In der Serie "Geistliche Gedanken zur Fastenzeit" kommt diesmal Edith Schön, Pfarrgemeinderatssprecherin der Pfarrei Mariä Himmelfahrt Tirschenreuth, zu Wort. „Gott, mein Gott bist du, dich suche ich, es dürstet nach dir meine Seele.“ Dieser Psalm ist eine Einladung, mich in der Fastenzeit wieder auf die Suche nach Gott zu machen. Dazu muss ich mich mit meinem eigenen Leben auseinandersetzen und es in seiner ganzen Schönheit und Kostbarkeit neu entdecken. Ausrichtung und Ziel ist dabei immer das Osterfest, das Fest der Auferstehung und des Lebens.
Fasten heißt für mich: Konzentration auf das Wesentliche. Ich vergleiche die Fastenzeit gerne mit einem Streifzug durch die Natur, auf dem ich das Einfache wieder neu entdecke und schätzen lerne. Ich erfahre die Weite und Größe der Landschaft und nehme meine Umgebung mit allen Sinnen wahr. So manche Wegstrecke lege ich alleine zurück. Ich weiß nicht immer, in welche Richtung ich weiter gehen soll, wo genau mein Ziel ist. Manchmal ist es auch anstrengend vorwärts zu kommen, die Kräfte schwinden. Wir alle kennen solche Situationen. Doch dann gibt es immer wieder Kraftquellen, Menschen, die uns Mut machen, die uns tatkräftig zu Hilfe eilen. Auch im Gebet kann ich neue Kräfte sammeln, um dann mutig weiterzugehen.
Die kleinen Dinge bewusster erleben
Das Geheimnis besteht darin, das Wenige umso intensiver zu erleben. Wer lernt, sich auf das Wesentliche zu beschränken, der erfährt, wie kostbar die kleinen Dinge sein können. Es geht also darum, das Geschenk des Lebens neu zu entdecken und zu dem, was wirklich wichtig ist, zur Quelle des Lebens, zurückzufinden. Und es gibt wirklich unzählige Möglichkeiten, die kleinen Dinge im Alltag bewusster wahrzunehmen: sei es in der Familie, im Beruf oder auch in der Freizeit.
Wichtig ist für mich in der Fastenzeit auch noch der Aufruf Jesu zur Umkehr, was aber keineswegs bedeuten soll, dass ich mich komplett ändern muss. Es bedeutet vielmehr: Ich drehe mich um und stelle fest, dass Gott hinter mir steht und mich stützt und führt. Das ist eine Erfahrung, die mich im Innersten ergreift und verwandelt.
Es geht in der Fastenzeit also darum, das aufzuspüren, was uns im Innersten bewegt, was uns am Leben hält und was uns lebendig macht, unsere Ziele, Sehnsüchte und Hoffnungen. Und eines ist sicher: wenn wir hier an uns selbst herankommen, dann kommen wir auch ganz nahe an Gott heran, an das, was Gott mit uns am Leben halten will.
Keine Zeit des Verzichts
Wenn es uns gelingt, in der Fastenzeit unsere Lebensquellen aufzuspüren, dann ist diese Zeit keine Zeit des Verzichts, sondern eine Zeit der Bereicherung, der Offenheit für das Schöne, das Gott uns in unserem Leben geschenkt hat. Gehen wir also mit offenen Augen durch die Tage der Fastenzeit und entdecken die vielen Freundlichkeiten, die großen und vor allem die kleinen Gesten der Versöhnung, die aufmunternden Worte unserer Mitmenschen.
Ich wünsche allen viele solcher Erfahrungen auf ihrem Weg zum Osterfest und die Erkenntnis: Gott begegnet uns auch in unseren Mitmenschen und verhilft uns durch sie zu einem neuen und erfüllten Leben. Gott ist unsere Quelle des Lebens!















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