09.10.2018 - 18:43 Uhr
Sulzbach-RosenbergDeutschland & Welt

Influencer: Diese Oberpfälzer beeinflussen zigtausende Menschen

Reich an Einfluss, reich vom Einfluss: Influencer sind die Popstars der heutigen Zeit. Zwei Oberpfälzer berichten aus der schönen neuen Welt - die aber nicht so perfekt ist, wie sie scheint.

Oberpfälzer Influencer: Manuel Marx, auf Instagram "manu_mrx", und Ligia Król-Osesek, im Internet unter "volatile_spirit" bekannt.
von Julian Trager Kontakt Profil

Als er die erste magische Zahl - fünfstellig! - erreichte, dachte sich Manuel Marx: "Nicht übel für einen aus Pressath." Mittlerweile hat er die Zahl vervierfacht, und damit seine Möglichkeiten erweitert, Geld zu verdienen. Marx ist Autoverkäufer, hauptberuflich. Nebenbei arbeitet der 23-Jährige fürs Radio, als Produkttester - und als Influencer.

So nennt man Menschen, die von Unternehmen bezahlt werden, um deren Produkte sowie die Marke in ihren Bildern und Videos im Internet zu zeigen und zu bewerben. Ein gigantisches Geschäftsfeld. Die Influencer gelten als die Popstars der heutigen Zeit. Fast jeden Tag gibt’s ein neues Foto, aus dem Urlaub, von einer Party, in der Badewanne. Wichtigste Währung: Authentizität.

Knapp 40 bezahlte Partnerschaften

Manuel Marx möchte sich nicht verbiegen. "Ich will authentisch bleiben", auch wenn er Geld bekommt für manche Beiträge, sagt der gebürtige Pressather, der jetzt in Nürnberg lebt. Marx, im Netz unter "manu_mrx" bekannt, hat auf Instagram 41.600 Follower, also Menschen, die ihm auf dem sozialen Netzwerk folgen. Die füttert er mit Bildern: Marx in der Hängematte, Marx auf der Luftmatratze, Marx im Auto. Marx, wie er eine Uhr von Paul Hewitt in die Luft wirft. Mit dem Uhrenhersteller hat er eine "bezahlte Partnerschaft". Knapp 40 solche Partner hat er, unter anderem auch mit dem Online-Versandhändler About-You.

Manuel Marx bei Instagram

Wie viel er damit verdient, möchte er nicht sagen. Nur, dass er Geld bekommt. Deutschlands bekannteste Influencerin Bianca "Bibi" Heinicke verdient pro Post rund 22.000 Euro, hat aber auch mehr als sechs Millionen Follower auf Instagram. "Das ist natürlich eine Einnahmequelle", sagt Marx, verkaufen wolle er sich aber nicht. "Ich bewirb nur Produkte, die mir gefallen." Seine Fotos schießt der Pressather selbst oder sein Freund. Wie Marx ein Produkt präsentiert, entscheidet meistens er. Weil die Firmen auch ihre Ideen und Pläne haben, geht's aber nicht immer ohne Kompromisse. "Die Firmen sind sehr offen für uns Influencer. Die leben ja auch von unseren Ideen."

Postet Marx ein Bild, auf dem ein Markenlogo sichtbar ist, oder erwähnt er Firmen im Text, muss er das als Werbung, Anzeige oder Partnerschaft kenntlich machen. Wenn nicht kann's Ärger geben. "Es gibt zwar keine Richtlinie, aber es gehen viele Abmahnungen raus." Auch Bekannte hat es bereits getroffen, erzählt Marx – mit Strafen im fünfstelligen Eurobereich.

"Flucht aus der Realität"

Ligia Król-Osesek zeigt sich auf Instagram immer perfekt frisiert und geschminkt, in Schuhen mit hohen Absätzen und kurzen Röcken, in knappen Kleidern oder gleich nur in Dessous. Für die 26-jährige Polin, die seit Januar 2018 in Sulzbach-Rosenberg lebt, war Instagram anfangs ein digitales Tagebuch, später ein "Outfit-Radar". Jetzt ist es "dieses Bild von einer idealen Welt, in der ich immer ausgeruht und schön bin." Eine Traumwelt, in der ihr unter dem Namen "volatile_spirit" knapp 76.000 Menschen folgen. Die Sulzbach-Rosenbergerin sieht Instagram als Fluchtmöglichkeit aus der Realität, in der sie eben nicht immer schön oder super drauf ist. "Mein Instagram-Profil ist nur ein kleiner Teil meines Lebens - ein perfektes Leben, das ich gerne hätte."

Ligia Król-Osesek bei Instagram

"Es ist auch eine Scheinwelt", sagt Manuel Marx. Natürlich gibt er den Fans einen Einblick in sein Privatleben, Influencer zu sein bedeutet, dass Berufs- und Privatleben verschmelzen. "Ich zeige aber nur das, was ich zeigen möchte." Ein Bild, auf dem es ihm hundeelend geht, würde er nicht veröffentlichen. "Ich will authentisch bleiben, aber privat ist privat."

Manche kaufen sich gefälschte Follower

Warum Influencer so erfolgreich sind, beantwortet Markus Schreckhaas, der sich an der Universität Regensburg mit dem Phänomen beschäftigt. „Influencer lassen uns an ihrem Leben teilhaben“, sagt der Kulturwissenschaftler. „Auf viele jüngere Menschen wirkt dies identitäts- und orientierungsstiftend.“ Die Internet-Stars wirkten durch den präsentierten Lebensstil erreichbar und glaubwürdig. Sie seien in gewisser Weise Vorbilder. Mit der Zahl der Fans hat das wenig zu tun. „40 000 Follower können alles und nichts bedeuten“, sagt Schreckhaas. „Glaubwürdigkeit, Authentizität und gutes Storytelling generieren Reichweite.“

Bei aller Liebe zur Authentizität verstecken sich im Kosmos der Influencer auch Betrüger. Manche kaufen sich Follower. Es gibt Firmen und Agenturen, die gefälschte Fans verhökern - sogenannte "Bots", Computerprogramme, die echte Nutzer vortäuschen. „Das habe ich noch nie benutzt“, beteuert Marx. „Aber ich weiß, dass das andere machen.“ Auch wenn ihm diese neue Welt Privilegien und schöne Erlebnisse gebracht hat, sagt er über sie: „ Man darf da nicht alles glauben.“

Hintergrund:

Die unglaubliche Macht der Influencer

Wie viel Einfluss Influencer haben können: Nach einer Twitter-Nachricht von Reality-TV-Star Kylie Jenner brach die Aktie von Snapchat um sechs Prozent ein, das Unternehmen war 1,3 Milliarden Dollar weniger wert. Jenner hatte sich über ein Update der App geärgert und ihre Fans gefragt, ob sie die einzige ist, die Snapchat nicht mehr nutzt. Auf Twitter folgen ihr 25 Millionen Menschen, auf Instagram 116 Millionen. Weltweit die meisten Instagram-Follower hat Sängerin Selena Gomez – 144 Millionen.

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