19.03.2021 - 17:54 Uhr
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Meinung: Unsere Oberpfälzer Apotheker verdienen keine Neid-Debatte

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Bei der zögerlichen Beschaffung von Impfstoffen wird der Geiz der EU kritisiert. Jetzt beklagen Kritiker die großzügige Abgabe von FFP2-Masken. Jürgen Herda kommentiert die Widersprüche der Pandemie-Skandalisierung.

Die kostenlose Abgabe von FFP2-Masken an Risikogruppen war ein wichtiger Beitrag zur Eindämmung der Pandemie.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
Kommentar

"Wir haben uns dumm und dämlich verdient", sagte der Berliner Apotheker Detlef Glaß zum NDR. Gemeint ist der Betrag von zunächst sechs Euro pro Maske, den Apotheken nach kostenloser Abgabe an Risikogruppen erstattet bekamen - obwohl FFP2-Masken im Großhandel Ende November schon für 1,22 Euro zu haben gewesen seien.

Wieder ein Aufregerthema

Also wieder ein Aufregerthema in dieser an Skandalisierung nicht gerade armen Pandemie-Phase. Abend für Abend üben sich die Chef-Talkmaster der Republik am Politiker-Bashing. Das mag ein notwendiges Ventil für das Publikum sein, dessen Geduld mit dieser für viele existenzbedrohenden Pandemie am Ende ist. Bei genauerem Hinsehen muss man sich aber doch wundern, dass kaum jemand die offensichtliche Widersprüchlichkeit der Argumentation ins Auge sticht.

Während bei der Impfstoffbeschaffung seitens der EU der Geiz der Verantwortlichen kritisiert wird, beklagt man die großzügige Subventionierung der FFP2-Masken für Risikogruppen. Weil Brüssel die anfangs geforderten Fantasiepreise der Hersteller nicht zahlen wollte, machten Länder mit generöser Scheckbuchpolitik das Rennen. Was dort gefordert wird, wird hier gerügt.

Irreführende Zahlen

Dazu kommt, das geflissentlich mit irreführenden Zahlen operiert wird: Die FFP2-Masken standen um Weihnachten keineswegs in rohen Massen zur Verfügung. Und wirklich billig war nur Discounterware aus China. Vor allem aber war keineswegs sicher, dass die Bundesbürger den plötzlichen Schwenk vom einfachen Mund-Nasen-Schutz zur medizinischen Maske so ohne weiteres mitmachen würden. Eine großzügige Anschubfinanzierung für die Risikogruppen war deshalb sehr wohl ein guter Schachzug.

Es mag sein, dass einige Apothekenketten den Reibach machten. Und sicher haben sich wenige schwarze Schafe mehr kostenlose Masken geholt, als ihnen zugestanden hätte. Aber Apotheker, die mit enormem Organisations- und Beratungsaufwand in kürzester Zeit unsere gefährdetsten Mitbürger mit zertifizierten Masken aus heimischer Herstellung versorgten, verdienen keine Neiddebatte.

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