02.12.2019 - 16:17 Uhr
SpeinshartDeutschland & Welt

Musik für die Seele

Besinnliche Musik zur Einstimmung auf Weihnachten genießen die Besucher am 1. Adventssonntag in Speinshart. Auf Einladung des Sudetendeutschen Musikinstituts demonstrieren bayerische und böhmische Sänger und Musikanten viel Harmonie.

Musikanten aus Böhmen und Bayern stimmten die Besucher am 1. Adventssonntag in der Klosterkirche Speinshart unter der Gesamtleitung von Alexander Pointner auf das Fest der Feste ein
von Robert DotzauerProfil

Advent – dieses tiefvertraute Wort spricht vom Ankommen, von stillen, nachdenklichen Wochen und vom freudigen Erwarten. Während man zuweilen immer mehr den Eindruck gewinnt, als sei die Adventszeit vor allem dafür gedacht, sich auf Weihnachtsmärkten besondere Schmankerln zu gönnen, gibt es auch Eindrücke der anderen Art. Musikliebhaber nehmen besinnliche Adventskonzerte immer mehr als Kontrast zum hektischen Treiben wahr. „Ankommen“ heißt es deshalb auch bei einem Adventskonzert des Sudetendeutschen Musikinstituts in Speinshart mit dem Pilsener Kammerorchester, mit dem Chor bei den Redemptoristen Pilsen, mit dem Kirchenchor St. Jakob Lenggries und den Solisten/innen Eliska Minárová, Monika Machovicová, Ondrej Benek, Adam Born und Paul Windschüttl.

Es ist Musik für die Seele, die am Sonntagnachmittag in der überfüllten Klosterkirche hörbar wird. Was die Kunst betrifft, kommen im flackernden Schein der ersten Adventskerze im barocken Juwel des Gotteshauses die Richtigen zusammen. Die Lichtgestalten der vielen Engel staunen über Akteure und Besucher, die sich mit sich selbst in Einklang bringen. „Gott hat den Menschen die Musik gegeben, damit sie die Harmonie in sich aufnehmen“. Diese Atmosphäre erinnert an Pythagoras, der wohl als erster über die Musik philosophierte. Am Sonntag vereint die Musik Bayern und Böhmen. Fromme Klänge bestimmen das Konzert. „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit“ heißt es und „Tauend mögen die Himmel herabfließen und die Wolken den Gerechten herabregnen“.

Feierlich stimmt das Pilsener Kammerorchester mit Konzertmeister Martin Kaplan den Advent ein. Glanzvoll erklingt das Trompetenkonzert in Es-Dur von Johann Baptist Georg Neruda. Virtuose Trompetenkonzerte sind beliebt. Erst recht das ursprünglich fürs Naturhorn geschriebene Konzert von Neruda. Mit bloßem Fanfarenspiel gab sich am Sonntag Solist Paul Windschüttl nicht zufrieden. In allen drei Sätzen fällt der Trompete eine imaginäre Gesangsstimme zu. „Die Trompete ist ein herrlich Instrument, wenn ein guter Meister drüber könnt“, urteilte schon Michael Praetorius. Paul Windschüttl erweist sich als dieser große Meister. Im „Concerto per la Tromba“ erstrahlt das Können des Solisten. Windschüttl und das Kammerorchester bestechen mit einer Vielzahl ausdrucksstarker Melodien, in der die heroische barocke Klangfarbe der Trompete eine besondere Rolle einnimmt.

Die zentrale theologische Botschaft zur Adventszeit verkündet das Ensemble mit der Adventsmotette „Rorando Coeli“ von Jan Campanus Vodnanský. „Tauet ihr Himmel von oben, die Erde bringe den Erlöser hervor“ heißt es da. „Jeder Böhme ist ein Musiker“, sagt ein tschechisches Sprichwort. Da wundert es nicht, dass das kleine Böhmen auch in fast jeder Musikepoche viele fähige Komponisten hervorbrachte. Beim bayerisch-böhmischen Adventskonzert ist deshalb die Kür mit Antonin Dvorák selbstverständlich. Das Programm erreicht mit der „Messe in D-Dur, op. 86“ des berühmten Tondichters einen weiteren Höhepunkt.

Chöre, Solisten und Orchester interpretieren dabei Dovráks Kunstfertigkeit, einen sakralen Text musikalisch zu fassen und gleichzeitig die heitere, unbeschwerte Atmosphäre der lieblichen böhmischen Landschaft und die Schlichtheit eines tief religiös verwurzelten Landvolkes einzufangen, ohne sich in folkloristischen Vereinfachungen zu verlieren. Die selten zu hörende Messe scheint den Chören, dem Orchester und den Solostimmen wie auf den Leib geschrieben. Jubelnde Passagen wechseln sich ab mit ganz innigen Partien, die dem vertonten Text berührend gerecht werden. Die Messe wird vom schwebenden Kyrie bis zum getragenen und knappen Benedictus, vom Gloria bis zum ergreifenden Agnus Dei zum lebendigen Gotteslob und zum musikalischen Glaubensbekenntnis. Glaube, Hoffnung und Liebe zu Gott dem Allmächtigen sind die bestimmenden Texte. Fugenartig setzen die Solisten nacheinander ein und kunstvoll führen die vier Stimmen zum flehenden „Miserere“ des Chores. Am Schluss senkt sich die Bitte um Frieden sanft auf die Hörer der D-Dur-Messe.

Auch Josef Gabriel Rheinbergers „Der Stern von Bethlehem“ wird zum besonderen Erlebnis. Die Kantate vermittelt die erwartende Haltung gläubiger Menschen. Rheinbergers Frau Fanny hat dazu den Text geschrieben. „Die Erde schweigt, es leuchten die Sterne, sie grüßen klar aus himmlischer Ferne“ heißt es im ersten Satz mit dem Titel „Erwartung“, der die Sehnsucht des Volkes Israel aufnimmt: „Tauet ihr Himmel von oben, die Erde bringe den Erlöser hervor“. Der sechste Satz „Der Stern“ schildert den Aufbruch und die Reise der drei Weisen aus dem Morgenland nach Bethlehem.

Leuchtend und hinreißend interpretieren die „Sterne“ aus Pilsen und Lenggries und die Solisten diese Szenen. Das Orchester hat ordentlich zu tun und auch die Chöre steigern sich im letzten Bild mit einer energischen Chorfuge zum jubelnden Schluss. Gesamtleiter Alexander Pointner dirigiert mit viel Dynamik und mit feuriger Gestik. So bilden am Sonntag Glaube und Advent musikalisch eine Einheit.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.