16.01.2020 - 15:02 Uhr
Sulzbach-RosenbergDeutschland & Welt

Unglaubliche Abenteuer

Weltkriegsschlacht im Hürtgenwald, Gift im Vietnam-Kriegs und die Verschwörung um die Pentagon Papers: Die Hauptfigur in Steffen Kopetzkys Roman "Propaganda" heißt nicht nur John Glueck, er hat auch tatsächlich das bessere Ende für sich.

Der Schriftsteller Steffen Kopetzky kommt am 21. Januar ins Literaturhaus nach Sulzbach-Rosenberg.
von Anke SchäferProfil

John Glueck ist im Krieg. Tief in Deutschland, im dunklen Hürtgenwald in der Eifel, 1944. Vor kurzem noch war er Student in New York, voller Liebe zur deutschen Kultur seiner Vorfahren; dann, als Offizier bei Sykewar, der Propaganda-Abteilung der US-Army, traf Glueck in Frankreich sein Idol Ernest Hemingway. Für ihn zieht Glueck in den scheinbar unbedeutenden, doch von der Wehrmacht eisern verteidigten Hürtgenwald bei Aachen...

Steffen Kopetzky hat mit „Propagda“ einen spannenden und berührenden Roman geschrieben. Vor der Lesung im Literaturhaus Oberpfalz (Dienstag, 21. Januar,m 19.30 Uhr) hat der Schriftsteller mehr über seine Freude an Abenteuer und Live-Auftritten erzählt:

ONETZ: Herr Kopetzky, vier Jahre nach Ihrem viel beachteten Roman „Risiko“ schicken Sie nun Ihren nächsten Protagonisten durch die Weltgeschichte. Haben Sie ein besonderes Herz für Abenteurer mit Chuzpe?

Steffen Kopetzky: Einen neuen Romanstoff zu beginnen, ist jedes Mal, als ob ich auf eine abenteuerliche Reise gehen würde, welche mich tiefer und tiefer ins Unbekannte führt. Ich fühle mich also selbst ein wenig wie ein Abenteurer. Daher mag das rühren.

ONETZ: Im Laufe der Geschichte haben auch Schriftstellerkollegen wie Ernest Hemingway, Charles Bukowski und J.D. Salinger ihren Auftritt – alles nur Kino im Kopf oder von realen Begebenheiten inspiriert?

Steffen Kopetzky: Hemingway und Salinger waren tatsächlich im Hürtgenwald und für beide waren die Erlebnisse dort prägend. Salinger wurde für den Rest seines Lebens traumatisiert und Hemingway begriff schmerzlich, dass Amerika sein Literatur- und Lebensmodell hinter sich gelassen hatte. Die vorkommenden Autoren in "Propaganda" stehen allegorisch für verschiedene Weisen von Literatur. Und es war ein großes Vergnügen, den jungen Bukowski 1941 im Schreibseminar zu schildern. Das habe ich mir zwar ausgedacht, aber keineswegs gegen die literarische Biografie des großartigen Kaliforniers.

ONETZ: Der frisch gekürte Literaturnobelpreisträger Peter Handke findet ebenfalls Erwähnung. Wie haben Sie eigentlich die kontroverse Diskussion um seine Auszeichnung verfolgt?

Steffen Kopetzky: Handke steht in "Propaganda" für die Sehnsucht nach seelischer Reinheit und einem ätherischen Elfenbeinturm, die in den späten sechziger und siebziger Jahren aufkam, der Zeit, in der die industrielle Landwirtschaft, Fastfood und digitale Datenverarbeitung richtig groß wurden. Mir ging es um diesen Zusammenhang.

ONETZ: Sie ziehen den Rahmen aber noch viel weiter auf: Wie viele Ideen und Plots muss man verwerfen, bis die vielen Themenstränge zwischen Zweitem Weltkrieg und Vietnam-Krieg unter einen literarischen Hut gebracht sind?

Steffen Kopetzky: Es ist interessant, dass Sie das fragen - es war nämlich weniger ein Verwerfen, als ein langsames Wachstum. Eine Schicht nach der anderen hat sich um meinen Ausgangspunkt gelegt: Das Lazarett des Dr. Stüttgen. Um diese humanitäre Tat richtig beschreiben zu können, brauchte ich die Schlacht, in der sie stattfand. Um die Schlacht zu schildern, brauchte ich den Krieg. Um den fassen zu können, brauchte ich den Blick auf die amerikanische Gesellschaft zwischen den Weltkriegen und Vietnam. Eine organische Entwicklung, an deren Ende dann der Deutsch-Amerikaner John Glueck und seine Geschichte standen.

ONETZ: Erfordert diese Komplexität auch ein besonderes Konzept für Lesungen, um dem Publikum einen Gesamtüberblick zu vermitteln oder ist das gar nicht Ihr vorrangiges Ziel?

Steffen Kopetzky: Ich genieße das Vortragen sehr, weil ich da mein komödiantisches, schauspielerisches Vergnügen ausleben kann. Es macht mir Freude, das Publikum zu unterhalten und ihm ein paar neue Einblicke zu vermitteln. Immer in der Hoffnung, dass mein Vortrag dazu reizt, das Buch danach selber und in Gänze zu lesen.

ONETZ: Wenn wir jetzt drei oder vier Jahre vorausblicken – würden wir uns über einen Kopetzky-Krimi, einen Familienroman oder eine neue Abenteurer-Geschichte unterhalten?

Steffen Kopetzky: Krimi ist vielleicht nicht ganz verkehrt, auch wenn ich versuchen will, eine zwischen den frühen zwanziger Jahren und dem spanischen Bürgerkrieg spielende deutsch-russische Dreiecks- und Agentengeschichte zu erzählen.

Info:

Service

Die Lesung mit Steffen Kopetzky findet am Dienstag, 21. Januar um 19.30 Uhr im Literaturhaus Oberpfalz statt und wird von Michael Peter Hehl moderiert. Eintritt 9 Euro, Reservierungen unter 09661/8159590 oder info[at]literaturarchiv[dot]de. Der Roman "Propaganda", 496 Seiten, Hardcover, ist bei Rowohlt Berlin erschienen und kostet 25 Euro, als E-Book 19,99 Euro.

Info:

Zur Person

Steffen Kopetzky wurde 1971 in Pfaffenhofen an der Ilm geboren. Neben Romanen verfasst er auch Hörspiele, Erzählungen und Theaterstücke. Von 2002 bis 2008 war er zudem künstlerischer Leiter der Theater-Biennale Bonn. Sein Roman "Risiko" stand lange Zeit auf der "Spiegel"-Bestsellerliste und war für den Deutschen Buchpreis nominiert. Sein aktueller Roman "Propaganda" war unter den Nominierten für den Bayerischen Buchpreis 2019.

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