10.03.2020 - 17:42 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Virtuos und fulminant: Abschlusskonzerte des Schwandorfer Klavierfrühlings

Klavier-Matinée und Konzert mit Violine und Klavier zum Abschluss des Schwandorfer Klavierfrühlings

Jung Won Seibert-Oh und Christian Seibert überzeugen beim Abschlusskonzert des Schwandorfer Klavierfrühlings nicht nur mit ihrem virtuosen „Presto“.
von Reinhold TietzProfil

Die letzten Stunden des Schwandorfer Klavierfrühlings am Sonntag waren voll Abwechslung: Neben einem gelungenen Familienkonzert gestaltete Kurt Seibert ein Matinée am Vormittag; für das Konzert am Abend war Sohn Christian Seibert zusammen mit seiner Frau Jung Won Seibert-Oh verantwortlich.

"Variatio delectat", also "Veränderung erfreut" ist das Motto des Vormittags. Deshalb werden nicht nur drei Werke vorgetragen, sondern zusätzlich alle deren Variationen. Kurt Seibert, der frühere Leiter des Klavierfrühlings, trägt Meisterwerke der klassischen Musikgeschichte vor, zum Beispiel "Variationen und Fuge über ein Thema von Händel" op. 24 von Johannes Brahms. Kurt Seibert gelingt es, den 24 Veränderungen jeweils individuelle Prägungen zu verpassen - die abschließende 25. Veränderung, die als Fuge gestaltet ist, wird in Seiberts Spiel, das die Strenge der Form mit der Vielzahl der Spielideen kombiniert, zum Höhepunkt des Werks.

Eines der tiefsinnigsten Werke, die Ludwig van Beethoven geschrieben hat, ist seine letzte "Klaviersonate Nr. 32 c-moll" op. 111. Sie beginnt mit einer "Maestoso"-Einleitung, streng rhythmisch punktiert, die durch eine Triller-Überleitung ins "Allegro con brio ed appassionato" hinüberführt.

Ein heroisches Thema dominiert den gesamten Satz, der ruhelos zwischen lauteren und leiseren Tonsequenzen pendelt. End- und Höhepunkt des Werks ist die "Arietta", also der zweite Satz. Er ist als "Adagio molto semplice e cantabile" benannt, wird jedoch in den variierten Formen des anfänglichen Themas durch schnelle Notenwerte sehr verdichtet, was die Gefühlstiefe der Aussage enorm steigert. Seibert Senior schafft es, seine Zuhörer bis in die extremen Klangregionen der Sonate zu verzaubern. Als Zugabe ertönt das "Intermezzo" op. 118/2 von Johannes Brahms in Form eines Abschiedsgrußes.

Einen tatsächlichen Abschiedsgruß gestalten Jung Won Seibert-Oh (Violine) und Christian Seibert (Klavier) am Abend. Der Pianist glänzt besonders mit der "Klaviersonate Nr. 21 C-Dur" op. 53, dem Grafen von Waldstein gewidmet, von Ludwig van Beethoven. Das "Allegro con brio" beginnt mit leisen, dichten Akkorden. Melodisch gleitet es voran, bis die Begleit-Triolen immer dominanter werden und weitere Bewegungsstürme verursachen. Unruhig bleibt der ganze Satz - aber eben darin auch großartig, wie Seibert Junior klar darstellt. Die Melodie, verknüpft mit anspruchsvollen Figurationen wird in Seiberts Spielweise zu überzeugender Ideenvermittlung bis hin zum glanzvollen Schluss.

Als Endpunkt des Abends stehen die "Sonate für Violine und Klavier Nr. 9 A-Dur" op. 47, die "Kreutzer-Sonate" von Beethoven auf dem Programm, letztere avanciert zum Höhepunkt des Abends. Schon der Beginn, das "Adagio sostenuto", dessen Anfang die Violine allein in Doppelgriffen gestaltet, macht den Anspruch auf Größe deutlich. Dementsprechend ist das anschließende "Presto" ein Virtuosenstück für beide Instrumente, das von beiden Interpreten in vollem Risiko, die Geschwindigkeit betreffend, dargeboten wird. Die Wirkung der Musik ist deshalb, dafür muss man Jung Won Seibert-Oh und Christian Seibert loben, direkt mitreißend. Eine enorme Leistung beider Musizierenden und ein fulminanter Abschluss eines sehr bemerkenswert gelungenen Klavierfrühlings.

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