05.09.2019 - 15:56 Uhr
Sulzbach-RosenbergDeutschland & Welt

Hülya Friebe: Starke Stimme des Friedens

Auf Tour ist sie als „Stimme des Friedens“: Für ein Konzert in Sulzbach-Rosenberg kehrt die deutsch-türkische Singer-Songwriterin Hülya Friebe zurück in ihre Oberpfälzer Heimat.

Musikerin Hülya Friebe
von Anke SchäferProfil

Das respektvolle Miteinander der Kulturen und Religionen ist eine Herzensangelegenheit der in Erbendorf geborenen Singer-Songwriterin Hülya Friebe. Ihre einfühlsame Musik handelt von der zeitlosen Sehnsucht nach Liebe und Frieden, in ihrer seelentiefen Stimme schwingen Hoffnung, Zuversicht und Mut. Nach Stationen in München, Nürnberg und Istanbul ist sie am Montag, 16. September um 19.30 Uhr in der Ehemaligen Synagoge in Sulzbach-Rosenberg zu Gast. Ein Interview.

ONETZ: Frau Friebe, Sie sind als „Stimme des Friedens“ auf Tour, Ihr neues Album heißt „Songs of Hope“: Woraus speist sich die Kraft Ihrer Botschaft in Zeiten, in denen man mitunter kurz davor ist, alle Hoffnung fahren zu lassen?

Hülya Friebe: Seit meiner Kindheit bemühe ich mich um ein friedliches Miteinander. Als ich älter wurde, verstand ich, dass ich die Welt da draußen nicht verändern kann – aber indem ich an mir selbst arbeite und mich selbst weiterentwickle und den Frieden in mir finde, verändert sich auch die Welt um mich herum. Man darf das Kleine nicht unterschätzen, denn ein Stein, den man ins Wasser wirft, erzeugt Wellen – auch noch weit entfernt. Wenn man versteht, wie kurz dieses Leben ist, weiß man, dass sich das Meiste, nach dem wir streben, nicht lohnt. Nur die Liebe lohnt sich; und sich auf den Spuren der Liebe zu entwickeln.

ONETZ: Sie sind in der Oberpfalz geboren und aufgewachsen, ihre familiären Wurzeln sind türkisch – ist damit die Rolle der Brückenbauerin zwischen unterschiedlichen Kulturen schon in der Wiege angelegt?

Ja, in der Tat. Dadurch, dass ich das Glück hatte, in zwei Welten groß zu werden und diese zwei Welten zu verstehen und zu verinnerlichen, habe ich mich verantwortlich gefühlt, eine Brücke zu sein - auch durch das Talent der Musik, dass ich in die Wiege gelegt bekam. Allerdings musste ich mir zusätzlich zu meinem schönen oberpfälzer Dialekt noch Hochdeutsch angewöhnen, um im Rest Deutschlands verstanden zu werden…

ONETZ: Zählen fester Glaube und Mut zu den wichtigsten Stützen einer Grenzüberwinderin?

Ein „fester Glaube“ ist eine Floskel meiner Meinung nach: Nur „Glauben“ ist mir zu wenig, Mut ist unabdingbar notwendig, um lernen zu können und über seine und andere Grenzen hinaus zu wachsen. Beim Überschreiten dieser Grenzen lernt man das Vertrauen und den Blick in das eigene Herz, in dem man eine spirituelle Wahrhaftigkeit finden kann, etwas Ursprüngliches und etwas, was uns alle verbindet. In der Aufgeschlossenheit für neues Wissen und im Entdecken der kindlichen Neugierde – also zu suchen und zu entdecken - liegt der Schlüssel für mich. Das ist meine Stütze.

ONETZ: Wie viel Mut hat es eigentlich 2004 gekostet, die eigene Musik-Karriere mitten auf der Erfolgsspur auszubremsen?

Das war genau so ein Fall: Ich war auf der Suche nach Wahrheiten – nach mir selbst. Ich merkte dabei, dass das Show-Business eine maskierte, ego-besetzte Welt war, in der es nur um Geld ging, in die ich nicht mit meiner Natur hineinpasste. Es war nicht einfach für mich, alles loszulassen. Jedoch für meine Entwicklung musste ich einen Cut machen, um mich wieder spüren zu können.

ONETZ: Was hat den Ausschlag gegeben, doch wieder als Singer-Songwriterin auf die Bühne zurückzukehren?

