09.03.2020 - 15:26 Uhr
StörnsteinDeutschland & Welt

Eiche gegen Süd-Ost-Link

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Hubert Meiler entwickelt sich zum Bauernführer gegen den Süd-Ost-Link: Zusammen mit dem Aktionsbündnis gegen die Stromtrassen und Unterstützung von Bürgermeister Markus Ludwig pflanzt der Störnsteiner Landwirt eine Eiche gegen die Trasse.

Die Störnsteiner Eiche soll mit dem Widerstand wachsen: Das wünschen sich die Trassengegner (von links) (von links) Bürgermeister Markus Ludwig, BI-Vorsitzender Josef Langgärtner und Landwirt Hubert Meiler.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Schon beim hitzigen "Jetzt red i" in Neustadt fiel Jochen Homann, Chef der Bundesnetzagentur, das streitbare Vorstandsmitglied des Bundesverband Deutscher Milchviehhalters (BDM) auf - und lud Hubert Meiler nach Bonn ein. Überzeugen konnte der niedersächsische Volkswirt den Oberpfälzer Landwirt nicht: "Vom Bodenleben haben die keine Ahnung", spricht Meiler den Beamten jegliche Kompetenz ab, ökologische Schäden einschätzen zu können.

"Unglaubliche Inkompetenz"

Weil der bodenständige Störnsteiner einer von Tennet beauftragten Baufirma Probebohrungen verwehrte, reagierte das Amt mit einem Revanchefoul am Team "Störnstein gegen den Süd-Ost-Link": eine Veränderungssperre verwehrt der Gemeinde auf fast allen Flurstücksnummern jegliche Planung in den nächsten fünf Jahren. "Dass man die Bohrung mit schwerem Gerät bei feuchter Witterung durchführen wollte, zeigt die unglaubliche fachliche Inkompetenz", schimpft Meiler. Er habe vor Arbeiten auf seinem Grund gefordert, ein Gutachten über den Ist-Zustand zu erstellen. "Nur so kann man feststellen, wer wann Schäden verursacht hat." Die Antwort: "Ich bekam ein Anwaltsschreiben, dass ich die Ausfallkosten übernehmen muss, wenn ich das nicht dulde." Er lasse sich jetzt vom Verwaltungsrechtler Wolfgang Baumann vertreten.

Schwimmt gegen den Strom: Landwirt Hubert Meiler.

Die regionale Wertschöpfung geht verloren

Auch Bürgermeister Markus Ludwig ist angefressen von der Machtdemonstration aus Bonn: "Weil wir eine Bodenuntersuchung nicht zulassen, sind wir nach Irchenrieth die zweite Gemeinde, über die eine Veränderungssperre verhängt wird." Zusammen mit den Stadtwerken Weiden, dem Kommunalbetrieb Floß, dem Markt Eslarn, der Kommunalservice Flossenbürg, den Märkten Leuchtenberg und Tännesberg sowie den Gemeinden Püchersreuth und Krummennaab habe man versucht, die regionale Energiewende in der Zukunfts-Energie-Nordoberpfalz GmbH (Zeno) voranzubringen. "Leider wurden allen Bürgerstrom-Genossenschaften Steine in den Weg gelegt", bedauert Ludwig, "die regionale Wertschöpfung geht so verloren."

Von der Trasse habe hier keiner was außer Schäden an Grund und Boden. "Schlimm genug, dass die Behörde einem demokratisch gewählten Gemeinderat jede Gestaltungsmöglichkeit nimmt." Noch schlimmer sei der Stil: "Die Bundesnetzagentur hält es nicht einmal für nötig, uns zu kontaktieren", kritisiert der Bürgermeister, "wir erfahren das aus der Zeitung." Kuriose Ausnahme: Flurstück Nummer 350, da, wo die störrischen Störnsteiner jetzt die Eiche pflanzen: "Mit ihr soll der Widerstand wachsen", hofft Ludwig.

