08.10.2019 - 15:36 Uhr
Sulzbach-RosenbergDeutschland & Welt

Im "Zwischen" daheim

Die Regensburger Schriftsteller Gruppe International hat eine lange Tradition. Sie wurde 1910 gegründet und zählt damit zu den ältesten Autorenvereinigungen im deutschsprachigen Raum. Jetzt kommt sie wieder einmal ins Literaturhaus.

Schriftstellerin Lisa Weichart
von Anke SchäferProfil

Die Regensburger Schriftstellergruppe International (RSGI) e.V. tourt wieder mit verschiedenen Veranstaltungen durch die Oberpfalz. Am Donnerstag, 10. Oktober (19.30 Uhr), kommt RSGI-Vizepräsidentin Lisa Weichart mit ihrem dritten Roman, dem Psycho-Krimi „Affenleuchten“ und ihrem zweiten Kurzgeschichtenband „WohinWohin“ ins Literaturhaus Oberpfalz. Ein Interview.

ONETZ: Frau Weichart, die Schriftstellerei und Sie – wie hat das alles angefangen?

Ich schreibe, seit ich lesen kann. Schon vor meiner Schulzeit hatte ich es mir selbst beigebracht und vorwiegend Comics mit Sprechblasen versehen. Als junge Erwachsene schrieb ich natürlich Tagebuch, eines Tages die ersten Gedichte und Kurzgeschichten, die auch in der Mittelbayerischen Zeitung veröffentlicht wurden. Erst 2014 schaffte ich es, zusammenhängend einen Roman zu schreiben, den „Wolkenfisch“ (Stories&Friends).

ONETZ: Sie schreiben Romane, Kurzgeschichten und Gedichte. Liegt Ihnen eines dieser Genre besonders am Herzen oder gibt es keine Lieblingsgattung?

Die Gedichte sprudeln einfach hervor, ich kann das nicht unterbinden. Sobald mich eine Emotion packt (und ich bin ziemlich emotional), ein Traum oder eine Begegnung – zwingt mich meine Hand zum Schreiben der Reime, die sich nicht aufhalten lassen. Es geht ganz flott. Und ab damit auf „LyrikLebt“. Am liebsten? Kurzgeschichten.

ONETZ: Eine nüchtern-beiläufig verpackte Tragik prägt Ihren Roman „Affenleuchten“. Wirkt das Grauen besser, wenn es erst im Kopf der LeserInnen so richtig aufblüht?

Das Grauen blüht in jedem Leser/jeder Leserin anders, wie überhaupt jegliche Texte von mir bei jedem/jeder Person anders wirken. Meine Intention ist nicht eine präzise Wirkung, es ist vielmehr der Drang, meine eigenen Gefühle weiterzugeben, es sind oft Dinge, die man sonst gar nicht recht wahrnehmen würde. Zwischen den Zeilen, zwischen den Augen, zwischen den Welten. Überhaupt bin ich im „Zwischen“ daheim, zwischen Tag und Nacht, Wachheit und Traum. Aus Träumen kam die Intention für „Affenleuchten“.

ONETZ: So eine Geschichte kann an der Schöpferin vermutlich nicht spurlos vorübergegangen sein. Gruseln Sie sich eigentlich selbst gerne und wenn ja, wobei am liebsten?

Ich grusle mich NIE. Ich bin nicht schreckhaft, aber Andere erschrecken oft vor mir, ich bin klein und leise, daran liegt das. Gruselig finde ich höchstens mich selbst, wenn ich Dinge träume, die dann wirklich eintreffen, wie auch beide meiner Großmütter das taten. Diesen Umstand will ich nicht weiter ausführen, immerhin bin ich Autorin und kein Medium (lacht).

ONETZ: Mit überraschenden Wendungen in unprätentiösem Rahmen konfrontieren Sie Ihr Publikum auch im Kurzgeschichten-Band „WohinWohin“. Entsteht das alles in der Phantasie oder schauen Sie nur genauer hin im Alltag?

Ich nehme Dinge einfach intensiv wahr. Dreidimensional, als könnte ich sie packen und zusammenrollen, um sie später auf Papier wieder zu entfalten. Und mich trägt der Gedanke, diese oft kleinen Wahrnehmungen nicht verpuffen zu lassen, sondern in Geschichten zu verwandeln. Phantasie? Überreichlich, die funktioniert auf einer Nebenspur zusätzlich, ohne extra angekurbelt werden zu müssen.

ONETZ: Sie sind auch Vizepräsidentin der Regensburger Schriftstellergruppe International (RSGI). Was ist Ihnen an diesem Engagement wichtig?

Der Kontakt zu möglichst vielen Gleichgesinnten.

ONETZ: Am 10. Oktober lesen Sie zusammen mit dem Kollegen Oliver Nitzbon im Literaturhaus Oberpfalz. Eine spezielle Adresse für Sie?

Es ist mir eine große Ehre, dort zu lesen. Immerhin steht Grass in direkter Verbindung mit dem Literaturhaus, ebenfalls wie ein Geist.

Info:

Service

Zusammen mit Lisa Weichart wird der Amberger Autor Oliver Nitzbon seinen Roman „Christus in Berlin“ im Literaturhaus Oberpfalz vorstellen, die musikalische Umrahmung übernimmt Musiker und RSGI-Präsident Stefan Rimek. Eintritt 7 Euro, Reservierungen beim Literaturhaus Oberpfalz unter Tel. 09661/ 8159590 oder info[at]literaturarchiv[dot]de. Am Sonntag, 10. November liest Lisa Weichart um 14 Uhr im Café Rösch in Wörth an der Donau aus „WohinWohin“, der Eintritt ist frei.

Der Roman „Affenleuchten“, 126 Seiten, Taschenbuch, und der Kurzgeschichtenband „WohinWohin“, 202 Seiten, Taschenbuch, sind im Fehnland-Verlag erschienen und kosten jeweils 12 Euro.

Info:

Zur Person

Lisa Weichart absolvierte eine Ausbildung bei der Deutschen Bahn . Seit 2007 ist sie Mitglied der Regensburger Schriftstellergruppe International RSGI e.V., seit 2017 RSGI-Vizepräsidentin. Ihr Roman-Debüt „Wolkenfisch“ erschien 2014, ihr zweiter Roman „Kuckucksparadies“ folgte 2017. Dazu hat sie zwei Kurzgeschichten-Bände und einen Lyrikband verfasst. Auf „facebook“ betreibt sie die Autorenseite „LyrikLebt“. Lisa Weichart hat drei Söhne und lebt in Regensburg.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.