27.01.2019 - 22:53 Uhr
StörnsteinDeutschland & Welt

Mogelpackung Süd-Ost-Link?

Ende März will Netzbetreiber Tennet einen Vorschlag für den endgültigen Trassenverlauf des Süd-Ost-Links zwischen Pfreimd und dem Kraftwerk Isar bei Landshut bei der Bundesnetzagentur einreichen. Der Widerstand gegen die nur scheinbar konfliktfreie Erdverkabelung wächst.

Volle Turnhalle: 350 Störnsteiner folgten der Einladung der Freien Wähler. Redner Tobias Gotthardt macht deutlich, dass seine Partei noch immer gegen die Trassen ist.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Kein Großprojekt ohne Widerstand: Nachdem Tennet den Vorzugskorridor für den Süd-Ost-Link vorgelegt hat, hagelte es Kritik seitens regionaler Politiker. Auch wenn die Sprecher Markus Lieberknecht und Carolin Kürth sich redlich mühten, den Vorschlag zu erläutern - Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht, die Landräte Andreas Meier (Neustadt/Waldnaab) und Wolfgang Lippert (Tirschenreuth) plädieren noch immer für eine Verlegung entlang der Autobahn - eine Lösung, die Tennet für technisch nicht machbar hält.

Kritik am Verlauf ist nicht das einzige Problem für den Netzbetreiber. Auch die Fraktion der Totalverweigerer gibt sich nicht geschlagen. Und sie hat Unterstützung von prominenter Seite. Energierechtsexperte Wolfgang Baumann, der schon die Gegner der WAA juristisch beriet, kritisierte die Tennet-Planungen für den Ostbayernring: "Die ausgelegten Unterlagen von Tennet im Planfeststellungsverfahren sind ungenügend", sagte der Anwalt dem Bayerischen Rundfunk. "Sie sind vor allen Dingen unvollständig, was die Umweltverträglichkeitsprüfung angeht." Eine Planfeststellung zum jetzigen Zeitpunkt wäre rechtswidrig.

Tobias Gotthardt, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler: "Oberpfälzer Sturköpfe haben bereits die WAA verhindert – es wäre nicht das erste Mal."

"Unverhältnismäßig"

Der tatsächliche Kapazitätsbedarf werde nicht festgestellt. Das Vorhaben sei unverhältnismäßig angesichts der Auswirkungen auf Mensch, Landschaftsbild, Natur und Umwelt. Vor allem aber verstoße Tennet gegen das Bündelungsgebot, wenn das Unternehmen die Trassen von Süd-Ost-Link und Ostbayernring unabhängig voneinander plane. Der Ersatzneubau des Ostbayernrings müsse zurückgestellt werden, bis mehr Klarheit über die Süd-Ost-Link-Trasse herrsche. Damit stehen beide Projekte unter Beschuss.

Dazu kommt, dass die Freien Wähler, die sich noch im Wahlkampf klar gegen die Trasse positionierten, jetzt den Wirtschafts- und Energieminister stellen. Zwar schloss Hubert Aiwanger bei den Koalitionsverhandlungen einen Burgfrieden. Insgeheim scheint der Anhänger einer dezentralen Energiewende aber weiter auf das Scheitern der Strom-Zentralisten zu setzen. Beim Energiegipfel vor Weihnachten betonte Aiwanger: "Ich sehe derzeit nicht die große Antwort darauf, wie wir die Energielücke im Süden schließen können. Trassen sind vorgeschlagen, Planungen laufen, aber die Realisierung steht in den Sternen." Regionalen Widerstand gibt es jetzt auch:

  • Im westlichen Landkreis Regensburgwehrt sich die Bürgerinitative "Walhalla Landschaft gegen die Monstertrasse" gegen die westliche Trassenführung durch Wälder nahe der Walhalla an der Donau vorbei. Die Trasse würde ein wertvolles FFH-Gebiet, ein europäisches Naturschutzgebiet, durchschneiden, warnt Christoph Bauer, Sprecher der Bürgerinitiative. "Das Ensemble rund um die Walhalla würde dann für immer zerstört."
  • Rund 150 Stromtrassen-Gegner demonstrierten in Püchersreuth (Neustadt/Waldnaab)mit Bauzäunen und großformatigen Abbildungen, welche Ausmaße die Stromtrasse Süd-Ost-Link haben wird: Sie zeigten einen 40 Meter breiten Streifen, der für die Verlegung der Erdkabel benötigt werde. "Es sind nicht nur die tiefen Gräben, die die Bodenstruktur und die Wasserflüsse zerstören", kritisiert Josef Langgärtner von der Bürgerinitiative "Neustadt an der Waldnaab/Weiden für eine dezentrale Energiewende", "es wird auf einer Breite bis zu 40 Metern kein Lebewesen mehr im Boden sein." Die Kabeltrommeln würden mit 50-Tonner-Lkw angefahren. "Da werden festgefahrene Betonpisten zurückbleiben, in denen sich keine Würmer oder andere Bodennützlinge halten können."
  • Über 350 Bürger folgten der Einladung des örtlichen Freie-Wähler-Fraktionssprechers Hubert Meiler in das Gemeindezentrum Störnstein. Dessen Parteifreund, Landtagsabgeordneter Tobias Gotthardt, stellt die Trasse infrage: "Die Politik muss sich eingestehen, dass sie die Entscheidung von vor zehn Jahren revidieren muss." Der Süd-Ost-Link, eine Mogelpackung, in dem Braunkohlestrom transportiert würde, sei kein Teil der Energiewende. Laut Koalitionsvertrag müsse vielmehr in den Forschungsstandort Bayern investiert werden, um etwa neue Stromspeicher-Innovationen zu entwickeln. "Die Oberpfälzer Sturköpfe haben bereits die WAA verhindert - es wäre nicht das erste Mal, dass politische Entscheidungen zurückgenommen werden", sagt Gotthardt.

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