31.03.2020 - 15:05 Uhr
Sulzbach-RosenbergDeutschland & Welt

Coronavirus stoppt Weltreise

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Daniel Rauch und seine Freundin Silvia Gruber hatten große Pläne. Eine zweijährige Weltreise sollte die Oberpfälzer von Kanada über Südamerika bis nach China führen. Doch in Chile endet die Reise abrupt. Die beiden hatten doppelt Pech.

In Kanada boten sich für den leidenschaftlichen Hobby-Fotografen Daniel Rauch traumhafte Kulissen zum Ablichten, wie hier der Mount Assiniboine in den Rocky Mountains. Der Diebstahl seiner Kameraausrüstung und das Coronavirus unterbrachen die Weltreise des Ambergers. Zumindest vorläufig.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Daniels Job bei Siemens war gekündigt, Silvias unbezahlter Urlaub als Krankenschwester beim Amberger St.-Marien-Klinikum genehmigt. Für die zweijährige Weltreise hatte das Oberpfälzer Paar zusammen knapp 80 000 Euro gespart. Die Vorfreude war groß, als es im April vergangenen Jahres los ging mit dem Flug nach Los Angeles. Doch aus den geplanten zwei Jahren wurden nur elf Monate.

Den 34-jährigen Daniel und seine vier Jahre jüngere Freundin ereilte das Pech gleich doppelt: Ein schwerer Diebstahl in Chile und die globale Corona-Pandemie zwingen die Weltenbummler zu einer für sie ärgerlichen Reisepause. Wann es weitergeht, ist völlig unklar.

Der Trip habe zunächst gut begonnen, erzählt Daniel. "Wir sind drei Monate lang mit dem Mietwagen die Westküste der USA abgefahren und waren in 16 Nationalparks." In Kanada frönt der begeisterte Hobby-Fotograf seiner Leidenschaft: "Ich habe bestimmt 160 Sonnenaufgänge fotografiert." Allein in Nordamerika schießt der frühere Siemensianer 85 000 Fotos.

In Südamerika jedoch ist es schlagartig vorbei mit dem Reiseglück. Nur drei Tage nach ihrer Ankunft in Chile wird der Mietwagen von Daniel und Silvia aufgebrochen. "Wir parkten vor einem Einkaufscenter. Als wir weiter wollten, haben wir gesehen, dass jemand die Scheibe eingeschlagen hatte", berichtet die Krankenschwester über den Schock.

Kamera für 12 000 Euro gestohlen

Die Diebe stehlen nicht nur gewöhnliche Wertsachen wie Reisepässe, Kreditkarten und Bargeld, sondern auch Daniels Profi-Kameraausrüstung im Wert von über 12 000 Euro. "Ich hatte mir vor der Reise extra eine neue Kamera zugelegt. Zu meinem Equipment gehörten Stativ und Aufsatz-Filter, sechs Objektive, ein neuer Laptop zur Bildbearbeitung und Zubehör", zeigt sich der Hobby-Fotograf betrübt. Besonders ärgerlich: Der Diebstahl ereignete sich mitten am Tag auf dem bewachten Parkplatz eines Walmart-Centers. "Ich glaube ja, dass der Security-Mann da mit drin steckt", mutmaßt Silvia.

Wir haben schon Nachrichten gehört. Aber die Krise war einfach sehr weit weg

Silvia Gruber (mit Freund Daniel) über die Corona-Pandemie.

Silvia Gruber (mit Freund Daniel) über die Corona-Pandemie.

Weil ohne Kameraausrüstung die Reise für Daniel keinen Sinn macht, kehren beiden Anfang März nach Deutschland zurück. "Ich habe versucht, mir in Chile eine neues Equipment zu kaufen. Aber das ist dort unbezahlbar. Wir hoffen, dass zumindest die Versicherung zahlt."

Zurück in der Heimat ereilt die Pechvögel der nächste Schock - erst hier erfahren die Weltenbummler vom realen Ausmaß der Corona-Pandemie. "In Chile haben wir über die Nachrichten schon gehört, dass sich Corona ausbreitet, aber letztlich haben wir das nicht wirklich mitbekommen", sagt Daniel. "Die Krise war einfach sehr seit weg."

Abwarten im Kinderzimmer

Die Amberger planten nur einen kurzen Stopp in Deutschland: Familie und Freunde treffen, eine neue Kamera-Ausrüstung kaufen - und zurück in den Flieger. Doch diese Pläne liegen nun auf Eis, sagt Daniel: "Als wir zurück kamen, war ich schnell todsicher, dass wegen Corona mindestens drei Monate lang nichts mehr geht." Die Oberpfälzer haben aktuell keinen Job, und damit auch kein Einkommen. Sie zehren vom Geld, das sie für die Weltreise gespart haben. Untergekommen sind sie vorerst in Sulzbach-Rosenberg. Dort wohnen sie bei Silvias Eltern in deren früherem Kinderzimmer. Ihren Humor haben sie dennoch nicht verloren: "Wir sind die Enge gewohnt. Im Zelt war auch nicht mehr Platz", sagt die 30-Jährige und lacht.

Die Weltenbummler sind zuversichtlich und haben ihre Reisepläne noch nicht aufgegeben. Über Namibia und Madagaskar wollen die Oberpfälzer weiter nach Jordanien, Iran und China. "Wir hoffen, dass wir bald wieder weg können. Aber natürlich müssen wir erst warten, bis die Pandemie weltweit zurückgeht", sagt Silvia. Mit dieser Hoffnung sind die beiden nicht allein.

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