Unter dem Sendetitel "Gottschalk liest?" wird der ehemalige "Wetten, dass ...?"-Showmaster viermal im Jahr aus unterschiedlichen bayerischen Regionen im Bayerischen Fernsehen vor Publikum mit Gästen über deren Neuerscheinungen und andere Kulturthemen sprechen. Sendeplatz ist jeweils dienstags um 22 Uhr. In der BR Mediathek wird jede Sendung vorweg zu Gottschalks alter Primetime, Samstag, 20.15 Uhr, zu sehen sein.
Die erste Ausstrahlung erfolgt am 19. März mit den Gästen Sarah Kuttner, Martin Mosebach, Ferdinand von Schirach und Vea Kaiser. Aufgezeichnet wird in Augsburg. Die weiteren drei Sendungen in diesem Jahr entstehen in Franken, der Oberpfalz und Oberbayern. Welche Oberpfälzer Stadt am 8. Oktober (Ausstrahlung 15. Oktober) zum Zug kommt, ist noch nicht bekannt.
"Ich habe mein Leben lang ohne jedwede Anstrengung Unterhaltung im Fernsehen gemacht", erzählte der Star-Moderator am Montag bei einem Pressegespräch im Münchner Literaturhaus. Irgendein dummer Spruch sei ihm immer eingefallen. "Das geht bei der Literatur nicht so einfach."
Deshalb auch das Fragezeichen hinter dem Titel. Das soll seine Demut vor der Literatur unterstreichen. Lesen und Bücher haben in Gottschalks Leben schon immer eine große Rolle gespielt. Unvergessen ist seine Gesprächssendung "Aus gegebenem Anlass" mit Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki 2008. Dieser ermutigte Gottschalk schon damals, es einmal mit dem ernsteren Fach zu versuchen. Ebenfalls in Erinnerung geblieben ist Gottschalks Auftritt 2017 im "Literarischen Quartett", als er beeindruckend fachkundig Peter Handke besprach.
Gottschalk trauert der großen Zeit der Samstagabendshows nach. "Mein Samstagabend ist mir weggebrochen." "In den 90er Jahren konntest du auf eine Couch die Spice Girls, Placido Domingo, Backstreet Boys, Günter Netzer und vielleicht noch Michael Schumacher setzen. Und jeder, der eingeschaltet hat, wusste wer das war." Von der Oma bis zum Enkel. "Diese Zeiten sind vorbei. Jetzt gibt's nur noch 'Verstehen Sie Spaß?'".
Im neuen Literatur-Format wittere er die Chance, etwas zu versuchen, was ihm höchsten Respekt abverlange. "Ich habe immer Fernsehen und Radio aus dem Ärmel heraus gemacht. Jetzt habe ich das erste Mal das Gefühl, dass ich mich vorbereiten muss." Denn all die Bücher, die er in seiner Sendung präsentiere, werde er natürlich vorher lesen. Typisch Gottschalk: "Mich steuert aber nicht die intellektuelle Kenntnis des Stoffes, sondern die Neugier."
"Ich weiß, dass der lesende Teil in der Bevölkerung immer kleiner wird." Der studierte Germanist und Lehrer hat seinen Beruf nie ausgeübt. "Es ist jetzt endlich der Versuch, Bretter zu bohren, wenn auch keine dicken. Literatur ist Unterhaltung und Unterhaltung ist Literatur. Ich habe Spaß am Lesen. Ich habe ein Leben lang vermieden, meine Zuschauer und Zuhörer zu langweilen, sondern versucht, alles mit Lust zu machen. Das ist auch mein Anspruch an diese Sendung. Und wenn ich damit jemanden zum Lesen bringe, hat sich's schon gelohnt."
Einfluss auf seine Gästeliste nehme er nur insofern, dass er sagt: Bitte überfordert mich nicht! Ein Mario Adorf oder ein anderer Autor aus der bunten Welt seien ihm natürlich lieber, als einer, der Bücher über das Leben der Bäume schreibt. Aber: "Bestsellerphänomene interessieren mich schon." Gottschalk will sich dem Thema Buch von unterschiedlichen Seiten nähern. Mit gewohnter Schnoddrigkeit und großem Unterhaltungswert. Etwa indem er etwa seinem Gegenüber sagt: "Sie haben ein Buch geschrieben, bei dem ich bezweifle, dass es einer kauft. Oder: Eine Million haben ihre Bücher gekauft und ich frage mich warum."



















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