13.07.2019 - 17:33 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Tollwood macht's möglich: "Pfeilgrodaus" über die Autobahn zu Mandela

Schmidbauer-Lieder mit Trompete, Dettl-Songs mit Akustik-Gitarre und Hang: Diese musikalische Mischung besitzt Seltenheitswert. Die Besucher des Tollwood-Festivals bekommen sie zu hören - und sind über zwei Stunden lang begeistert.

Werner Schmidbauer
von Wilhelm Amann Kontakt Profil
Martin Kälberer
Zu Gast bei Schmidbauer & Kälberer: Stefan Dettl (Bild), studierter Jazz- und Klassik-Trompeter, bringt phasenweise das Tempo von LaBrassBanda mit.
Der wohl einmalige Auftritt hat ihnen selber auch großen Spaß gemacht: (von links) Stefan Huber und Fabian Jungreithmayr von LaBrassBanda, Martin Kälberer, Werner Schmidbauer und Stefan Dettl.

Es gehört seit elf Jahren zu Tollwood: Schmidbauer & Kälberer stehen zusammen mit einem speziellen Gast auf der Bühne. Wolfgang Niedecken war schon dabei, ebenfalls Willy Astor, Claudia Koreck und andere Größen aus der bayerischen Musikszene. Dieses Mal kommt der Gast aus dem Chiemgau: Stefan Dettl (38), Leadsänger, Trompeter und Chef der wörtlich so genannten "Blasmusikkapelle" LaBrassBanda. "Wir haben uns nicht überübt", gibt Werner Schmidbauer gleich am Anfang zu und kündigt an, dass an diesem Abend nicht unbedingt die absolute Perfektion von dem Trio zu erwarten sei. Wohl aber eine ganze Menge an Spaß am Spielen, der von Anfang an auf die voll besetzte Musik-Arena überspringt und das Publikum nicht auf den Sitzen hält.

Im ersten Set dominieren noch eher die leiseren Töne. Werner Schmidbauer präsentiert sich als der gewohnte "Momentnsammler", singt von Geflüchteten aus dem "Süden" und klagt in "Zeit der Deppen" an, dass es in den politischen Führungsetagen noch nie so eine "Deppen-Schwemme" gegeben habe wie derzeit. Martin Kälberer begleitet ihn als der kongeniale Partner an den Percussions, und der studierte Trompeter Stefan Dettl verleiht den Songs eine ganz neue Note.

Ansonsten hält sich Dettl (noch) zurück: Er begibt sich mit Schmidbauer auf eine kleine musikalische Bergtour, singt vom "VW Jetta" und zeigt sich selber begeistert. Er gibt zu: Zusammen mit Werner Schmidbauer (57) auf der Bühne zu stehen, den er selber als Kind schon zu den "Heroes" unter den bayerischen Liedermachern zählte und dessen Live-Musiksendungen er im Fernsehen bewunderte, das bedeute ihm schon sehr viel. Der Respekt ist ihm durchaus anzumerken. Dettl ordnet sich unter und greift selber auch mal brav in die Saiten.

Nach der Pause wird mächtig "aufgspuit", um mit Schmidbauers Songtext zu sprechen: Dettl - barfuß wie immer bei seinen Auftritten - kommt zuerst zurück und bringt mit Fabian Jungreithmayr (Bass) und Stefan Huber (Tuba) zwei Kollegen von LaBrassBanda mit. Die Musik gewinnt an Tempo, die Stimmung steigt. Im zweiten Teil des Konzerts schaffen es die nunmehr Fünf, eine wohl einmalige Mixtur an Liedern und Tönen zu spielen, was die Fans aus beiden Lagern ein ums andere Mal zu frenetischem Applaus herausfordert. Die "Autobahn" und der "Bauersbua" von LaBrassBanda kommen da vor, ebenso die "Fensterbank" und "Pfeilgrodaus" von Werner Schmidbauer. Martin Kälberer (51) an Klavier, Akkordeon und allen möglichen Rhythmusinstrumenten - darunter dem Hang aus der Schweiz - bleibt die Rolle des musikalischen Bindeglieds, die er gewohnt fabelhaft spielt.

Das Konzert endet vorerst mit "Mandela", Werner Schmidbauers Hommage an den südafrikanischen Friedensnobelpreisträger. Es folgen die von Tausenden von Besuchern schier unaufhörlich geforderten Zugaben, die vor allem Schmidbauer und Dettl dazu animieren, in dieser wohl einmaligen Besetzung weiteres Neuland zu betreten: Den Klassiker "Don't worry, be happy" spielen und singen sie zum Abschluss. Ärgern brauchte sich an diesem Abend sowieso keiner - und glücklich sind längst alle im Zelt.

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