01.03.2021 - 14:58 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Söder will mehr Impfstoff für die Grenzregion zu Tschechien

Bayern und Sachsen wollen bei der Corona-Bekämpfung enger zusammenarbeiten. Sie eint das Problem mit der langen Grenze zum Hoch-Inzidenzland Tschechien. Ihre Strategie: Testen und Impfen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nimmt in der Staatskanzlei an einer Online-PK von Bayern und Sachsen zur Covid-19-Allianz der beiden Bundesländer teil.
von Jürgen UmlauftProfil

Das Impfen in den Grenzlandkreisen zu Tschechien soll weiter beschleunigt werden. Dazu sollen über die bereits angekündigten 1000 zusätzlichen Impfdosen je Grenzlandkreis in den nächsten Wochen weitere hinzukommen. "Ich habe Gesundheitsminister Klaus Holetschek gebeten, deutlich nachzulegen", erklärte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auf einer gemeinsamen Video-Pressekonferenz mit seinem sächsischen Amtskollegen Michael Kretschmer (CDU). Ziel sei es, die Regionen mit hoher Corona-Inzidenz schneller zu immunisieren, um zum einen auch dort Öffnungsschritte zu ermöglichen und zum anderen die Ausbreitung von Virus-Mutationen auf Städte und Landkreisen im Landesinneren einzudämmen.

"Das Herz Europas ist besonders von Corona betroffen, deshalb braucht es besondere Unterstützung", sagte Söder. Kretschmer ergänzte, mit den derzeit zur Verfügung stehenden Werkzeugen allein werde man der Situation in den Hotspots nicht Herr. Beide vereinbarten deshalb einen gemeinsamen Zehn-Punkte-Plan. Zu diesem gehört auch die Unterstützung Tschechiens beim Aufbau einer effizienten Test- und Impfstruktur in dessen Grenzregionen. Noch am Montag sollten 15.000 Impfdosen aus Bayern, Sachsen und Thüringen nach Tschechien geliefert werden, um damit vor allem Grenzpendler zu immunisieren. Söder räumte ein, dass dies bei der Größe der Herausforderung eine "eher symbolische Maßnahme" sei. Doch wenn Pendler geschützt seien, "dann hilft das auch bei uns".

Priorisierung der Grenzregion gefordert

Söder und Kretschmer wollen auf der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) am Mittwoch mit Kanzlerin Angela Merkel auch auf eine Priorisierung der Grenzregionen bei der Impfstofflieferung drängen. Zudem forderten sie die EU auf, die besonders betroffenen Regionen Tschechiens bei der Corona-Bekämpfung stärker zu unterstützen. Dies liege wegen der hohen Inzidenzwerte dort im gesamteuropäischen Interesse. Söder erneuerte sein Angebot, tschechische Covid-Patienten in bayerischen Kliniken aufzunehmen.

Auf in den Grenzregionen kursierende Gerüchte, wonach in Tschechien negative Corona-Tests gekauft werden könnten, erklärte Kretschmer, er halte das "für nicht ausgeschlossen". Man könne das aber nur schwer kontrollieren. Strategie in Sachsen sei deshalb, mehr Tests auf deutscher Seite durchzuführen. Söder sagte, er habe von gefälschten Tests noch nichts gehört, werde die Frage aber in Besprechungen mit der Grenz- und der Bundespolizei einbringen. Zudem verwies er auf die bestehende Pendler-Quarantäne und die regelmäßige Testpflicht für Pendler. Beides ergänze die Pflicht zur Vorlage eines negativen Corona-Tests bei der Einreise.

Keine größeren Lockerungen

Die beiden Regierungschefs dämpften im Vorfeld der MPK am Mittwoch wegen der wieder leicht steigenden Infektionszahlen die Hoffnung auf größere Öffnungen. "In Zeiten einer Steigerung sind nur kleine Lockerungsschritte verantwortbar", betonte Kretschmer. Aus seiner Sicht müsse jeder Öffnungsschritt mit Schnelltests abgesichert werden. Söder sprach von einer "instabilen Lage". Man müsse die richtige Balance finden zwischen Vorsicht und Öffnen. "Es darf jetzt keinen Öffnungsrausch geben, sondern ein kluges Öffnen mit Leitplanken und Puffern bei wieder steigenden Inzidenzen", erklärte Söder. Er plädierte für regionale Differenzierungen. Für Hotspots brauche es eine andere Öffnungsstrategie als für Regionen mit wenigen Fallzahlen.

Die Coronalage in der Nordoberpfalz

Oberpfalz
Hintergrund:

Der Zehn-Punkte-Plan

  • Fortsetzung der "lückenlosen Grenzkontrollen" und der "Pendlerquarantäne"
  • Ausbau des Angebots flächendeckender Schnelltests vor allem auch für den Arbeitsbereich
  • Beibehalten der strengeren Auflagen für Hotspots
  • Verstärkte Koordination bezüglich Infektionsgeschehen, Test- und Impfstrategie
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