Eigentlich habe ich nie aufgehört, Musik zu machen, sondern hatte nur damit aufgehört, mit Musik „Geschäft zu machen“. Nach vielen erfahrungsvollen Jahren, dazu gehörte für mich auch, Mutter zu werden, kam eine Zeit starker Inspiration, es sprudelten förmlich neue Lieder aus mir – so entstand 2012 mein Album „Ego“ und ich wusste, dass ich mit neuer Kraft und einer anderen Wahrnehmung wieder auf die Bühne gehen kann. Heute arbeite ich nicht mehr mit anderen Musiklabels und Studios zusammen, sondern habe mit meinem Mann unsere eigene Musik- und Filmproduktion „Sema-Zenema“. Ich arbeite als Komponistin, Toningenieurin und Produzentin und kann meine Musik so gestalten, dass sie meinem sozialen Engagement entspricht. Beispiele dafür sind die Songs und Videos „Nicht in meinem Namen“ und „We love Europe“, in denen ich kulturelle Vielfalt besinge und wie viel man daraus für seine Entwicklung schöpfen kann. Außerdem unterstütze ich andere Künstler, mit ähnlichem Engagement.

ONETZ: Ihre Texte sind englisch, deutsch und türkisch – weil bestimmte Inhalte besser zu einer bestimmten Sprache passen?

Nicht direkt, aber ich bestehe nun mal aus der westlichen und östlichen Welt. Dementsprechend sind die Inspirationen mal in der einen, mal in der anderen Sprache. Das plane ich nicht - ich sage immer: Nicht ich finde die Musik, sondern die Musik findet mich.

ONETZ: Mit dem Gastspiel in der Ehemaligen Synagoge in Sulzbach-Rosenberg kehren Sie wieder einmal zurück in die Oberpfalz – ein besonderes Gefühl oder ein ganz normales Konzert?

Es ist immer besonders für mich, in meiner Heimat aufzutreten. Ich liebe die ehrliche Natur der Oberpfälzer und freue mich auch auf den Dialekt, der mich an meine Wurzeln erinnert. Es ist schön, erinnert zu werden, wer man ist und woher man kommt. Auch freut es mich, in einer ehemaligen Synagoge spielen zu dürfen. Spirituelle Orte sind sehr inspirierend für mich. Das kulturelle Engagement Sulzbach-Rosenbergs finde ich sehr vorbildlich. Mit ihrer Geschichte sind sie auch Mitglied bei der Straße der Deutschen Sprache, für die ich mich auch ehrenamtlich engagiere.

ONETZ: 2005 haben Sie ja bereits die frühe Autobiografie „Himmelstochter“ vorgelegt. Denken Sie eigentlich über eine Fortsetzung nach?

Alles hat im Leben seine Zeit. Bei den vielen musikalischen, sozialen und kulturellen Projekten, in die ich derzeit eingebunden bin, steht eine Fortsetzung erstmal relativ weit hinten. Aber wenn eine Fortsetzung kommen sollte, dann wird sie ganz überraschend anders sein. Die letzten 15 Jahre hat sich, Gott sei Dank, immer wieder mein Leben „neu erfunden“ - und ich hoffe, niemals stehen zu bleiben und immer offen zu sein.

Info:

Zur Person

Als Hülya Kandemir in Erbendorf geboren, sammelt die Singer-Songwriterin bereits mit 16 Jahren erste Bühneerfahrungen. Sie spielt im Vorprogramm unter anderem von Natalie Cole, Joan Baez und Angelo Branduardi, bricht ihre Karriere jedoch kurz vor dem Durchbruch ab. Ihre Hinwendung zu Spiritualität und Islam beschreibt sie in der Autobiografie „Himmelstochter“. Mittlerweile lebt sie in Nürnberg, engagiert sich für Frieden un Völkerverständigung, hält interreligiöse Vorträge und fördert mit ihrer Film- und Musikfirma „Sema-Zenema“ auch junge Künstler. Hülya Friebe betreibt einen eigenen Youtube-Kanal, ihr neuestes Album heißt „Songs of Hope“.

Info:

Service

Tickets für das Konzert am 16. September um 19.30 Uhr in der Ehemaligen Synagoge in Sulzbach-Rosenberg bei allen NT-Ticket-Vorverkaufstellen und unter www.nt-ticket.de

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