01.08.2019 - 15:56 Uhr
Sulzbach-RosenbergDeutschland & Welt

Neues mit Bewährtem kombiniert

Auch lieb gewonnene Traditionen können frischen Schwung vertragen. Beim Eröffnungskonzert den Violinisten Ray-Chou Chang in die Recital-Zweisamkeit aus Cellist Misha Quint und Klavierpartnern aufzunehmen, erwies sich als glänzende Idee.

Cellist Misha Quint und Pianist Dmitri Novgorodsyk eröffneten das Sulzbach-Rosenberger Musik-Festival.
von Anke SchäferProfil

Die erweiterte Besetzung des SRIMF-Auftaktes ermöglichte eine hörenswerte Repertoire-Variante. Mit glücklicher Hand gewählt, implizierte das d-moll-Klaviertrio von Felix Mendelssohn-Bartholdy alles, was dem Festival den hochkarätigen Grundton vorgibt. Gleichzeitig machte dieser spritzige Vortrag Appetit auf die vielen, in den nächsten Tagen verkostbaren Klassik-Happen.

Was zu Zeiten der Uraufführung 1840 noch nicht uneingeschränkt umjubelt wurde, fand in der emotionalen, mit Temperament und Leidenschaft durchzogenen Interpretation von Ray-Chou Chang, Misha Quint und dem stets aufmerksamen, mit einem Doktortitel der Universität Yale/USA ausgezeichneten Pianisten Dmitri Novgorodsky den charakteristischen Mendelssohn´schen Esprit.

Stehender Jubel

Insofern hat Robert Schumann Recht behalten, der dem ersten Klaviertrio des Komponisten einst in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ das Potential attestierte, noch Enkel und Urenkel zu erfreuen. Das Herzogstädter Publikum drückte seine gar zur Begeisterung gesteigerte Freude in teilweise stehendem Jubel aus, wurde allerdings - bedauerlicherweise - mit keinem einzigen Bonus belohnt.

Mangelerscheinungen musste am Eröffnungstag dennoch niemand beklagen, denn auch bereits vor dem unbestrittenen Konzerthöhepunkt gab es Musik satt. So gestaltete schon beim offiziellen Stadt-Empfang der 12-jährige Violinist Konstantin Schunk mit seiner Mutter Katrin Arzberger am Rathaus-Flügel eine brillante Festival-Ouvertüre, die es in Sachen Virtuosität ohne weiteres mit den internationalen Gästen aufnehmen konnte.

Festivalleiter Misha Quint wiederum bot im ersten Teil seines Konzerts das kammermusikalische Format, das den treuen SRIMF-Freunden über die Jahre ans Herz gewachsen ist. Mit der Cellosonate Nr. 4 reihte auch er sich ein in den langsam Gestalt annehmenden Gratulationsreigen zu Ludwig van Beethovens 250. Geburtstag 2020. Wer dem mittlerweile quasi schon eingebürgerten Künstler dabei ins Gesicht blickte, erkannte, wie viel Konzentration und Arbeit in und hinter seinem Spiel steckt.

Der mit expressiver Mimik spielende Pianist Dmitri Novgorodsky teilte derweil seinen Fokus zwischen dem Notenmaterial und dem schräg vor ihm sitzenden Cellisten auf, um die dieser Festival-Partnerschaft logischerweise fehlende Routine und Vertrautheit mit vorausschauender Aktion zu kompensieren.

Gewagtes Experiment

Ergänzend zu Beethoven erklangen zwei, jeweils ursprünglich nicht für Violoncello verfasste Preziosen: Robert Schumanns romantisches „Adagio und Allegro“ sowie Claude Debussys Meisterstück „Clair de lune“. Während im ersten Fall der Komponist selbst die Alternative zum Horn setzte, gab Quint beim Klavier-Liebling seine, zumindest in früheren Jahren, eher vorsichtige Haltung gegenüber Bearbeitungen auf – angesichts des unantastbaren Stellenwerts des Originals ein ohne Frage gewagtes Experiment. Das Publikum war begeistert und honorierte die Veränderung mit überschwänglichem Applaus!

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