04.03.2021 - 10:07 Uhr
StraubingDeutschland & Welt

Die Verlierer des Lockdowns: „In den Innenstädten wird es dramatisch werden“

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Wohnen und leben statt nur shoppen: Einkaufszentren werden sich nach der Corona-Krise zu urbanen Zentren weiterentwickeln müssen, glaubt Geschäftsführer Werner Nuoffer aus Neufahrn, der auch in Amberg einen Parkplatz betreibt.

Geschäftsführer Werner Nuoffer.

Von Andreas Kerscher

ONETZ: Herr Nuoffer, als Gesellschafter und Geschäftsführer von 20 Parkhäusern in Deutschland und zwei Einkaufszentren in Straubing und Landshut – wie geht es Ihnen im Moment?

Werner Nuoffer: Wie soll es einem gehen, wenn man 85 Prozent Umsatzminus schreibt und wir erst Anfang Februar die Möglichkeit hatten, die staatliche Überbrückungshilfe III zu beantragen? Wir kämpfen im Moment extrem, um unseren Verbindlichkeiten nachzukommen. Unsere Parkhäuser und Einkaufszentren leben von einer pulsierenden Innenstadt. Wenn die Geschäfte, Kinos oder auch zum Beispiel das Eisstadion in Straubing nicht demnächst aufmachen dürfen, müssen wir Kredite aufnehmen, um zu überleben.

ONETZ: Die Branche hofft auf das Ostergeschäft Ende März. Was ist, wenn es bis dahin keine Lockerung gibt?

Werner Nuoffer: Wenn die Situation bis Ende März so bleibt, kann ich jetzt schon sagen, dass ich das geplante Jahresergebnis nicht mehr erreichen kann. Wir werden in diesem Jahr rote Zahlen schreiben. Drei Monate Lockdown kann man nicht mehr auffangen.

ONETZ: Parkhausbetreiber und Einkaufscenter brauchen eine attraktive Innenstadt. Gerade schließen aber viele Ketten – Douglas, Karstadt-Kaufhof, Esprit, und weitere – Filialen. Welche Folgen hat das?

Werner Nuoffer: Wir müssen mittelfristig davon ausgehen, dass wir nicht mehr die Zahlen haben, die wir gewohnt sind. Für uns wird es dann auch schwierig, die Pachten oder Mieten, die wir unterschrieben haben, zu erwirtschaften. Durch die Schließungen wird es in den Innenstädten dramatisch werden. Vor allem die kleinen und mittleren Städte werden Verlierer sein.

ONETZ: Auch die Mieter in den Einkaufszentren in Straubing und Landshut, deren Verträge mit dem Centereigentümer über die Park- und Management GmbH abgewickelt werden, haben seit Monaten kaum Umsatz. Kommen Sie denen mit Mietstundungen entgegen?

Werner Nuoffer: Die Schließung ist staatlich angeordnet. Wer bestellt, bezahlt. Eigentlich müssten wir die ganzen Rechnungen darum an die Bundesregierung nach Berlin schicken. Auch unser Ministerpräsident macht mit seinen knallharten Entscheidungen den Handel und die Innenstädte kaputt. Und die Zeche soll der Vermieter und der Einzelhändler bezahlen. Das kann ich nicht ganz nachvollziehen. Ich fühle mich im Moment wie ein Prügelknabe. Warum dürfen jetzt Baumärkte wieder aufmachen? Und wir müssen im Textilbereich zulassen. Warum? Da wird mit zweierlei Maß gemessen. Und ich höre keine fundierte Begründung!

ONETZ: Trotzdem ist die Situation nun mal so. Gibt es also Mieterlass für die Mieter?

Werner Nuoffer: Rein rechtlich gesehen, müssen sie die Miete bezahlen. Aber was soll der Vermieter machen? Die ECE-Gruppe (Anm. d. Red.: Große deutsche Projektmanagementgruppen) ist da nach vorne geprescht und hat gesagt, in der Pandemie muss der Vermieter seinen Mietern helfen und hat damit die Benchmark hochgelegt. Sie einigt sich mit ihren Mietern auf 50 Prozent Miete. Aber wenn man nur noch zehn Prozent Umsatz macht, hält man auch 50 Prozent Miete nur bedingt durch. Wir betrachten das im Einzelfall.

ONETZ: Während des Lockdowns haben viele Menschen die Vorzüge des Einkaufens im Internet entdeckt. Wie bekommt man die zurück in die Innenstadt?

Werner Nuoffer: Das, was der Handel jetzt auf die Schnelle an den Onlinehandel verloren hat, wird er nicht zurückgewinnen. Was ich hier vermisse, ist eine Strategie der Städte und Kommunen, wie man den Kunden nach dem Lockdown wieder zurückholen will. Ich habe die Stadt Landshut und die Stadt Straubing dazu gefragt. Ich interpretiere die Antworten, die ich bekommen habe, so, dass da noch kein Konzept erstellt wurde.

