03.12.2019 - 16:06 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Spaghetti-Dilemma vor Gericht

Ein Gast entrüstet sich beim Koch über die Qualität des Essens. Im Nachhinein will er wegen dieser Kritik eine Tracht Prügel bezogen haben. Nun beschäftigte sich das Schwandorfer Amtsgericht drei Tage lang mit dem Fall.

Prozess
von Autor HWOProfil

Ein köstlicher Fall - allerdings sehr strittig angesichts der Qualität eines Nudelgerichts, das heuer an einem Nachmittag im Januar einem Wirtshausgast in Schwandorf serviert wurde.

Dazu mussten vor dem Amtsgericht nun erst Hintergründe ausgeleuchtet werden. In einem Spezialitätenlokal hatte es einen Pächterwechsel gegeben. Da bedurfte es, zumindest vorübergehend, eines Küchen-Patrons, der zum einen das Personal in die Geheimnisse diverser Gaumenfreuden einwies und zum anderen selbst an den Herd trat. Der erfahrene Koch reiste aus Amberg an, gab sein Bestes und trat aus Gründen der Höflichkeit an Gäste heran, um beim Smalltalk zu erfahren, wie es denn gemundet habe.

Folgten der Kritik Schläge?

Da saß dann plötzlich einer, der mit seiner kleinen Tochter erschienen war und lautstark zum Besten gab: "Das Essen in diesem Lokal ist schon mal besser gewesen". Diese herbe Kritik will der 43-Jährige mit einer Serie heftiger Hiebe bezahlt haben. Vornehmlich ins Gesicht und so massiv, dass er nach eigenen Angaben das örtliche Krankenhaus aufsuchen musste. Dort stellten Ärzte Rötungen an den Wangen fest. "Doch die", sagte nun der Amberger Anwalt Jürgen Mühl für seinen Mandanten, den Spezialitätenkoch, "hätten auch durch eiskalte Außentemperaturen entstanden sein können."

Zehn Euro "Entschädigung"

Der Herr der Kochtöpfe (47) zeigte sich im Prozess erschüttert. "Der Mann hat herumgetobt, ich habe ihm zehn Euro gegeben und ihn aufgefordert, zu gehen." Zehn Euro waren mehr, als die Spaghetti auf dem Teller gekostet hätten. "Bekam er Schläge?", wollte die Richterin wissen. "Niemals", erfuhr sie. Das Verfahren wurde durch Zeugen begleitet. Keiner von ihnen hatte körperliche Übergriffe des Kochs beobachtet, aber von lautstarkem Gebrüll des Gastes war die Rede.

Beleidigung statt Körperverletzung

Zum Schluss ruderte auch die Staatsanwältin zurück. Körperverletzung mochte sie dem Koch nicht mehr unterstellen. Aber Beleidigungen seien doch gefallen, rügte die Anklagevertreterin und verlangte 800 Euro Geldstrafe.

Die Nudeln und ihr Wohlgeschmack endeten mit Freispruch. "Was wirklich los war in diesem Lokal, können wir hier nicht zweifelsfrei klären", entschied die Richterin. Letztlich auch deshalb, weil Menschen mit unterschiedlichsten Sprachen beteiligt waren. Nur der Begriff Spaghetti war ihnen allen geläufig.

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