Tirschenreuth
24.03.2022 - 14:38 Uhr
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Mutter von zwei Kindern meistert zweite Berufsausbildung in Teilzeit

Um Familie und Beruf miteinander vereinbaren zu können, entschloss sich Karin Müller, eine Teilzeitberufsausbildung zur Industriekauffrau bei Hatico in Tirschenreuth zu machen. Welche Erfahrung hat die 40-Jährige bisher damit gemacht?

Karin Müller an ihrem Arbeitsplatz bei Hatico in Tirschenreuth. Sie startete bei dem Modehersteller als Quereinsteigerin, seit September 2021 macht die gelernte Chemielaborantin nun eine Teilzeitberufsausbildung zur Industriekauffrau. Bild: lue
Karin Müller an ihrem Arbeitsplatz bei Hatico in Tirschenreuth. Sie startete bei dem Modehersteller als Quereinsteigerin, seit September 2021 macht die gelernte Chemielaborantin nun eine Teilzeitberufsausbildung zur Industriekauffrau.

Wenn Karin Müller nachmittags zu ihren beiden Kindern nach Hause kommt, wird gemeinsam gebüffelt. Die 40-Jährige aus Großkonreuth macht derzeit eine Teilzeitberufsausbildung zur Industriekauffrau. Eigentlich ist sie gelernte Chemielaborantin. Doch mit zwei Kindern konnte Karin Müller diesen Job nicht mehr in Vollzeit ausüben. Teilzeit war nicht möglich. "Deshalb habe ich mich nach einer anderen Arbeit umgesehen", sagt sie im Gespräch mit Oberpfalz-Medien.

Bei dem Modehersteller Hatico in Tirschenreuth fand sie 2017 eine Stelle, die auch für sie als Mutter Familie und Beruf vereinbar machte. Als Quereinsteigerin fing sie als Industriekauffrau an. "Es fehlte aber trotzdem bestimmtes Wissen im kaufmännischen Bereich", erklärt Karin Müller. Zudem hätten ausgebildete Fachkräfte in diesem Berufsfeld immer den Vorzug. Um sich fortzubilden, stieß sie über die Agentur für Arbeit in Weiden auf die Möglichkeit, eine Ausbildung in Teilzeit zu machen. "Zuerst wollte ich den Fachwirt machen", berichtet Müller. Petra Klebl-Denk, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, empfahl ihr, die Grundausbildung zu machen.

Option gegen Fachkräftemangel

"Viele wissen gar nicht, dass das möglich ist", sagt Karin Müller offen. Bei ihrem Arbeitgeber stieß sie auf positive Reaktionen, profitiert doch auch er von der Ausbildung mit. Laut Geschäftsführer Joseph Reiter ist Karin Müller die Einzige, die im Betrieb eine Teilzeitberufsausbildung mache. Er sieht nur Vorteile. "Es ist sinnvoll. Frau Müller hat uns mit ihrer Arbeitsweise überzeugt", betont er. Zudem ist Reiter der Ansicht, dass eine Teilzeitberufsausbildung eine Möglichkeit ist, gegen den Fachkräftemangel vorzugehen. "Wir finden es toll, dass Frau Müller die Ausbildung aus Eigenantrieb heraus macht."

Karin Müller erklärt, wie ihre Ausbildung seit September 2021 aussieht: "Die Umschulung findet in Vollzeit statt", sagt Müller. Da sie bereits Berufserfahrung hatte, hat sich ihre Ausbildungszeit von dreieinhalb auf zwei Jahre verkürzt. Zudem muss Karin Müller in der Berufsschule wieder die Schulbank drücken. "Immer Dienstag und alle zwei Wochen am Freitag", erklärt sie. Für sie ist es kein Problem, dass hier vor allem jüngere Mitschüler in der Klasse sitzen. "Auch im Betrieb arbeiten verschiedene Generationen zusammen", so Müller.

Exen und Schulaufgaben

Die Herausforderung für die 40-Jährige: "Ich war 20 Jahre aus dem Lernen raus." So stellte sie sich zu Beginn die Frage: "Kann ich das noch?" Schnell stellte sich heraus: Ja, sie kann es. So wird sie nun vermehrt mit Berufsenglisch, Volkswirtschaft oder Buchführung konfrontiert. "In der Schule werden Exen und Schulaufgaben geschrieben." An den anderen Tagen arbeitet Karin Müller in Teilzeit im Betrieb. Sie startet um 7.30 Uhr am Morgen und macht gegen 12.30 Uhr Feierabend. So kommt sie oft gleichzeitig mit ihren Kindern nach Hause.

Keine Gehaltseinbußen

Ihre beiden Töchter sind 10 und 13 Jahre alt. Da es am Dorf keine Nachmittagsbetreuung für die Kinder gibt, war für Karin Müller die Ausbildung das beste Modell. Wenn die beiden lernen, lernt sie mit - auch am Wochenende. Und wie sieht es mit dem Gehalt aus? Karin Müller muss sich nicht mit einem Lehrlingslohn begnügen. "Ich bekomme mein Gehalt normal weiter." Sie erklärt, wer vier Jahre in seinem alten Beruf nicht mehr gearbeitet hat, gilt quasi als ungelernt. "Deshalb wird die Teilzeitberufsausbildung von der Agentur für Arbeit gefördert." Bei ihr sei es ein Zuschuss von 50 Prozent. Jedoch komme die Höhe des Zuschusses auf die Anzahl der Mitarbeiter im Betrieb an.

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Weiden in der Oberpfalz16.03.2022
Hintergrund:

Die Teilzeitberufsausbildung

  • Die Möglichkeit zur Teilzeitausbildung ist seit 2005 im Berufsbildungsgesetz (BBIG) verankert.
  • Seit 1. Januar 2020 gilt eine Neuregelung, die die Teilzeitberufsausbildung einem größeren Personenkreis zugänglich macht.
  • Zielgruppen: Schwangere, Eltern von kleinen Kindern, Menschen mit Angehörigen zur Pflege, Menschen mit Handicap oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen, Menschen mit Migrationshintergrund, Auszubildende
  • Zwei Ausbildungsoptionen: Duales Ausbildungsmodell (Betrieb und Berufsschule) oder externes Prüfungsmodell (ohne Berufsschule)
  • Kontakt und Ansprechpartner: Petra Klebl-Denk, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Weiden. Telefon:0961/409-3005; E-Mail:weiden.bca[at]arbeitsagentur[dot]de
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