22.10.2019 - 16:34 Uhr
Sulzbach-RosenbergDeutschland & Welt

Aus der Bahn geworfen

Jiří Hájíček gehört zu den herausragenden tschechischen Gegenwartsautoren. Jetzt kommt er mit seinem ersten auf Deutsch erschienen Roman ins Literaturhaus Oberpfalz

Schriftsteller Jiří Hájíček
von Anke SchäferProfil
Buchcover

Von Midlife-Crisis und schlaflosen Nächten gebeutelt, sucht der Liegenschafts-Beamte Zbynĕk Polecký neue Impulse für den drögen Berufsalltag und die festgefahrene Ehe. Der Hilferuf seiner Jugendliebe bringt ihn auf die Spur skrupelloser Betrügereien in seinem Heimatdorf, sein gut gemeinter Einsatz für Gerechtigkeit wirft ihn jedoch endgültig aus der Bahn. Am Donnerstag, 24.Oktober um 19.30 Uhr stellt der tschechische Erfolgsautor Jiří Hájíček seinen Roman „Der Regenstab“ in Sulzbach-Rosenberg vor. Ein Interview.

ONETZ: Herr Hájíček, wie fühlt es sich an, Ihr erstes auf Deutsch erschienenes Buch in Händen zu halten?

Jiří Hájíček: Ich freue mich sehr, weil bisher nur kurze Ausschnitte aus verschiedenen Büchern ins Deutsche übersetzt wurden, z. B. für die Literaturzeitschrift "Die Horen". Und obwohl ich Übersetzungen in Englisch und Italienisch, Polnisch und andere Sprachen habe, halte ich die deutsche Übersetzung für sehr wichtig, weil es ist ja die Sprache der zwei Nachbarländer.

ONETZ: Und was sagen Sie zur Übersetzung von Kristina Kallert?

Obwohl ich Deutsch spreche und lese, bin ich alleine nicht imstande, die Qualität der Übersetzung ausreichend zu beurteilen. Allerdings weiß ich von meinem deutschen Verleger, dass es in diesem Fall um eine sehr gute und sorgfältige Übersetzung geht. Darüber hinaus gibt es im Text viele Fachbegriffe im Bereich der Grundstücksverwaltung und des Grundbuchwesens.

ONETZ: Ihr Roman ist ja Liebesgeschichte und Krimi gleichermaßen. Wollten Sie bewusst in keine Schublade geschoben werden?

Dies sind allgemein bekannte literarische Techniken, würde ich sagen. Es gilt nicht nur für Romane, sondern auch für Erzählungen, dass ein interessanter literarischer Text mindestens zwei oder drei Bedeutungslinien haben sollte.

ONETZ: „Der Regenstab“ entblättert die Idylle des Landlebens bis nur noch die Enge und Durchtriebenheit einer dörflichen Zwangsgemeinschaft übrig sind – spiegeln sich da auch eigene Erfahrungen wider?

Teilweise ja, ich komme selbst aus einem Dorf und obwohl ich seit Jahren in einer Stadt lebe, wurde ich in der tschechischen Literatur bereits in eine Schublade, wie Sie sagen, geschoben, und zwar als Autor von Dorfromanen. Es muss jedoch gesagt werden, dass die tschechische Landschaft Schauplatz vieler Dramen war und ist, was natürlich auch stark mit der Nachkriegsgeschichte meines Landes zusammenhängt.

ONETZ: In all dem Widrigen, mit dem Ihre Protagonisten zu kämpfen haben, keimt aber immer auch ein Funken Hoffnung und Zuversicht. Für Sie ein unerlässlicher Bestandteil im erdichteten wie echten Leben?

Ja, Hoffnung ist wichtig, obwohl bin ich der Meinung, dass sie mit Vorsicht im Text dosiert werden muss. Nicht umsonst schreiben tschechische Rezensenten, dass ich traurige Texte und Geschichten verfasse.

ONETZ: Durch das Tschechische Kulturjahr 2019 und den Schwerpunkt der Leipziger Buchmesse hat die tschechische Literatur in Deutschland einen enormen Schub erfahren. Wird dieses Interesse Ihrer Meinung nach auch in den nächsten Jahren fortbestehen?

Das weiß ich nicht, aber vielleicht war die heurige Leipziger Buchmesse ein guter Start. Ich bin überzeugt, dass die tschechische Literatur interessante Autoren hat, die Deutschland entdecken kann.

Info:

Service

Die Lesung mit Jiří Hájíček ist ein Beitrag zum Tschechischen Kulturjahr 2019 und wird moderiert von Kristina Kallert, die den Roman ins Deutsche übersetzt hat. Eintritt 7 Euro, Reservierungen unter Tel. 09661/8159590 oder info[at]literaturarchiv[dot]de. Der Roman „Der Regenstab“, gebunden, 272 Seiten, ist im Verlag Karl Rauch erschienen und kostet 22 Euro.

Info:

Zur Person

Jiří Hájíček wurde 1967 in Budweis geboren und zählt zu den großen tschechischen Gegenwartsliteraten. Für seine Romane „Bauernbarock“ und „Das Fischblut“ erhielt er den bedeutendsten tschechischen Literaturpreis „Magnesia Litera“.Die Leser der Tageszeitung „Lidove noviny“ kürten den Roman „Der Regenstab“ zum Buch des Jahres 2016.

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