04.06.2020 - 13:43 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Verbrüht vom Duschwasser

Die Frau stellt sich in ihre Badewanne und will duschen. Ein paar Tropfen kaltes Wasser kommen, dann schießt es siedend heiß aus der Brause. Auslöser: der Vermieter. Denn er hätte die Dame, deren Mann, zwei Kinder, einen Hund und zwei Katzen gerne aus der Wohnung gehabt.

Symbolbild
von Autor HWOProfil

Wenn es um fahrlässige Körperverletzungen geht, dreht sich das Geschehen vor dem Richtertisch meist um Verkehrsunfälle. Diesmal kam eine Causa zur Verhandlung, die das Merkmal der absoluten Seltenheit trug. Der Tatort war nicht die Straße, sondern ein Badezimmer im westlichen Kreis Schwandorf. Wobei auch ein Körper die Hauptrolle spielte: Der einer nackten Frau.

Die Familie war ihre Miete schuldig geblieben. Dieser Umstand und wohl auch die Tatsache, dass er es nicht mit absolut mustergültigen Hausbewohnern zu tun hatte, ärgerte den Vermieter. Vor der Schwandorfer Amtsrichterin Jennifer Jäger machte der Mann deutlich, dass er habe handeln müssen. "Ich hatte ihnen geschrieben, dass ich das Wasser abstelle", ließ er wissen. Nicht lange darauf schritt er zur Tat. "Weil sich mein Mandant nicht anders zu helfen wusste", wie ihm sein Anwalt Stefan Roggenhofer (Amberg) zur Seite sprang. Ob er wirklich vorher schrieb, blieb unklar.

40 Grad heißes Wasser

Nach Angaben des 60-jährigen Vermieters wurden Kalt- und Warmwasser von ihm abgedreht. Doch so ganz konnte das nicht stimmen, wie sich einem vom Ehemann des späteren Opfers per Handy aufgenommenen Video entnehmen ließ. Dort sprudelte es unmittelbar nach dem Zwischenfall aus der Brause. Zu diesem Zeitpunkt war bereits die Polizei in Nabburg alarmiert worden.

Was hatte sich zugetragen? Die Mieterin wollte zu abendlicher Stunde duschen. Die eigentliche Duschkabine funktionierte, nach ihrem Bekunden, "schon lange nicht mehr". Also stieg sie in die Badewanne, schäumte Kopf und Körper mit Shampoo ein, drehte den Hahn auf. Ein paar Tropfen kaltes Wasser kamen wohl noch. Dann schoss es siedend heiß aus der Brause. 40 Grad oder gar noch mehr. Das löste Verbrühungen ersten Grades am Hinterkopf der 25-Jährigen aus. Im Amberger Klinikum bestätigte später ein Arzt diese Blessur.

Ihr Gatte (28) eilte zunächst mit kühlendem Eis herbei - und wollte er nachsehen, wie sich das nun mit dem abgesperrten Wasser verhielt. Doch die Klinke zu diesem Raum im Mietshaus war abgeschraubt worden.

Verbrühungen bis heute

Zunächst hatte die Richterin noch darüber nachgedacht, ob man denn zur restlosen Klärung des Wasser-Falls einen Sachverständigen einschalten müsse. Doch nach den Berichten des Opfers und des Gemahls der angeblich bis heute unter den Verbrühungen leidenden Frau verzichtete die Vorsitzende auf die Hinzuziehung eines Experten.

800 Euro Geldstrafe standen in einem Strafbefehl, den der Vermieter angefochten hatte. Schließlich akzeptierte der 60-Jährige ihn; mit Zähneknirschen allerdings und dem Bemerken, dass man nach dem Auszug der Leute 30 Säcke mit Müll aus den Räumen geholt und sich mit Maden konfrontiert gesehen habe. Das nahm die Richterin zur Kenntnis. Doch sie hielt ihre gewonnenen Eindrücke entgegen: "Aua, heißes Wasser!" - und nur das zähle.

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