Das Datum des 5. Dezember 1994 steht über einer persönlichen Widmung, die sie damals für jeden Journalisten schrieb. Zeitungsleute waren aus ganz Deutschland nach Mannheim angereist, um ein Ereignis anzukündigen: Die gemeinsame Konzerttour von José Carreras und Montserrat Caballé. Der Sänger trat schweigend ein. Doch seine Partnerin vernahm man lange, bevor sie den Raum betrat. Montserrat Caballé lachte laut und verbreitete sofort heitere Stimmung, als sie sich zu den Medienleuten gesellte. Eine Grande Dame, die trotz ihrer Popularität nie zur Arroganz neigte.
Die Tour führte 1995 auch nach Regensburg. Dort stellte sich dann heraus, dass die weltweit bekannte Operndiva einen Hang zu irdischen Genüssen besaß. Sie mochte Bratwürste, ging durch die Stadt und versprach ein Wiedersehen. Die 1933 in Barcelona geborene Sängerin gab dann einige Jahre später einen Liederabend im Audimax, begleitet dabei von dem Pianisten Manuel Burgueras. Ein glanzvoller Abend, um den sich Anekdoten dieser lebensfrohen Frau rankten. Eine davon: Im Hotelfahrstuhl kokettierte sie mit ihrer barocken Leibesfülle und erbat sich, es mögen doch nicht zu viele Begleiter zu ihr ins Kabinett treten. Ansonsten könnte es Probleme mit der Hubkraft des Lifts geben.
So war sie und so wird Montserrat Caballé in Erinnerung bleiben. Sie sang an allen bedeutenden Opernhäusern der Welt, absolvierte über 4000 Auftritte und suchte immer die Nähe zum Publikum. Die Sängerin heiratete 1964 den spanischen Tenor Bernabe Marti und brachte zwei Kinder zur Welt. Eines davon ist die erfolgreiche Sopranistin Montserrat Marti. Sie stand immer an der Seite ihrer Mutter.
Durchbruch in New York
1965 schaffte Montserrat Caballé den interationalen Durchbruch. Sie gab in der New Yorker Carnegie Hall die "Lucrezia Borgia" und reiste ab dann nahezu rastlos um den Erdball. 1987 ließ sie sich dann auf ein Experiment ein. Zusammen mit Freddie Mercury, dem Frontmann der Rockgruppe Queen, sang die Caballé "Barcelona" und damit eine Hymne für die Olympischen Spiele. Vor Zeitungsleuten sagte sie 1994 in Mannheim: "Netter Junge. Der konnte was." Drei Jahre zuvor war Freddy Mercury an Aids gestorben.
Nach einem Sturz vor sechs Jahren war Montserrat Caballé auf den Rollstuhl angewiesen. Doch sie machte weiter und gab Konzerte. Wo immer sie auftrat, waren die Hallen ausverkauft. Und stets ertönte zwischen ihren Gesangsdarbietungen dieses raumgreifende Lachen.
Vor zwei Wochen musste sich Montserrat Caballé wegen eines Blasenleidens in eine Klinik ihrer Heimatstadt Barcelona begeben. Dort starb sie am Samstag. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sanchez würdigte die Sängerin, die auch vielfach karitativ tätig wurde, als "große Botschafterin unseres Landes." Er fügte hinzu: "Ihre Stimme und ihr Sanftmut werden immer bei uns bleiben."












Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.