17.08.2018 - 14:53 Uhr
Deutschland & Welt

Technik und Techno: Multimedia-Show über 90er Jahre in Berlin

Alle wollen nach Berlin. Warum das so ist, versucht eine neue Ausstellung über die Hauptstadt zu beantworten - mit viel Technik und Techno.

Besucher sitzen in der Alte Münze vor einer 270 Grad Leinwand. Dort können Besucher sich mit Bildern und Filmdokumenten über das Leben im ehemals geteilten Berlin informieren. Die Mediashow ist Bestandteil der Multimedia-Ausstellung "Nineties Berlin".
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Loveparade, Tacheles, Tresor. Das Berlin der 1990er Jahre wirkt wie eine einzige Party in einer Stadt, in der sich vor allem junge Leute austoben. Nach dem Mauerfall scheint alles möglich. Das Berlin dieser Zeit bringt unter anderem aber Polizisten in brenzlige Situationen, wenn sie verzweifelt versuchen, für Ordnung zu sorgen und zwischen Neonazis und linke Hausbesetzer geraten. Was im Jahrzehnt nach dem Mauerfall los war, zeigt nun die sehenswerte Ausstellung "Nineties Berlin" in der Alten Münze in Mitte.

Erstaunen gleich im ersten von vier Räumen. Auf einer 270-Grad-Leinwand mit 286 Quadratmetern Fläche werden mit großem technischen Aufwand Fotos oder kurze Filmsequenzen gezeigt, der Zuschauer sitzt auf dem Grundriss des geeinten Berlins. Bilder von Mauertoten, Partys in verfallenen Häusern, der Einführung der D-Mark laufen an der Wand vorbei. Kurze Texte erläutern sie, im Hintergrund lautes Techno-Wummern. Die Musik, die so typisch für diese Stadt sein soll, zieht sich durch alle Räume wie ein roter Faden.

Wichtigstes Accessoire dabei: das eigene Smartphone. Hintergründe und noch mehr Fotos erhalten die Besucher mit einem "Guide Bot". Auf der Internetseite der Ausstellung geben sie die Codes an den Wänden der Alten Münze ein. Wie in einem Chat gibt es dann Details.

Auf Stelen mit Bildschirmen berichten Prominente von ihren Erlebnissen. Der DJ Westbam erzählt von seinem zufälligen Treffen mit seinem Kollegen Eastbam aus Lettland am 9. November 1989. Zusammen sind sie zur Mauer. Dort hilft Eastbam Westbam mit einer Räuberleiter auf die andere Seite. Aber auch auf 2018 gehen die Befragten ein. "Berlin ist heute wahrscheinlich nicht mehr ganz so sexy, nicht mehr ganz so arm - ich aber auch nicht", sagt Fotograf Ben de Biel. "Wowereit hat aus Berlin eine Metropole gemacht für die Jugend aus ganz Deutschland, für die Touristen", findet Gregor Gysi, Politiker der PDS und Linken.

Im Innenhof der Alten Münze gibt es einen Exkurs zur Geschichte der Mauer. Daneben steht eine Bar. Die Namen der Menschen, die bei der Flucht in den Westen starben, sind auf eine Wand gedruckt. Gegenüber deuten Gewehre mit ihrem Lauf darauf. Betritt der Betrachter diesen Gang, steht er in der Schusslinie. Kein gutes Gefühl.

In einem Raum, der wie ein Labyrinth mit engen Gassen gestaltet ist, dreht sich alles um Techno-Musik. An Bildschirmen mit Touch-Screen blättert sich der Besucher durch Geschichten von Bars, Discos und Radiosendern. In einem Spiegelsaal stehen alle Nummer-Eins-Hits der Loveparade bis zu ihrem Ende nach dem Unglück in Duisburg 2008. Anhören und mittanzen.

"Nineties Berlin":

Die Multimedia-Schau „Nineties Berlin“ über die Hauptstadt in den 1990er Jahren läuft bis Februar 2019. Das DDR-Museum hat sie gestaltet. Die Ausstellung ist in der Alten Münze am Molkenmarkt 2 in Mitte untergebracht. Sie ist täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Anreise mit der S-Bahn bist Alexanderplatz oder der U 2 (Klosterstraße). Kontakt zur Ausstellung: Telefon 030/549082433, E-Mail info[at]nineties[dot]berlin (esa)

Zur Homepage der Ausstellung

Eine Frau steht in der Alte Münze vor historischen Fotos aus dem ehemals geteilten Berlin. Die Bilder sind Bestandteil der Multimedia-Ausstellung "Nineties Berlin".

Eine umgestürzte Lenin-Büste liegt in der Alte Münze vor multimedialen Stelen. Dort berichten Prominente über ihre Erfahrungen im ehemals geteilten Berlin.

In der Schusslinie befindet sich der Betrachter, wenn er die Namen der Mauertoten lesen will. Ihre Namen befinden sich an der Wand gegenüber der Gewehre.

An Touch-Screens können sich die Besucher über die Geschichten von Clubs und Radiosendern informieren.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp