewalttätigkeit vorwerfen.

Professor Siegfried Mauser bei einem Konzert im Stadttheater Amberg.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Im schriftlich geführten Interview äußert sich der ehemalige Präsident der Münchener Musikhochschule, der Mitte Mai wegen sexueller Nötigung verurteilt wurde, zu den Vorwürfen, eine junge Frau beim Schwandorfer Klavierfrühling vor etwa zehn Jahren bedrängt zu haben. Die Nachwuchspianistin soll die Veranstaltung sofort verlassen haben, erfuhr Oberpfalz-Medien aus gut unterrichteten Kreisen.

Im schriftlich geführten Interview äußert sich der ehemalige Präsident der Münchener Musikhochschule, der Mitte Mai wegen sexueller Nötigung verurteilt wurde, zu den Vorwürfen, eine junge Frau beim Schwandorfer Klavierfrühling vor etwa zehn Jahren bedrängt zu haben. Die Nachwuchspianistin soll die Veranstaltung sofort verlassen haben, erfuhr Oberpfalz-Medien aus gut unterrichteten Kreisen. Kurz nach der Reaktion der Studentin hätten sich ihre Kommilitonen bestürzt über Mausers Vorgehen gezeigt und erwirkt, dass der Musikprofessor nicht mehr als Klavierlehrer zu der Veranstaltung eingeladen wird (NT/AZ vom 19. Mai 2018).

Im Interview erläutert der 63-jährige Mauser außerdem, wie es dazu kam, dass er weiter im wissenschaftlichen Beirat der Max-Reger-Tage saß, obwohl Vorwürfe sexueller Belästigung gegen ihn ab Ende 2016 bekannt waren. Seine Antworten hat Ehefrau Amélie Sandmann-Mauser an Oberpfalz-Medien weitergeleitet.

ONETZ: Was sagen Sie zu den Vorwürfen, dass Sie beim Schwandorfer Klavierfrühling vor zehn Jahren eine Studentin belästigt haben sollen, die den Klavierkurs daraufhin verlassen hat?

Professor Siegfried Mauser: Ich war sehr überrascht, durch den Artikel in Onetz erstmals mit einem solchen Vorwurf konfrontiert zu werden. Bis dahin war niemand damit an mich herangetreten, und ich kann mich auch an nichts Entsprechendes erinnern.

ONETZ: Stimmt es, dass Professor Kurt Seibert Sie danach nicht mehr zum Klavierfrühling nach Schwandorf eingeladen hat?

Professor Siegfried Mauser: Da ich in in dem betreffenden Zeitraum stets anderweitig ausgelastet war, stand dies überhaupt nicht mehr zur Debatte. Zudem war meine zweimalige Präsenz in diesem Rahmen meinem Empfinden nach ausreichend.

ONETZ: Professor Wolfgang Rathert soll Sie 2016 gebeten haben, Ihr Amt im wissenschaftlichen Beirat der Max-Reger-Tage in Weiden ruhen zu lassen, bis die Vorwürfe geklärt sind. Ist das richtig?

Professor Siegfried Mauser: Herr Rathert hatte nie mit mir persönlich gesprochen, geschweige denn mir so etwas nahgelegt. Meines Wissens war es seine eigene Entscheidung auszutreten, da der Beirat sich hinter mich stellte.

ONETZ: Sehen Sie sich als Opfer der Frauen, die Ihnen sexuelle Belästigung vorwerfen?

Professor Siegfried Mauser: Ich sehe mich als Opfer der Frauen, die mir Gewalttätigkeit vorwerfen. Eine von mir unbeabsichtigte Belästigung kann ich nicht ausschließen.

ONETZ: Können Sie sich vorstellen, dass eine Frau, die von Ihnen, einer guten Note oder von Ihren Kontakten abhängig ist, mehr Intimität zulässt, obwohl sie es als unangenehm empfindet?

Professor Siegfried Mauser: Natürlich ist so etwas generell denkbar. Mir wurde aber nie dieser Eindruck vermittelt, und ich habe auch keine Frau absichtlich einer solchen Situation ausgesetzt.

ONETZ: Was bedeutet sexuelle Belästigung für Sie?

Professor Siegfried Mauser: Die Wahrnehmung von sexueller Belästigung scheint mir sehr individuell zu sein. Zudem werden Begegnungen inzwischen gerne rückwirkend und erst nach Jahren als belästigend definiert. Ändert sich der Zeitgeist, geht damit oft auch ein Perspektivenwechsel einher. Ich selbst fühlte mich aber auch schon belästigt von Frauen, die Körperkontakt suchten, mich sogar gestalkt hatten.

ONETZ: Was halten Sie von der Verschärfung des Sexualstrafrechts in Schweden, das besagt, dass die Partner vor dem Sex freiwillig, ausdrücklich und erkennbar ihre Einwilligung dazu geben müssen?

Professor Siegfried Mauser: Dieses Gesetz ist meiner Meinung nach absurd und in der Praxis nicht realisierbar, da ja die Meinung auch noch während des Liebesspiels geändert werden kann und man sich immer wieder von neuem der Einwilligung versichern müsste. Auch ist eine solche präventive Sachlichkeit kaum mit der Vorstellung eines romantischen Abends vereinbar und lässt auch keine Spontaneität zu.

ONETZ: In welchen Institutionen sollen Sie ihre Ämter niederlegen? Ihre Frau hat in einer E-Mail angedeutet, der Artikel im Onetz würde nun dazu benutzt, Sie auszuladen.

Professor Siegfried Mauser: Der Link zum Artikel im Onetz fand sich in einer Rundmail an alle Verantwortlichen und Aufsichtsratsmitglieder des Beethoven-Fests Bonn, wo ich als Künstler und Wissenschaftler engagiert war. Die Intendantin Nike Wagner, mit der mich eine langjährige Freundschaft verbindet, wurde daraufhin schwerst attackiert. Selbstverständlich war ich deshalb auch einverstanden, nicht in Bonn aufzutreten.

ONETZ: Was bedeutet es für Sie, von Institutionen ausgeladen zu werden?

Professor Siegfried Mauser: Meine Existenz ist bedroht, mein Ruf schwer beschädigt, meine Gesundheit angeschlagen - darunter leidet auch meine ganze Familie.

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Stadt Weiden trennt sich von Siegfried Mauser: www.onetz.de/-d1867513.html
Mögliche sexuelle Belästigung einer Studentin in Schwandorf: www.onetz.de/-d1868521.html

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