Anders als bei den vielen anderen von ihm ernannten Beauftragten ist es Söder erkennbar ernst. Schleichend drängt der Antisemitismus zurück in die Mitte der Gesellschaft - eine Herausforderung für einen Staat, der sich, wie Söder betont, stolz zum jüdischen Leben in Bayern bekennt und dieses zu schützen versprochen hat. Noch häufen sich die Vorfälle in Bayern nicht so wie andernorts in Deutschland, doch müsse man auf die Entwicklung frühzeitig reagieren, erklärt Söder. Neben den "alten Feinden" aus der rechtsextremen Szene gebe neue Herausforderungen. Söder meint damit unterschwelligen Antisemitismus wie bei der "Echo"-Verleihung an zwei judenfeindlich rappende Musiker und offene Anfeindungen durch Zuwanderer aus der islamischen Welt.
Lob in höchsten Tönen
Dem soll Ludwig Spaenle entgegentreten. Söder verweist auf dessen langes Engagement. Die Erinnerungskultur an den Holocaust in den bayerischen Gedenkstätten war immer eines der beherrschenden Themen in Spaenles politischer Vita, genauso die Förderung jüdischen Lebens. Spaenle setzte mit Beharrlichkeit gegen alle Widerstände den Bau des Mahnmals für die israelischen Opfer des Olympia-Attentats von 1972 durch. Seine Kontakte nach Israel sind eng und freundschaftlich. Nicht ohne Grund würdigt ihn Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, in höchsten Tönen: "Ich kenne nur wenige, die sich mit so viel Herzblut und Leidenschaft für die Belange der Juden in Bayern eingesetzt haben wie Ludwig Spaenle." Ansonsten aber beschleichen Knobloch genauso wie den Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, zwiespältige Gefühle.
"Betrüblich" sei es, sagt Schuster, dass es den Posten des Antisemitismusbeauftragten brauche. Aber weil Juden auch in Bayern zunehmend unter Druck gerieten, sei er dankbar, dass es ihn nun gebe. "Der Beauftragte wird den Antisemitismus nicht lösen, aber er schärft den Blick auf die Problematik", erklärt Schuster. Er wünsche sich ein niederschwelliges Meldesystem für antisemitische Vorfälle, um das Unwesen rasch und gezielt bekämpfen zu können.
Über die Personalie Spaenle freut sich Schuster "außerordentlich", denn er habe ihn als "verlässlichen Partner" kennen und schätzen gelernt. Sandra Simovich, die israelische Generalkonsulin in München, ergänzt, Spaenle sei ein "langjähriger Freund Israels". Spaenle selbst weiß um die Bedeutung seiner neuen Aufgabe. "Der Antisemitismus ist ein Krebsgeschwür für die freie Gesellschaft." Bei dessen Bekämpfung gehe es um nicht weniger als die "Verteidigung der Menschenrechte in der Mitte unserer Gesellschaft".
Jugendwerk geplant
Jüdisches Leben reiche auf bayerischem Boden bis in die Römerzeit zurück und habe das Land seither mitgeprägt, macht Spaenle deutlich. Deshalb wolle er die "geistige Klinge" mit denen kreuzen, die den Antisemitismus im Land beförderten. Zu seinen Plänen gehört die Einsetzung einer Expertengruppe, die selbstkritische Überprüfung bisheriger Präventionsprogramme und eventuell die Gründung eines bayerisch-israelischen Jugendwerks mit Austauschprogrammen. "Ich stelle mich dem gern", sagt Spaenle noch. Es klingt glaubwürdig und motiviert.
Ich kenne nur wenige, die sich mit so viel Herzblut und Leidenschaft für die Belange der Juden in Bayern eingesetzt haben wie Ludwig Spaenle.Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern













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