An den Grund- und Förderschulen in Bayern wird ab dem kommenden Schuljahr das Corona-Testverfahren umgestellt. Die bisherigen Selbsttests sollen dann verstärkt durch sogenannte Pool-Tests ersetzt werden. Dabei handelt es sich im Regelfall um sensible PCR-Lutsch- oder Spucktests, die dann nicht mehr einzeln, sondern klassenweise ausgewertet werden. Sollte der Test anschlagen, folgt für die Schüler der betroffenen Klasse noch ein abklärender Einzeltest. Das beschloss der Ministerrat auf seiner Sitzung am Dienstag. An allen weiterführenden Schulen bleibt es vorerst bei den bisher schon praktizierten Selbsttests.
Nach Angaben von Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) bieten die PCR-Pool-Tests eine größere Sicherheit als die Antigen-Selbsttests. Außerdem seien sie gerade für kleinere Kinder leichter anzuwenden. Vor allem bei niedrigen Inzidenzen seien die Pool-Tests eine "effiziente, kosten- und ressourcenschonende Möglichkeit für Reihentestungen". Man greife dabei auf die guten Erfahrungen der Pilotprojekte zu Pool-Testungen zurück. Sie sollen bei einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 zwei Mal wöchentlich durchgeführt werden, ergänzte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). Bei Inzidenzen über 100 soll am Montag ein individueller Selbsttests durchgeführt werden, anschließend folgen über die Woche verteilt zwei Pool-Tests.
"Plus an Sicherheit"
Piazolo betonte, oberstes Ziel sei es, im kommenden Schuljahr möglichst durchgängigen Präsenzunterricht zu gewährleisten. Neben der angepassten Teststrategie sollen dazu auch mobile Luftreiniger in den Klassenzimmern beitragen. Für deren Anschaffung durch die dafür zuständigen Kommunen stelle der Freistaat knapp 200 Millionen Euro als Förderung zur Verfügung. Damit könnten zusätzlich bis zu 60.000 Klassenzimmer und 50.000 Kita-Räume ausgestattet werden. Piazolo betonte, dass die Luftreiniger "ein Plus an Sicherheit" brächten. Auf das regelmäßige Lüften der Räume könne aber dennoch nicht verzichtet werden.
Wie schnell die Reiniger zur Verfügung stünden, sei auch abhängig von der Dauer der Vergabeverfahren, erklärte Piazolo. Er sei aber optimistisch, dass dank des neuen Programms ein Großteil der Anschaffungen rechtzeitig vor dem Schulstart abgeschlossen werden könne. Für die Tests, die Luftreiniger sowie die geplanten Brückenangebote zum Ausgleichen von Lern- und Sozialdefiziten während der Lockdowns stelle der Freistaat für das kommende Schuljahr inklusive Bundesmittel rund 500 Millionen Euro bereit, fasste Piazolo zusammen.
Impfangebote "to go"
Um das Impftempo wieder zu erhöhen, kündigte Holetschek eine Anpassung der Impfstrategie in Bayern an. Um mehr Menschen zu erreichen, soll es künftig Impfangebote "im Vorbeigehen" geben. Impfwillige könnten sich dann ohne Anmeldung von mobilen Teams zum Beispiel in Einkaufsmärkten oder anderen viel frequentierten Einrichtungen impfen lassen. "Wir müssen den Impfstoff verstärkt zu den Menschen bringen", sagte Holetschek. Begleitet werden soll die Aktion durch eine neue Werbekampagne für das Impfen. In dieser soll auch deutlich herausgestellt werden, welche persönlichen Vorteile eine erfolgte vollständige Impfung bringe.
Gurgeltests
- Pilotprojekt WICOVIR: Die Modellstudie WICOVIR leitet der Regensburger Kindermediziner und Wissenschaftler, Professor Michael Kabesch. Die Abkürzung steht für „Wo ist das Corona-Virus?“. Sie läuft erfolgreich seit dem Frühjahr.
- PCR-Test: Der Gurgeltest ist ein PCR-Test. Er ist wesentlich genauer und empfindlicher als ein Antigen-Test.















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