18.09.2019 - 14:17 Uhr
Sulzbach-RosenbergDeutschland & Welt

Von wegen König des Waldes

Ob Bambi oder der röhrende Hirsch im Wohnzimmer: Diese Tiere haben die Menschen immer fasziniert. Jäger und Förster Wilhelm Bode hat sich dem Geweihträger auf literarische Weise genähert.

Wilhelm Bode
von Anke SchäferProfil
Buchcover

Als bildhaftes Prachtexemplar über heimischen Sofas und Betten, als schmückende Trophäe im Jagdzimmer oder Trickfilm-Klassiker „Bambi“: Hirsche faszinieren die Menschheit seit Jahrhunderten. Für die Reihe „Naturkunden“ im Verlag Matthes & Seitz Berlin hat der passionierte Jäger, Diplom-Forstwirt und Naturschützer Wilhelm Bode ein aufschlussreiches Kompendium zur Natur- und Kulturgeschichte des vermeintlich stolzen König des Waldes verfasst. Am Freitag, 20. September um 19.30 Uhr ist er damit im Literaturhaus Oberpfalz zu Gast. Ein Interview.

ONETZ: Herr Bode, nach allem, was Sie über die traurige Geschichte der Hirsche zusammengetragen haben – gehen Sie noch gerne auf die Jagd?

Wilhelm Bode: Ja, weil es notwendig ist, wenn wir einen naturnäheren Wald haben wollen. Allerdings sehe ich die Jagdtiere – wie alle anderen Säugetiere – heute mit anderen Augen, seit wir (bis 2012) 12 Jahre lang einen schwer kranken Hund gepflegt haben, der uns mehr Zuneigung, Kommunikation und Verständnis entgegenbrachte als die zahllosen Hunde, die ich als Kind zuhause erlebte und später als Förster eher autoritär geführt habe. Seitdem ist es für mich keine Frage mehr, dass Tiere beseelte Wesen sind, wie wir selbst.

ONETZ: Hat die umfangreiche Recherche Ihren eigenen Blickwinkel auf das Thema verändert?

Wilhelm Bode: Nein, da mein Buch mein Jagd- und Hirschverständnis wiedergibt, wie es in einem langen Jägerleben von Kindheit an gewachsen ist. Siehe auch mein Buch "Jagdwende" im Beck-Verlag im Jahr 2000 mit Elisabeth Emmert.

ONETZ: Und was halten die Jagdgenossen von Ihrem Werk?

Wilhelm Bode: Wer hört schon gern die Wahrheit? Also Zustimmung nur von den wenigen Besonnenen und den Wildbiologen. Der Rest liest meistens ohnehin nicht. Jäger sind überwiegend keine Kopfmenschen.

ONETZ: Wie sind Sie überhaupt zur Matthes & Seitz -Reihe „Naturkunden“ gekommen?

Ich habe Herrn Dr. Rötzer (Verleger Matthes & Seitz Berlin, Anmerk, d. Red.) empfohlen einen Band zum Hirsch zu machen. Ich brauchte ihn nicht zu überzeugen.

ONETZ: Sie haben einen weiten Bogen von Walt Disneys „Bambi“ über die Malerin Frida Kahlo bis zu Don Quijote gespannt. Wie viel Zeit haben Sie in die Vorarbeiten zum Buch investiert?

Wilhelm Bode: Circa 7 Monate, da ich alle Thesen und Informationen ausreichend absichern wollte, auch wenn sie mir ohnehin klar waren.

ONETZ: Und wie lange hat es bis zum fertigen, gedruckten Buch gedauert?

Wilhelm Bode: Noch einmal circa drei Monate bis alle Beteiligten im Detail zufrieden waren.

ONETZ: Im Rahmen des „Nature Writing“-Seminars im Literaturhaus Oberpfalz werden Sie Ihr Buch selbst vorstellen. Ist Ihnen der direkte Dialog mit dem Publikum wichtig?

Wilhelm Bode: Der Kontakt zu den Lesern ist mir sehr wichtig, auch weil ich gerne weiter die Themen einer allmählich dahinsiechenden Waldnatur aus meiner Lebenserfahrung als Förster und Naturschützer - bis zur Pensionierung überwiegend tätig an der Nahtstelle zur Politik- heute als Autor weitergeben möchte. Es fehlt nämlich nicht an Wissen über den Wald sondern an den notwendigen Handlungen, beziehungsweise besser Unterlassungen, denn weniger Input wäre sicher mehr. Der Wald braucht uns nämlich nicht, sondern wir brauchen den Wald.

ONETZ: Aus Ihrer Experten-Sicht: Besteht noch Hoffnung auf eine bessere Zukunft für Wild und Wald?

Wilhelm Bode: Unbedingt, ich setze auf die Zuspitzung des Klimawandels und eine globale ökologische Verschlechterung, die es der Politik zunehmend schwerer machen, auf kleine Klientel, wie zum Beispiel die Jägerschaft oder die Förster Rücksicht zu nehmen. Die Zeichen, siehe "Fridays for Future", stehen auf Handeln und Ändern. Und da liegt es nahe, dass wohl zuerst die dran sind sich zu ändern, auf die die Politik schon kraft geringer Kopfzahl und Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt weniger Rücksicht nehmen muss. Für lodengrüne Blockierer ist da nur noch wenig Zukunft

Info:

Service

Die Lesung mit Wilhelm Bode findet in Rahmen der Pro-Suro-Kulturnacht und des Seminars "Nature Writing" in Kooperation mit der Bayerischen Akademie des Schreibens statt.Reservierungen unter Telefon 09661/8159590 oder unter info[at]literaturarchiv[dot]de.

Info:

Zur Person

Wilhelm Bode wurde 1947 in Westfalen geboren, ist Jurist und Diplom-Forstwirt und leitete die Saarländische Landesforstverwaltung und die Oberste Naturschutzbehörde des Saarlandes. Er engagiert sich im Naturschutz und hat zahlreiche Bücher und Schriften verfasst.

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