ONETZ: Was müsste aus Ihrer Sicht gemacht werden?

Werner Nuoffer: Testen, Testen, Testen, Impfen, Impfen, Impfen.

ONETZ: Und was noch?

Werner Nuoffer: Die Innenstädte, alle Händler, müssen zusammenrücken und Konzepte machen. Sie müssen die Kunden zurückholen. Dafür brauchen sie eine übergreifende Strategie – etwa gemeinsame Öffnungszeiten. Ein Einzelkämpfer wird nicht mehr überleben.

ONETZ: Wie werden sich Einkaufszentren in Zukunft entwickeln?

Werner Nuoffer: Die Verkaufsflächen werden zurückgehen, davon bin ich überzeugt. Die Einkaufszentren werden urbane Zentren werden, in denen neben dem Einzelhandel auch das Thema Wohnen eine Rolle spielt. Auch Seniorenwohnungen, Kindergärten und ärztliche Versorgung werden da reinkommen. Wer zukunftsfähig bleiben will, muss solche Konzepte entwickeln. Der Einzelhandel wird in Zukunft nicht mehr die dominierende Rolle spielen, sondern nur noch eine Ergänzung sein.

ONETZ: Wäre diese Entwicklung sowieso gekommen oder ist das eine Folge der Corona-Krise?

Werner Nuoffer: Durch die Umsatzverlagerung vom stationären zum Onlinehandel ist die Entwicklung deutlich beschleunigt worden. Der Wandel hin zu den urbanen Zentren wäre sicherlich gekommen. Aber jetzt ist es viel zu dramatisch und extrem schnell passiert.

ONETZ: Was passiert mit den Parkhäusern, wenn weniger Menschen in die Stadt fahren?

Werner Nuoffer: Wir haben im Moment einen riesen Trend, dass die Menschen Wohnmobile kaufen. Wir sind dabei, auf Parkplätzen, die wir nicht brauchen, Carports mit drei Meter Höhe und acht Meter Länge zu bauen, wo die Wohnmobilbesitzer ihr Fahrzeug abstellen können. Eine weitere Möglichkeit ist, dass wir auf die Parkplätze Container stellen, die wir – zum Beispiel für jemanden, der Möbel zwischenlagern muss, – vermieten. Wir sind auch dabei, Fahrzeugvermietern wie Sixt die Parkplätze als Umschlagplatz anzubieten. Oder in Augsburg nehmen wir 50 Parkplätze weg, die wir zu Lagerräumen umbauen und vermieten. Auch Stellplätze mit regulierter Luftfeuchtigkeit für Oldtimerfreunde sind ein Thema. Da gibt es einige Konzepte, die Fläche, die in Zukunft von Parkern nicht mehr genutzt wird, anders zu nutzen. Da sind wir gut mit dabei. Solche Alternativkonzepte gibt es in Straubing aber ausdrücklich nicht.

ONETZ: Wie sieht es aktuell in der Parken und Management Gesellschaft aus? Versuchen Sie einfach nur, die Krise zu überstehen, oder investieren Sie schon in die Zukunft?

Werner Nuoffer: Zuschauen ist das Schlechteste, was man machen kann. Ich habe in unserem Gespräch vielleicht ein bisschen gejammert und vielleicht auch ein bisschen auf die Politik geschimpft, aber wir haben eine Vorwärtsstrategie. Krisen sind auch Chancen. Wir betreiben derzeit neben den zwei Einkaufszentren in Straubing und Landshut etwa 20 Parkhäuser und Parkplätze, Ende des Jahres werden wir 30 haben. Das Unternehmensziel ist, dass wir 2024 rund 100 Standorte in ganz Deutschland haben.

Tobias Sonna, Sprecher des Einzelhandels: Lage ist ungerecht

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Werner Nuoffer und seine Firma

  • Lebt mit seiner Familie in Neufahrn in Niederbayern
  • Seit 2017 Geschäftsführer und Gesellschafter der Parken und Management Gesellschaft mit Sitz in Landshut
  • In Straubing und Landshut betreibt die Firma Einkaufszentren und insgesamt 20 Parkhäuser/plätze in Deutschland
  • In der Oberpfalz betreibt die Parken und Management GmbH einen Parkplatz in Amberg in der Schlachthausstraße
  • Zuvor war Nuoffer über 16 Jahre Geschäftsführer der Shopping Center Management GmbH und Geschäftsführer der Arcaden Betriebsgesellschaft mbH PH in Regensburg
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.