07.02.2020 - 13:43 Uhr
Sulzbach-RosenbergDeutschland & Welt

Verloren auf der Suche nach dem Leben

Kristina Pfister stellt ihren preisgekrönten Debütroman im Literaturhaus Oberpfalz vor

Kristina Pfister.
von Anke SchäferProfil

Am Ende des Studiums warten plötzlich nur Leere und Trostlosigkeit auf Annika – bis die lebenshungrige Zufallsbekanntschaft Marie-Louise auftaucht. Aber auch der gemeinsame Sommer zwischen jugendlicher Freiheit und ernstem Erwachsensein währt nicht ewig. Vor der Lesung am Donnerstag, 20. Februar um 18.30 Uhr im Literaturhaus Oberpfalz erzählt Kristina Pfister im Interview von den Anfängen ihres Debütromans „Die Kunst einen Dinosaurier zu falten“.

Buchcover.

ONETZ: Frau Pfister, wie lange hat Sie die Geschichte von Annika und Marie-Louise schon vor dem tatsächlichen Beginn des Schreibens begleitet?

Kristina Pfister: Die Idee entstand eigentlich aus einer Kurzgeschichte, die ich in der Zeit geschrieben hatte, als ich so um die 23 war, also so alt wie die Protagonistinnen im Buch. Die lag dann erstmal eine Zeit lang in der Schublade, bevor ich sie für das Romanseminar der Bayerischen Akademie des Schreibens noch einmal hervorgekramt und weitergesponnen habe. Das war eine ganze Zeit lang später, die Figuren und ihre Problemchen schwirrten also eine ganze Weile in meinem Kopf herum.

ONETZ: Wie viele persönliche Lebenserinnerungen an die Zeit zwischen Jugend und Erwachsensein stecken in Ihrem Roman?

Kristina Pfister: Eigentlich kenne ich nur das Gefühl, noch so ein bisschen festzustecken, sich verloren zu fühlen, in einem selbstgeschaufelten Loch zu sitzen, während alle anderen frisch-fröhlich ins Leben durchzustarten scheinen. Die Geschichte selbst - Orte, Menschen, Geschehnisse - ist frei erfunden. Es ging mehr darum, dieses mir so bekannte Gefühl umzuwandeln in etwas, das nicht einfach eine Wiedergabe meiner eigenen persönlichen Erlebnisse war. Es sollte ja kein Tagebuch von mir werden.

ONETZ: Haben Sie seinerzeit das Manuskript im Roman-Seminar der Bayerischen Akademie vorgestellt und falls ja, hat diese Erfahrung zu größeren Änderungen geführt?

Kristina Pfister: Ja, das Manuskript hat sich sozusagen mit Begleitung durch das Roman-Seminar entwickelt. Ich habe den Roman im Grunde fast vollständig während dieses Seminarjahres geschrieben, es gab also immer wieder Anmerkungen der Teilnehmer*innen, die ich dann auch übernommen habe. Manchmal waren diese aber auch recht widersprüchlich, sodass ich selbst überlegen musste, welche Kritik ich annehme und welche ich getrost verwerfen kann. Das ist eine wichtige Lektion, die man in einem solchen Seminar lernt. Größere Änderungen, also richtig große, hat es dadurch aber nicht gegeben.

ONETZ: Sie wurden für diesen Debüt-Roman mit dem Bayerischen Kunstförderpreis geehrt. Beflügelt oder beschwert eine frühe Auszeichnung auf dem weiteren schriftstellerischen Weg?

Kristina Pfister: Ich habe mich sehr gefreut, dass ich den Kunstförderpreis gewonnen habe. Das ermutigt einen ja auch sehr in seinem Tun, dass das anscheinend auch andere Leute gut finden, was man da macht. Gleichzeitig kommt damit auch ein gewisser Anspruch an sich selbst daher, dass alles, was folgt, am besten auch preis-würdig sein sollte. Diesen Druck musste ich für mich selbst erstmal wieder loswerden, damit ich nach der Veröffentlichung des ersten Romans wieder „freier“ schreiben konnte.

ONETZ: Zur Lesung im Literaturhaus Oberpfalz hat sich Ihre tschechische Kollegin Tereza Semotamová ebenso angesagt wie der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Bernd Sibler. Schlägt da Ihr Puls anders als bei sonstigen Lesungen?

Kristina Pfister: Ja, schon ein bisschen. Allerdings bin ich sowieso immer äußerst aufgeregt vor solchen Lesungen, da macht der ein oder andere Minister das Kraut auch nicht mehr fett.

Info:

Service

Die Lesung mit Kristina Pfister findet am Donnerstag, 20. Februar um 18.30 Uhr im Rahmen des bayerisch-tschechischen Literaturaustausches im Literaturhaus Oberpfalz statt. Als tschechische Vertreterin ist die Autorin Tereza Semotamová mit ihrem Roman „ Im Schrank“ zu Gast. Es moderieren Michala Čičváková (Tschechisches Zentrum für Literatur) und Patricia Preuß. Bereits um 18 Uhr findet ein Empfang zur Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung mit dem Tschechischen Zentrum für Literatur mit Wissenschafts- und Kunststaatsminister Bernd Sibler (MdL) statt, zu dem alle Interessierten eingeladen sind. Der Eintritt ist frei.

Info:

Zum Buch

Kristina Pfisters Debütroman "Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten" , 253 Seiten, gebunden, ist im Tropen-Verlag erschienen und kostet 20 Euro.

Info:

Zur Person

Kristina Pfister wurde in Bamberg geboren und studierte Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaft. Sie war Stipendiatin der Bayerischen Akademie des Schreibens und Autorin der on3-Lesereihe des Bayerischen Rundfunks. 2017 erhielt sie für „Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten“ den Bayerischen Kunstförderpreis. Sie lebt in Nürnberg.

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