12.12.2019 - 16:36 Uhr
StörnsteinDeutschland & Welt

Gegen den Süd-Ost-Link: Strom durchs Oberpfälzer Bodenleben

Das hat den Chef der Bundesnetzagentur beeindruckt: Bei "Jetzt red i" in der Neustädter Stadthalle hielt Hubert Meiler eine Handvoll Erde in die Kamera. Weil der Milchbauer aus Störnstein wegen der Erdkabel um die Bodenlebewesen fürchtet, lud ihn Jochen Homann in seine Zentrale nach Bonn ein.

Duell zwischen Landwirt und Bundesnetzagentur: Hubert Meiler (Vierter von rechts) und Jochen Homann (Vierter von links).
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Landrat Andreas Meier wirft Bundesnetzagentur Tricksereien vor.

Neustadt an der Waldnaab

"Ich war der einzige Trassen-Gegner, der eingeladen wurde", rätselt Hubert Meiler über die Motive der Offerte. "Scheinbar hat Herr Homann zum ersten Mal gesehen, dass Erde nicht nur Dreck ist, sondern dass im Boden Regenwürmer leben, die fürs Pflanzenwachstum essenziell sind", mutmaßt das streitbare BDM-Mitglied. Nach derzeitiger Planung soll die Trasse zwischen Meilers beiden Hofstellen in Störnstein verlaufen.

Biologe bestätigt Meiler

"Er hatte einen Stab von acht Fachleuten dabei, die wissen wollten, warum ich so vehement gegen den Süd-Ost-Link bin." Meiler schwant der Verdacht, der Expertenaufmarsch solle den vermeintlich unbedarften Oberpfälzer Bauern mundtot machen. Dazu hätten sie sich aber mal besser vorbereitet:

"Dass die fruchtbare Erde von Millionen Bodenlebewesen bewohnt wird, hat nur der Biologe gewusst." Und der habe wohl die Absicht des Behördenleiters ein wenig konterkariert: Schließlich wünschen sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und die Tennet-Investoren, möglichst schnell grünes Licht für den Bau der Stromtrassen geben zu können: "Der Biologe gab meinen Bedenken im Großen und Ganzen recht." Die anderen Experten hätten die bekannten Argumente aus vielen Werbeveranstaltungen für das Projekt wiederholt: "Sie meinten, sie halten die Grenzwerte beim Magnetfeld und der elektrischen Strahlung ein."

Trockenheit nimmt zu: Wenn dann noch die Erwärmung durch die Erdverkabelung dazu kommt, könnte das fatal sein für das Bodenleben, befürchten Landwirte.

Im Sommer mehr als 40 Grad

Wie lückenhaft die Erkenntnisse der Behörde über mögliche Folgen der großflächigen Erdverkabelung seien, habe die Debatte über die daraus resultierende Bodenerwärmung gezeigt: Ein Plus von bis zu 5 Grad an der Oberfläche sei im Raum gestanden, und das bei zunehmender Trockenheit durch den Klimawandel. "Sie wissen nichts, sie haben bisher nur Werte auf Marschboden gemessen, bei uns gibt es mehr Grundwasser, das die Wärme besser leitet." Schon jetzt erwärme sich der Boden im Sommer auf 40 Grad: "Wenn er noch schneller austrocknet, sind die Organismen nicht mehr lebensfähig, dann ist der Boden tot." Jede Nachfrage führe zu neuen Unwägbarkeiten: "Sie sagen, sie würden die Leitung ja isolieren, aber sie wissen noch nicht einmal genau, welche Leitungen verwendet werden." Müsse man etwa aufgrund der größeren Erhitzung durch leistungsstärkere 525-kV-Leitungen tiefer graben? "Das würde mehr Erdaushub, mehr Eingriff ins Bodenleben bedeuten."

Viele Fragen offen

Ein Ergebnis konnte Meiler nicht mit nach Hause bringen: "Meines Erachtens war da gar keine Diskussion erwünscht." Mit mehr Verständnis für die Notwendigkeit des Projekts fährt Landwirt Meiler jedenfalls nicht nach Hause: "Mit drei Seiten voller Fragen bin ich nach Bonn gefahren, zweieinhalb Seiten wurden nicht beantwortet."

Kommentar:

Schnell bauen? Schleunigst überzeugen!

Die Zweifel am geplanten Süd-Ost-Link werden nicht weniger. Trassengegner bestreiten dessen Notwendigkeit und werben für eine dezentrale Energiewende. Die CSU vor Ort hält die Trasse zwar für notwendig, will aber Auswirkungen auf private Grundstückbesitzer minimieren. Sie beharrt deshalb auf der eingehenden Prüfung, ob der Grünstreifen an der Autobahn für das Erdkabel geeignet ist.

Werbeveranstaltungen wie der Bürgerdialog, der auf solche Fragestellungen keine Antworten hat, stärken das Vertrauen in die Aufrichtigkeit der Projektbetreiber der Beteuerungen nicht. Im Gegenteil: Sie nähren den Verdacht, dass das Bundeswirtschaftsministerium als Auftraggeber mit einer inflationären Menge an solchen Veranstaltungen lediglich Skeptiker müde moderieren möchte.

Bislang ist das Lager der Projekt-Kritiker noch gespalten. Wenn es Tennet und der Bundesnetzagentur nicht schleunigst gelingt, offene Fragen ohne Ausflüchte zu beantworten, droht dem Süd-Ost-Link ein vereinter Widerstand. Dagegen könnte dann rückwirkend betrachtet Berlins Flughafen als Schnellschuss erscheinen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.