21.12.2018 - 11:55 Uhr
TirschenreuthDeutschland & Welt

Das Wunder der Geburt Christi

Wer das Museumsquartier (MQ) in Tirschenreuth besucht, taucht in eine ganz besondere Welt ein. 40 große Landschaftskrippen zeigen das Wunder der Geburt Christi und das Leben in der Region Tirschenreuth in drei Jahrhunderten.

von Norbert Grüner Kontakt Profil

Eine dieser typischen weltlichen Szenen erzählt zum Beispiel von Lausbuben aus dem 18. Jahrhundert. Damals sammelten Tirschenreuther Jungen täglich Ziegen und Schafe bei den Ackerbürgern ein, um sie auf die Wiesen vor der Stadt zu treiben. Das Hüten war ein recht fader Zeitvertreib. Und gegen Langeweile erfinden Jungs schon immer spontan Abhilfe. Um sich die Zeit zu vertreiben, kletterten sie auf den Rücken einer Goaß und versuchten sich dort oben möglichst lange zu halten. Ähnlich wie die amerikanischen Rodeoreiter. Jetzt ist aber so ein Goaßbuckel ein recht krummer Ort und deshalb klappt das mit dem Reiten grundsätzlich nicht.

Von diesen Momenten des Scheiterns erzählt gewitzt die Figur des Goaßreiters, die praktisch in keiner Tirschenreuther Krippe fehlt. In dieser Sonderausstellung ist erstmals ein gemalter Goaßreiter von 1797 zu sehen. Der älteste bekannte seiner Art. Er stammt aus dem Pinsel des Tirschenreuther Kirchenmalers Maurus Fuchs. Keine Krippe gibt es, in der nicht mindestens ein Goaßreiter sein Unwesen treibt. Als Original in einer Tirschenreuther Krippe geht er dann durch, wenn sein Beinkleid gelb ist und er nur von hinten zu sehen ist.

Daneben finden sich Schlotfeger als Glückssymbole, Jagdszenen, ländliches Leben und all das was die Bibel zur Geburt Christi, das was im Vorfeld passierte, bis hin zum Wirken des jungen Jesus in Jerusalem und seine Wunder im Erwachsenenalter, als er zum Beispiel bei der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein verwandelt. Bei den moderneren Darstellungen haben viele Schnitzer ihre unmittelbare Heimat mit in ihren Krippen verewigt. So etwa Alfons Möhrlein, der die Weihnachtsgeschichte in seinem Wohnort Hohenwald in der Weise angesiedelt hat, indem er das Dorf, wie es sich aktuell präsentiert, als Hintergrundgemälde zeigt. Erwähnenswert ist natürlich auch die Kühn-Krippe, die größte bekannte Tirschenreuther Krippe, die, obwohl in der Ausstellung nur etwa die Hälfte aufgebaut ist, vier Meter Platz in der Länge braucht und über 600 Figuren beherbergt. Der Besitzer Leonhard Kühn ist darin selbst vor seinem Brauereigasthof „Musl“ zu sehen, wie er eine Maß Bier serviert. Bürgermeister Franz Stahl ist ebenfalls in seiner eigenen Krippe präsent. Geschnitzt hat diese Figur und die meisten anderen Figuren in der Stahl-Krippe der 90-jährige Robert Schneider. Eine seiner eigenen Krippen, die sogenannte Finsterbeck-Krippe, eine rein orientalische Krippe, ist im ersten Stock des MQ zu bewundern. Mit über 90 Jahren ist Schneider der älteste der Tirschenreuther Krippenfreunde. Der Jüngste heißt Tim Sommer ist 11 Jahre alt und schnitzt seit fünf Jahren. Die Ergebnisse seiner Arbeit präsentiert er ebenfalls bei der aktuellen Schau in einem eigenen Kasten.

„Wo die Krippe geschätzt wird, ist mir um Weihnachten nicht bange“, sagte Bischof Rudolf Voderholzer bei der Eröffnung dieser 8. großen Krippenschau. Bürgermeister Franz Stahl sprach von der wahrscheinlich wichtigsten Krippenausstellung der Oberpfalz in diesem Winter. „Mit Säge, Pinsel und Moos haben die Krippenfreunde in den vergangenen Wochen eine eigene Welt ins Museumsquartier gebaut. Ein dunkler Sternenhimmel über hell erleuchteten Krippenszenen schafft eine ganz besondere Atmosphäre. In der Präsentation sind Tausende Figuren zu sehen. Die genaue Zahl kennen nicht einmal die Schnitzer selbst.

Wer die Ausstellung besucht, sollte Zeit mitbringen. Denn vieles gibt es zu entdecken in den weihnachtlichen Miniatur-Landschaften. Besser ist es sogar zwei- oder drei Mal zum Krippenschau`n zu kommen – ebenfalls mit genügend Zeit im Gepäck. Nur so lässt sich die Vielfalt der Darstellungen um das Wunder der Heiligen Nacht im Tirschenreuther Museumsquartier einigermaßen fassen.

Service:

Die Ausstellung

Die Ausstellung läuft bis 20. Januar und ist außer Heiligabend und Silvester täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt für Erwachsene drei Euro, Kinder und Jugendliche sind frei. Um die vielen Geschichten rund um die hiesige Krippentradition zu erfahren, ist eine Führung (40 Euro pro Gruppe) die informativste Art des Krippenschauens. Gruppenführungen können individuell bei der Tourist-Info der Stadt Tirschenreuth (09631/600248) gebucht werden. Am Donnerstag, 3. Januar um 14.30 Uhr ist die letzte offene Führung (fünf Euro/Person plus MQ-Eintritt). Eine Anmeldung bei der Tourist-Info ist wünschenswert. Kurzentschlossene können bei großer Nachfrage vor Ort ansonsten eventuell nicht mehr berücksichtigt werden. Treffpunkt ist der Haupteingang zum Museum an der Regensburger Straße 6.

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