12.02.2020 - 11:29 Uhr
SpeinshartDeutschland & Welt

Venezianische Musik am Habsburger Hof

Wie ein Ensemble in der Besetzung Violine, Zink, Posaune und Cembalo klingt, zeigte die Capella Serenissima. Speziell ist es die frühbarocke Musik Venedigs, die in Speinshart erstrahlte.

La Serenissima (Die Erhabene) war einst der Name für Venedig, das musikalische Zentrum der Zeit um 1600. Auch der Habsburger Hof schätzt die Musik aus der reichen Lagunenstadt. Venedig in Wien heißt deshalb auch das Konzert in der kammermusikalischen Traumbesetzung von "Capella Serenissima" im Musiksaal des Klosters Speinshart .
von Robert DotzauerProfil

„Wenn ich ein anderes Wort für Musik suche, so finde ich immer nur das Wort Venedig“, schrieb einst Friedrich Nietzsche. Man kann ihm nur zustimmen. Mit ihren pittoresken Palazzi wirkt die Lagunenstadt an der Adria wie eine steingewordene Sinfonie. Stets scheint die Musik die Gassen und Kanäle zu durchwehen, sei es der Gesang der Gondoliere, der Klang der Glocken des Markusdoms oder schlicht das Plätschern der Wogen. Wer auf diesen Spuren wandelt, dem wird verständlich, warum Venedig durch drei Jahrhunderte eines der Musikzentren Europas war.

Vor Aug und Ohr der sehenden und lauschenden Hörerschaft im wiederum vollbesetzten Musiksaal des Klosters Speinshart ereignete sich Emotionales. Erinnerungen und Erlebnisse vieler Venedig-Besucher wurden zur Musik von Komponisten wie Antonio Bertali, Giovanni Sances, Dario Castello oder Battista Riccio wach, als die Capella Serenissima die Musik im Prunk der Dogen und des Adels, der Handelsleute und der Fischer nachzeichnete.

Mit Barockvioline, Blockflöte, Zink, Posaune und Cembalo verstanden es die Künstler Dorothea Lieb, Ruth Ellner, Yosuke Kurihara und Ralf Waldner, eine beinahe untergegangene Musikkultur der ehemaligen Großmacht „La Serenissima“ auf faszinierende Weise wieder zu entdecken. Auf direktem Weg nahm diese Musikblüte im 17. Jahrhundert Kurs auf das Herrscherhaus der Habsburger. Und so nahm es nicht Wunder, dass in der kaiserlichen Hofkapelle zu Wien viele Jahre die Musik aus dem reichen Multi-Kulti-Stadtstaat dominierte. Venedig also die Hochburg gut ausgebildeter Musiker? Zu dieser Zeit schon. Wie das in der „erhabenen“ oder „durchlauchtigsten“ Stadt geklungen haben mag, demonstrierte das Ensemble "Capella Serenissima" mit viel Bezugsreichtum. Ein bisschen Erhabenheit steckte allemal im „Venedig in Wien“, so der Titel des Konzerts in Speinshart. Zur „Toccata in d“ von Johann Jakob Froberger (1616-1667) hatte Ralf Waldner Gelegenheit, Solist zu sein. Dem Mann, der schon bei zahlreichen Konzerten im In- und Ausland glänzte und auch schon bei Rundfunkaufnahmen sein künstlerisches Format unter Beweis stellte.

Am Sonntag wurde sein Cembalo erfahrbar, dass klein aber fein an den Genuss eines italienischen Espresso erinnerte, so Waldner. Im Gepäck hatte das Quartett auch ein Zink. Doch was ist Zink, fragten sich viele Besucher am Sonntagnachmittag. „Die Arme-Leute-Trompete des Mittelalters“, klärte Dorothea Lieb auf. Eigenwillige Flötentöne verbargen sich hinter dem gebogenen Holzinstrument. Die warmen Klänge des Zinks und der Blockflöte sorgten für lebendige Wechselwirkungen zu den Klangwelten der Posaune (Yosuke Kurihara) und der Violine (Ruth Ellner).

Wie Vokalmusik zu verzieren ist und wie prachtvoll und virtuos sie sein kann, bewies das experimentierfreudige Ensemble auch mit der „Sonate terza“ von Antonio Bertali, dem „Audite me“ von Giovanni Sances und von Werken der Komponisten Giovanni Bassano, Dario Castello, Marc Antonio Ferro, Giovanni Battista Riccio und der „Sonate X“ von Johann Heinrich Schmelzer. Immer wieder gehörte es zu den Merkmalen der Werke, dass sie trotz ihrer Komplexität auch solistische Einlagen boten. Die Musik von insgesamt 9 Meistern aus dem 16. und 17. Jahrhundert bot ein reiches akustisches Portrait venezianischer Musik mit bemerkenswerter musikalischer Pracht einschließlich der lebendigen kulturellen Wechselwirkungen zwischen Wien und der Lagunenstadt. Das Publikum dankte mit viel Beifall.

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