09.08.2019 - 13:25 Uhr
Sulzbach-RosenbergDeutschland & Welt

Glücksfall dritter Mann

Ein Klaviertrio ohne Pianisten? Das hätte selbst den namhaften Violinisten Nikolaj Szpes-Znaider und Cellist Misha Quint vor unlösbare Probleme gestellt. Mikhail Mordvinov überrascht beim SRIMF-Konzert als kongenialer Partner.

Am Ende wurde das SRIMF-Gastkünstlerkonzert doch noch ein großer Erfolg. Nikolaj Szeps-Znaider (Violine), Misha Quint (Violoncello), Robert Kulek (Piano) brillierten mit Werken von Dvořák und Tschaikowsky.
von Anke SchäferProfil

Ausgerechnet der für den ursprünglich vorgesehenen Robert Kulek eingesprungene, russische Pianist Mikhail Mordvinov entpuppte sich als Überraschung des Abends in der Staatlichen Berufsschule.: Mordvinov, in Berlin lebend und an der Hochschule für Musik Hanns Eisler unterrichtend, gab im langjährig eingespielten Freundschaftsduo Szeps-Znaider/Quint eben nicht das dritte Ersatz-Rad am Wagen, sondern füllte seinen Platz am Flügel mit Selbstbewusstsein, Leidenschaft und Verve.

Rein optisch betrachtet, mangelte es dem Trio allerdings noch ein wenig an abgestimmter Harmonie: Der schwarz-förmlich gekleidete Mikhail Mordvinov, Nikolaj Szeps-Znaider als personifizierte, nicht monochrome Sommerlässigkeit und irgendwo dazwischen Misha Quint in schwarzem Semi-Casual .

Auf die musikalische Darbietung hatten derlei Oberflächlichkeiten jedoch nicht den Hauch von Einfluss. Vom ersten Takt an erlebte das Publikum präsente, vorbereitete Künstler mit berückender Ausstrahlung, die ihr Programm wahrlich lebten. Dazu passte gut, dass diesmal kein bunter Streifzug durch Epochen und Komponisten-Who´s Who vorgesehen war.

Stattdessen standen mit Antonín Dvořáks Klaviertrio Nr. 4 und Peter Iljitsch Tschaikowkskys a-moll-Trio zwei Solitäre der Kammermusik auf dem Programm. Ob dabei nun tatsächlich die sagenumwobene Geige „Ex Kreisler“ von Guarneri del Gesù und ein nicht minder wohlbenamtes Violincello im Einsatz waren, muss dahingestellt bleiben. Das saftige, umschmeichelnde Klangerlebnis sprach auch abseits solch akademischer Fragen für sich.

Dvořák selbst gab seinem Klaviertrio den Beinamen „Dumky“. Dahinter verbergen sich sechs ursprünglich ukrainische Tänze, die der Komponist seinen wechselnden Gemütslagen entsprechend variierte. Szeps-Znaider meisterte diesen Umschwung von explosivem Forte zu feingliedrigem Pianissimo mit der Unaufgeregtheit des großen Virtuosen, Misha Quint hielt auf Augenhöhe Stand und Mikhail Mordvinov fachte mit Stampfen und Aufspringen das slawische Feuer zusätzlich an.

In eine andere Gefühlsrichtung bewegt sich das a-moll-Klaviertrio von Peter Iljitsch Tschaikowksky: Darin verarbeitet der sich lange gegen die Gattung Klaviertrio auflehnende Komponist seine tiefgreifende Erschütterung nach Tod und Beerdigung des befreundeten Klaviervirtuosen Nikolaj Rubinstein.

Es beginnt kraftstrotzend und mit unverhohlener körperlicher Arbeit am Cello, was jedoch zu Misha Quints Kernkompetenzen gezählt werden darf. In der Folge schwankt auch hier die Klang gewordene Emotion zwischen Schwärmerei, geerdeter Beschwingtheit, tröpfelnder Trauer und blankem Rausch.

Und wieder sind es die ausgefeilten Interpretationsleistungen der drei Künstler, die all dies geradezu körperlich erspürbar machen. Der finale Höhepunkt in Form eines immer weiter verebbenden Trauermarsches ergreift Musiker und Zuhörer gleichermaßen: Viele Sekunden nach dem letzten Ton regt sich weder Mensch noch Lüftchen.

Kaum war jedoch die Spannung gelöst, riss es das Publikum förmlich von den Sitzen. Aber auch diesmal half aller euphorischer Beifallssturm nichts – dieser Sternstunde war musikalisch einfach nichts hinzuzufügen.

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