(wüw) Wachsen die Einkommen in den Landkreisen Tirschenreuth und Amberg-Sulzbach schneller als in Regensburg? Eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) legte dies Anfang der Woche nahe. Joachim Möller trübt die Freude in der Nordoberpfalz: "Diese Ergebnisse decken sich nicht mit unserer Forschung", sagt der Professor der Uni Regensburg. Möller hat den Lehrstuhl für Regionalökonomie inne, leitete bis 2018 das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg.
Seine Forschungsarbeit zeige, dass in der Oberpfalz der Süden deutlich dynamischer wächst als der Norden. Dass das verfügbare Einkommen im Landkreis Tirschenreuth seit 2000 real um 21 Prozent angestiegen sein soll, in Amberg-Sulzbach sogar um 23,8 Prozent, während es in der Stadt Regensburg um 2,6 Prozent sank, ist für Möller nicht plausibel.
Ihm ist es wichtig, den Kollegen des WSI nichts zu unterstellen. Fest steht aber, dass die Arbeit das Ergebnis komplizierter Berechnungen ist. Das verfügbare Einkommen ist kein realer Wert, sondern eine Messgröße der Wissenschaft. Es soll zeigen, wie viel Geld zum Ausgeben und Sparen bleibt. Deswegen rechnen die Forscher Steuern und Abgaben weg-, Sozialleistungen wie Kindergeld hinzu. "Bei solchen Berechnungen gibt es viele Fehlerquellen", erklärt Möller.
Hinzu kommt, dass die Ergebnisse auf vergleichsweise kleine Einheiten wie Landkreise heruntergebrochen werden. Das führe zu Verzerrungen. Möller nennt ein Beispiel: Die Stadt Heilbronn weist in der WSI-Studie deutschlandweit das zweithöchste verfügbare Einkommen aus, beim Zuwachs liegt die Stadt an erster Stelle. "Es ist bekannt, dass der Chef der Lidl-Gruppe seinen Wohnsitz dorthin verlegt hat. Alleine sein Einkommen reicht, um Heilbronn soweit nach oben zu bringen."
Indikator Bruttolöhne
Nicht plausibel
Als alternativen Indikator schlägt Möller die Bruttolohnentwicklung vor. "Hier stehen reale Werte hinter den Zahlen, denn jeder Arbeitgeber muss die Löhne seiner Mitarbeiter den Sozialversicherungen melden." Dem frühere IAB-Direktor liegen Zahlen bis 2016 vor, die für die Zeit seit 2000 einen klaren Trend zeigen: Die Bruttolöhne sind in Regensburg viel stärker gewachsen als in Amberg-Sulzbach oder Tirschenreuth.
"Alles andere wäre ein Wunder", sagt Möller. Regensburg habe bundesweit einen der höchsten Anteile an Akademikerarbeitsplätzen, Tirschenreuth einen der niedrigsten. Das Einkommen hänge vor allem von der Bildung ab. Allerdings bietet auch der Blick auf die Bruttolöhne Überraschendes: Noch mehr als in Regensburg sind sie in Amberg gewachsen. In der erweiterten Region bietet der "BMW-Landkreis" Dingolfing mit 4684 Euro und einem Lohnplus von 26,2 Prozent seit 2000 die besten Werte. Am wichtigsten für die Löhne sind also wohl vor allem gut verdienende Arbeitgeber.













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