16.05.2019 - 16:30 Uhr
Sulzbach-RosenbergDeutschland & Welt

Rapper Ben Salomo war zu Gast im Capitol

Rapper Ben Salomo präsentiert seine Autobiografie und neuen Song im Capitol in Sulzbach-Rosenberg.

"Gemeinsam können wir es schaffen": Ben Salomo räumte auf mit gängigen Vorurteilen und Fake News.
von Anke SchäferProfil

„Gewöhn´dich dran“: Dieser lapidare Satz hat Ben Salomos öffentliches Engagement gegen Antisemitismus und Rassismus angestachelt. Und genau dieser Satz und die dahinter stehende Haltung bringen den bekannten Deutsch-Rapper bis heute in Rage. Zu erleben auch bei der beeindruckenden Vorstellung der Autobiografie "Ben Salomo bedeutet Sohn des Friedens" im Capitol, zu der die Buchhandlung Volkert eingeladen hatte.

Der rotzige Kommentar auf einen Facebook-Post des „Rap am Mittwoch“-Erfinders, in dem er ein Beispiel allgegenwärtiger Juden- und Israelfeindlichkeit entlarvte, zog noch weitere Kreise. Im neuen Song „Sie sagen mir“ rappt Ben Salomo eindringlich gegen die Gleichgültigkeit in gefährlichen Zeiten, in seinem Buch liefert er ein sehr persönliches Plädoyer gegen Unerträgliches, das wieder gesellschaftsfähig zu werden droht, und spricht als Insider Klartext zum Antisemitismus, der mittlerweile die deutsche Hip-Hop-Szene durchzieht.

Trotz allem steht auf der Capitol-Bühne kein verbitterter Einzelkämpfer. Jonathan Kalmanovich, der seinen Künstlernamen nach eigenen Angaben einer spontanen nächtlichen Eingebung verdankt , begegnet seinem Publikum freundlich, zugewandt und mit einigem Humor. Nur sein Buch bleibt den gesamten Abend über völlig unberührt: „Ihr so eine gute Crowd, da rede ich lieber frei“, sprach´s und fesselte seine Zuhörer deutlich länger als ursprünglich geplant.

Das, was er in seinen 41 Jahren bereits erlebt hat, schnürte mehr als einmal den Hals zu. Dass er trotzdem eine positive Grundschwingung ausstrahlt, liegt auch an einer bis heute nachhallenden Maxime seiner Mutter: „Alle Kinder, so verschieden sie auch sein mögen, sind gute Kinder und mit all diesen Kindern kannst du ruhig spielen“, tröstete sie den kleinen, völlig unvorbereiteten Jonathan nach dem ersten Tag in einem deutschen Kindergarten.

Dass allein die jüdische Herkunft ausreicht, um echte Freundschaften von heute auf morgen zu beenden, lernte Salomo schon mit 11 Jahren. Mit der nachfolgenden Häufung solcher Anfeindungen, Beleidigungen und Demütigungen formte sich zugleich die Gegen-Strategie: Nicht Opfer werden, sondern sich wehren. Damals half das American-Football-Training, heute sind es genaue Analysen und fundierte Kenntnisse nicht nur in Sachen Israel. „Ich bin schon immer ein Grübler gewesen“, so Salomo.

Klug lenkt er daher den Blick insbesondere auf Facetten, die oft hinter dem Fokus auf Rechts verschwinden – den mit Kritik an der aktuellen Israel-Politik bemäntelten Antisemitismus in Teilen des linken Spektrums und natürlich auch den Antisemitismus, der unter Migranten zu finden ist. Um Solidarität betteln will Ben Salomo allerdings um keinen Preis. Angesichts seiner nüchternen Argumente muss er das auch gar nicht.

Der zweite Ausstieg aus der Rap-Szene, die ihn mittlerweile als Nestbeschmutzer und Verräter diffamiert, ist wohl endgültig. Den Vorwurf, das Buch nur aus vermeintlich typisch jüdischer Geldgier verfasst zu haben, entkräftet er auf bewegende Weise: „Ich mache das für meine Tochter. Sie soll nicht durchmachen müssen, was ich durchgemacht habe“. Die eine Hand sei am Koffer, die andere im Boxhandschuh, denn:„ Ihr dürft euch nicht daran gewöhnen“.

Info:

Service

Die Autobiografie „Ben Salomo bedeutet Sohn des Friedens“, 240 Seiten, gebunden, ist im EuropaVerlag erschienen und kostet 18 Euro.

www.bensalomo.de

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