29.07.2018 - 21:10 Uhr
Deutschland & Welt

Spahns Pflegewende: Richtige Diagnose, falsches Rezept

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) besucht während der Gesundheitsministerkonferenz der Länder die Demonstration der Kranken- und Altenpfleger.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
Kommentar

Jens Spahn muss aufpassen: Vom konservativen Möchtegern-Herausforderer der Kanzlerin wandelt sich der wendige Münsterländer zum Planwirtschaftler. Selbst das "neue deutschland" (nd) rang sich schweren Herzens ein Lob für seine Pflegeinitiative ab - er will mehr Stellen schaffen, Pfleger sollen mehr verdienen und leichte Tätigkeiten dürfen auch Fachfremde übernehmen.

Die Wirtschaftsredaktion der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) spuckt deshalb Gift und Galle. Besonders ein Interview hat den Gralhütern der freien Marktwirtschaft auf die Leber geschlagen: Spahn kritisiert zweistellige Renditen von Investoren im Pflegebereich und wagt es, eine Lohnvorstellung für professionelle Pflegekräfte in den Krankenraum zu stellen: 2500 bis 3000 Euro - was für ein Frevel! Für den physischen wie psychischen Knochenjob sollen Pfleger so viel verdienen, dass sie damit gut über die Runden kommen? Das geht den Marktliberalen entschieden zu weit.

Jetzt will der 39-jährige Gesundheitsminister Kliniken zwingen, mehr Personal einzustellen. Klingt anständig. Im Schnitt muss sich eine Pflegekraft in Deutschland um 13 Patienten kümmern, in der Schweiz und in Schweden um 8. Was dabei zu kurz kommt, ist die Frage nach Ursache und Wirkung: Knausern selbst kommunale Krankenhäuser aus Profitstreben am Personal oder zwingt sie dazu die Ökonomisierung des Gesundheitssektors? Die Folge des Spahn'schen Anreizsystems könnte sein, dass es armen Kliniken am Ende noch schlechter geht - und mit ihnen den Patienten.

In einem sind sich die konservative FAZ und das sozialistische nd einig: Dem Populisten Spahn kann man nicht trauen.

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