02.03.2020 - 15:47 Uhr
SpeinshartDeutschland & Welt

Kunst als Fenster zur himmlischen Wirklichkeit

Bilder öffnen den Blick in eine andere Welt. Diese andere Welt ist seit Sonntag im Kloster Speinshart in den Malereien von Peter Liebl zu entdecken

Die große Malerei bedarf der gesteigerten Abstraktion der Farbe, des Lichtes und des Raumes, sagt Peter Liebl. Seit Sonntag sind viele dieser Licht- und Farbenspiele im Kloster Speinshart zu bestaunen
von Robert DotzauerProfil

Die Internationale Begegnungsstätte Kloster Speinshart präsentiert seit Sonntag Malereien von Peter Liebl - gebürtiger Bayerwäldler, Jahrgang 1946, Absolvent der Kunstakademie in München und 24 Jahre lang Lehrer am Musikgymnasium der Regensburger Domspatzen. Zu sehen sind einerseits abstrakte Licht- und Farbenspiele und andererseits Portraits. Viele Jahre malte Liebl nach eigenem Bekunden "ungegenständlich", dominierten bei ihm "viereckige Flächen". Allmählich reifte der Wunsch heran, die Verbindung zwischen der Darstellung des Menschen und der Abstraktion herzustellen. Besonders wichtig war dem Maler dabei seine Liebe zur russischen Ikonenmalerei, in der abstrakte und konkrete Bildteile eine gelöste Gemeinschaft eingingen.

Dass die Ikonenmalerei eine große Faszination auf den in Kötzting geborenen Künstler ausübt, sticht als erstes ins Auge. So sind Liebls farbenprächtige Bilder eine Synthese aus Mitteln der Moderne und von Gestaltungsmitteln der Ikonenmalerei. Unter anderem sind es die Frauen-Portraits in Speinshart, die im besonderen Maße "gemalte Metaphern von Menschlichkeit" zeigen. Abstrakte und konkrete Bildteile gehen eine gelöste Gemeinschaft ein. Darin sieht Peter Liebl verwirklicht, "was unserer Zeit, die Gott aus allem zu verdrängen scheint, abgeht". Das Ergebnis sind intensive, zur Medidation anregende Werke, die zu leuchten scheinen und eine tiefe Stille atmen. Peter Liebl ergänzt: "Mir sind Kunstwerke immer geheiligt erschienen, weil ich in ihnen auch ein Geschenk an uns Menschen sehe, um unseren Schöpfer zu preisen".

Auf diese Kunst der Gottesverehrung geht auch Thomas Englberger, Leiter der Begegnungsstätte ein. Englberger beobachtet das Auseinandertriften von Kunst und Wissenschaft. Auch deshalb spricht der Institutsleiter vom guten Gefühl, dass Kunst und Gelehrsamkeit nach Speinshart zurückkehren. In der anschließenden Vernissage würdigt Professor Sigmund Bonk, Direktor des Akamemischen Forums Albertus Magnus in Regensburg, das Leben und Schaffen des Künstlers.

Denker der gemeinsamen Mitte

Die Gründungsgeschichte des Klosters Speinshart aufgreifend, verweist der Wissenschaftler zunächst auf die Zusammenhänge mit den Regeln des Heiligen Augustinus, erzählt vom Schönen in der Schöpfung und vergleicht die Schönheit der menschlichen Seele mit der Schönheit des göttlichen Geistes. Diese beglückenden Gedanken öffnen dem Laudator das Fenster zu den Werken von Peter Liebl. Sein Blick richtet sich auf ein Künstlerportrait, das Peter Liebl als "ganz anderen Maler", als Katzenfreund, Gottsucher und als Menschen, der nach der Wahrheit sucht, darstellt. Den weiten Weg des Malers Peter Liebl findet der Professor besonders in der Wiederbelebung moderner gegenständlicher Malerei und erinnert beispielhaft an die großen Impressionisten wie Claude Monet bis Pierre Bonnard. Sigmund Bonk bemüht zudem die frühen italienischen Meister der Spätgotik und Frührenaissance als Ursprung und Mitte der gegenständlichen Malerei. Daraus schließend sieht der Laudator den Künstler Peter Liebl als Mittler im Geiste der Versöhnung und als Denker der gemeinsamen Mitte. In diesem wiedererkannten Zentrum aller malerischen Bemühungen entdeckt Bonk eine höhere Synthese, die es Peter Liebl ermöglicht, ein mystisches Bewusstsein zu entwickeln. In dieser Welt erkennt Bonk auch den Maler Peter Liebl, der Gegensätze vereint und jeden Zwiespalt überbrückt.

Licht aus dem Inneren

Peter Liebl löst in seinen Bildern diese Widersprüche auf. Mit seinen Werken öffnet er Fenster zur himmlischen Wirklichkeit in seinem ganz eigenen reduzierten und intensiven Stil neu. Im sakralen Inhalt der Ikonen dominieren ohne externe Lichtquellen Statik und Symmetrie. Das Licht strömt von den Gesichtern, es kommt aus dem Inneren. Liebl spielt mit Blicken. Er lehrt uns, selbst zu schauen und etwas Bestimmtes zu sehen, fragend und suchend. Aus diesem Urbild entsteht die Überzeugung: Das Bild ist eine Tür, manchmal verschlossen und dennoch ein schönes Geheimnis. Dieses Geheimnis lüftet Peter Liebl wenigstens ein bisschen in Speinshart. Die Arbeiten werden sowohl im Oberen Konventgang als auch im westlichen Kreuzgang gezeigt. Die Ausstellung hat bis 19. April an Sonn- und Feiertagen (13.30 bis 17 Uhr) geöffnet, Eintritt frei. Auf Anfrage (Telefon: 09645/601 93 601) ist auch ein Besuch außerhalb der Öffnungszeiten möglich.

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