17.05.2019 - 13:33 Uhr
Sulzbach-RosenbergDeutschland & Welt

Aus der Vogelperspektive

Fünf Jahre und einen dicken Packen neue Romanseiten später aus einem Buch zu lesen, ist eine Herausforderung. Radka Denemarková liegt „Ein Beitrag zur Geschichte der Freude“ unverändert am Herzen, wie der Abend im Capitol offenbarte.

Im lockeren Gesprächsrahmen näherten sich Schriftstellerin Radka Denemerková und Moderator Thomas Geiger dem todernsten Roman "Mein Beitrag zur Geschichte der Freude".
von Anke SchäferProfil
Hatten beiden Freude am Wiedersehen: Schriftstellerin Radka Denemarková und Moderator Thomas Geiger im Capitol.

Nachdem im Literaturhaus Oberpfalz der Brandschutz nach wie größere Veranstaltungen verhindert, machten es sich Moderator Thomas Geiger und sein überaus gerne wiedergesehener Gast auf der Capitol-Bühne gemütlich. Die Frage, zum wievielten Mal genau Radka Denemarková nun schon einer Einladung des Literaturhauses gefolgt war, blieb jedoch vorerst noch offen.

Wie fühlt es sich nun also an, einen lange abgeschlossenen Roman im Zuge der erst jetzt erschienenen deutschen Ausgabe wieder ans Licht zu holen? Es sei das schönste Gefühl für eine Schriftstellerin, wenn die eigenen Bücher immer aktuell sind, betont Denemarková. Im übrigen sei sie ja bei der erst später vielfach diskutierten sexuellen Gewalt gegen Frauen keineswegs eine Prophetin gewesen: „Das Thema war immer da“.

Nach dem das geklärt war, drehte das Gespräch in Richtung des persönlichen Werdegangs der Schriftstellerin ab und zeigte dabei eines deutlich: Hinter der sanften Oberfläche stecken enormer Mut, klare Haltung, unbeugsames Gerechtigkeitsgefühl und eiserner Wille.

Die enorme Freude über ihr aktuellstes Romanprojekt schwappte aber auch an diesem Abend über. Stolz zeigte Radka Denemarková ihren dicken China-Wälzer „Stunden von Blei“ vor, der beim tschechischen Literaturpreis „Magnesia Litera“ zum „Buch des Jahres 2019“ gekürt wurde.

Wie schon „Mein Beitrag zur Geschichte der Freude“ oder der Vorgänger „Ein herrlicher Flecken Erde“ legt sie darin erneut den Finger dahin, wo es richtig weh tut. Ihre Auseinandersetzung mit dem modernen China hat ihr jedenfalls gleich ein Einreise-Verbot beschert.

Gegenwind aushalten und Widerstände überwinden - das war aber auch schon beim Roman des Abends angesagt.

„Harter Tobak“, fasste Geiger das komplexe Konstrukt mit verschiedenen Erzähl- und Perspektiv-Ebenen zusammen. Das Vögel, insbesondere Schwalben ein zentrale Rolle spielen, erklärt Radka Denemarková zum einen mit der Notwendigkeit eine eigenen, zwischen Prosa und Essayistik schwebende Sprache für die Opfer zu finden. Zum anderen stehen Schwalben für Frühling und Hoffnung, in der slawischen Mythologie zudem für die Seelen toter Frauen.

Und weil Denemarkovás Stoffe fein austariert sind, reiht sich unter die über die Jahrzehnte hinweg beleuchteten bestialischen Verbrechen auch ein glückliche, gute Liebesbeziehung. Kostproben davon enthält sie dem Publikum aber ebenso vor wie Beispiele der schwer erträglichen – und mit Sicherheit schwer vorzulesenden – Passagen. Stattdessen beschränkt sich der Blick ins Buch auf den Prolog und einen weiteren sehr kurzen, historischen Abschnitt.

Für Thomas Geiger, der das für Männer ja durchaus verminte Feld sensibel meisterte, hatte Radka Denemarková stattdessen noch eine kleine Geschichte dabei – natürlich nicht ohne Seitenhiebe auf die Macho-Arroganz männlicher Kritiker. Und zu guter Letzt ist es ihr auch wieder eingefallen: Sie war 2007 zum ersten Mal in Sulzbach-Rosenberg.

Info:

Service

Der Roman "Ein Beitrag zur Geschichte der Freude", 336 Seiten,übersetzt von Eva Profousová, ist bei Hoffmann und Campe erschienen und kostet 24 Euro, als E-Book 19,99 Euro.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.