11.03.2019 - 16:29 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Würdiger Beginn eines Abschieds

Kurt Seibert eröffnet mit Klavierwerken von Johann Sebastian Bach den letzten Schwandorfer Klavierfrühling unter seiner Leitung

Kurt Seibert überzeugte bei seinem Auftaktkonzert zum Schwandorfer Klavierfrühling.
von Reinhold TietzProfil

Großes Interesse an dem, was da musikalisch kommen möge, lassen die Mienen der vielen interessierten Zuhörer erkennen, die in das Oberpfälzer Künstlerhaus gekommen sind, um das erste Konzert des 13. Schwandorfer Klavierfrühlings mitzuerleben. "Kurt Seibert spielt Werke von Johann Sebastian Bach" lautet der Titel und wenn man schon öfter erlebt hat, wie der Pianist und Veranstalter zu dem großartigen Komponisten des Barockzeitalters steht, dann erwartet man mit Recht einen ganz besonderen musikalischen Sonntagnachmittag.

Seibert eröffnet seinen musikalischen Vortrag mit dem 1735 in Leipzig entstandenen "Italienischen Konzert F-Dur" BWV 971. Flott erklingt der Anfangssatz, in dem Bach sein Können bezüglich des Kontrapunkts mit der Gestaltung eines "Concertos" verknüpft hat. Das "Andante" enthält eine getragene Melodie, die vom Pianisten unter besonderer Betonung der vielfachen Umspielungen vorgebracht wird. Das äußerst temperamentvolle "Presto" des Schluss-Satzes setzt Seibert in schwungvollem Spiel um.

Es folgen "Sechs kleine Präludien aus dem Klavierbüchlein für Wilhelm Friedemann Bach" BWV 924, die Bach als stimmungsvolle Übungen für seinen Sohn verfasst hat, die jedoch in ihrer wunderbaren Tiefgründigkeit weit über diese Absicht hinausweisen. Die "Partita Nr. 6 e-moll" BWV 830 schließt sich an. Von ernster Stimmung geprägt, gleiten die sieben Sätze vorbei. Vor die üblichen Tanznummern hat sich eine ehrwürdige "Toccata" gestellt. Rhythmische Finessen, fugierte Passagen, stimmungsvolle Melodien und vieles mehr umfasst dieses Werk und wird gemäß dieser Anforderungen von Kurt Seibert dargestellt. Schon Bach hat es "Liebhabern zur Gemüths- Ergötzung" zugesprochen.

Nach der Pause ist zunächst nur die linke Hand des Klavierspielers gefragt. Brahms hat die "Chaconne", den Schlusssatz aus der "Partita Nr.2 d-moll für Solovioline" BWV 1004 von Bach für Klavier umgeschrieben, und zwar eben für die linke Hand, mit der die Geiger die Töne auf den Saiten markieren.

Brahms meinte selbst dazu: "Die ähnliche Schwierigkeit, die Art der Technik, das Arpeggieren, alles kommt zusammen, mich wie ein Geiger zu fühlen." Ein glaubhafter Satz, wenn die Musik mit derlei Hingabe vorgetragen wird, wie Seibert es tut. Die "Vier Duette" BWV 802-805 aus dem 3. Teil der "Clavierübung" setzen das Programm fort. Bezaubernde Miniaturen in typisch Bach'scher Polyphonie, mit jeweils eigenem Charakter und stets spielfreudig. Eine sehr schöne Bereicherung des Programms.

Und schon ist das letzte Vortragsstück erreicht: Die "Chromatische Fantasie und Fuge d-moll" BWV 903 wird als Höhepunkt polyphoner Klanggestaltungskunst von Bach angesehen. Seibert gelingt es, die vielen chromatischen Figurationen glaubhaft als spezielles Umgehen mit Akkorden darzustellen und damit den Titel des Werks glaubhaft zu machen. Eine glanzvolle Eröffnung des "Klavierfrühlings" und ein gekonntes Abschiedskonzert von Kurt Seibert.

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