Mobilisiert: Nicht nur Störnsteiner protestieren gegen die Trasse.

"Energiewende nicht erwünscht"

Um das zarte Pflänzchen der Revolte herum wollen die Trassengegner eine Bank bauen: Im Schatten des Eichleins will auch BI-Chef Josef Langgärtner verfolgen, wie Tennet und Co. am Oberpfälzer Gegenwind scheitern. Denn mit der Energiewende habe der Süd-Ost-Link nichts zu tun: "Die ist von dieser Regierung nicht erwünscht", nennt der Parksteiner Gemeinderatskandidat einer Freien-Wähler-Gemeinschaft Belege für seine These, "wir erreichen nicht mal die Prognosen, der Solar-Deckel wird nicht zurückgenommen, in Bayern verhindert man den Ausbau der Windenergie." Fazit: Die Energieversorgung solle Monopol der Konzerne bleiben.

"Als parteilose Bürgerin", steigt auch Andrea Grundler auf die Rednerbarrikade, "wir sollen unsere Natur opfern, damit Tennet verdient." Dagegen brauche man jede Unterstützung. "Stecken wir unser Geld lieber in regionale Energiespeicher, Sonnen- und Windenergie."

Aktionsbündnis gegen die Süd-Ost-Trasse appelliert an Politik :

Kostenstreit zwischen Aktionsbündnis und Tennet

Die Trassengegner wollten mit ihrer Installation am Freitag auch sichtbar machen, was es bedeutet wenn auf einer Länge von 534 Kilometern Erdkabeln verlegt werden: „Das sind 29.000 Fußballfelder“ sagt Landwirt Hubert Meiler. Die in den regionalen Tageszeitungen veröffentlichten Veränderungssperren bedeuteten darüber hinaus für viele Kommunen und private Grundstücksbesitzer eine "Quasi-Enteignung für einen Zeitraum von fünf Jahren".

Viele Landwirte erlebten derzeit, dass unangekündigt Bohrungen auf ihrem Grund und Boden durchgeführt würden, obwohl die von Tennet beauftragten Firmen verpflichtet wären, sich anzumelden. "Diese Eingriffe haben in verschiedenen Regionen bereits erkennbare Flurschäden verursacht, da ohne Rücksicht auf die Bodenverhältnisse auch bei ungünstigem wetter und Feuchtigkeit gearbeitet wird", sagt Josef Langgärtner vom Aktionsbündnis. "Wir fordern alle politisch Verantwortlichen auf, sich intensiver mit dem Netzausbau und der dezentralen Energiewende auseinanderzusetzen."

Ein im Januar veröffentlichtes Gutachten von Professor Lorenz Jarass belege, dass der beabsichtigte Stromübertragungsnetzausbau mit aktuell geschätzten Kosten von 95 Milliarden Euro plus 5 Milliarden Euro für Blindleistungskompensation in erster Linie dem innereuropäischen Stromhandel diene. "Die Kosten des beabsichtigten Ausbaus vorrangig durch Haushaltskunden und kleine wie mittlere Unternehmen bezahlen zu lassen, ist sozialpolitisch höchst verwerflich - schon heute zahlen die deutschen Kunden die höchsten Strompreise in Europa."

Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet widerspricht dieser Darstellung und geht weiter davon aus, dass sich die Gesamtkosten für die geplante Erdkabel-Leitung auf rund vier bis fünf Milliarden Euro belaufen würden: "Wie hoch die tatsächlichen Aufwendungen für das Projekt sein werden, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem der konkrete Leitungsverlauf, die Materialkosten für das eingesetzte Kabel oder der Aufwand für Einrichtung der Baustellen, die Baulogistik sowie die Baukosten selbst."

Aufgrund des sehr guten Projektfortschritts habe sich an der Kostenrechnung für Planung und Bau auf der gesamten rund 540 km langen Strecke zwischen Wolmirstedt bei Magdeburg und dem Bereich Isar bei Landshut bis heute nichts geändert.

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