11.11.2019 - 18:01 Uhr
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Prozess Geldautomatenaufbrüche: Schnelle Autos und schöne Frauen

Schnelle Autos und schöne Frauen. Diese Vorlieben teilen die Angeklagten aus Bremen. Sie müssen sich seit Montag vor dem Landgericht Weiden verantworten. Um ihren Lebensstil zu finanzieren, plünderten sie Geldautomaten in der Oberpfalz.

Die 1. Strafkammer am Landgericht Weiden verhandelt seit Montag gegen drei kosovarische Staatsangehörige, wohnhaft bei Bremen, die für Geldautomatenaufbrüche in Nordbayern zum Jahreswechsel 2018/19 verantwortlich sein sollen.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Die Anklage von Staatsanwalt Marco Heß lautet auf schweren Bandendiebstahl. Die Beute beziffert er auf 150 000 Euro. Bei der letzten Tat im Januar 2019 war sogar eine Viertelmillion Euro in den Geldkassetten, aber da wurden die Angeklagten geschnappt.

Warum reisen Täter 700 Kilometer an, um Bankfilialen auszurauben? Warum ausgerechnet Immenreuth, Trabitz, Nagel, Gattendorf und Oberkotzau? „Weil es weit weg von unserem Wohnort ist“, erklärt der Hauptangeklagte (40). Er ist der schwedische Cousin der zwei mitangeklagten Brüder (25 und 27) und teilte sich zur Tatzeit mit ihnen ein Anwesen bei Bremen. Sie alle gehören einer kosovarischen Großfamilie an. Der 40-Jährige ließ es gern krachen: Auto-Rennen, Silvester-Geballere mit halbautomatischen Waffen, eine Traumhochzeit.

Das kostet. Und zumindest der Hauptangeklagte gibt zu, „ökonomische Schwierigkeiten“ gehabt zu haben. Er ist komplett geständig. Noch heute habe er über 100 000 Euro Schulden, geliehen von „Leuten, bei denen man keine Schulden haben sollte“. Der 40-Jährige hat die Aufbrüche – drei vollendet, zwei Versuche – ausgeführt. Er hebelte Fenster und Türen an Rückseiten von Banken auf. Dann öffnete er mit Brecheisen und Spreizer die Automaten. Der 27-jährige Cousin – auch geständig – stand Schmiere. Das Knowhow habe er von Landsleuten, so der 40-Jährige, in der Schweiz einschlägig vorbestraft. Es fällt der Name Osmani, ein Clan, gegen den in Kiel ermittelt wird.

Die drei Angeklagten leisten sich neben den Pflichtverteidigern aus Weiden jeweils einen Wahlverteidiger. Einer erfreut das Weidener Landgericht am Montagvormittag mit Anträgen. Erst rügt Anwalt Günther Bogatz die Besetzung der Strafkammer mit nur zwei statt drei Berufsrichtern in Anbetracht eines so „ausgesprochen schwierigen Verfahrens“ als zu wenig. Dann fordert er einen Tonband-Mitschnitt der Verhandlung, wie im Frankfurter Auschwitz-Prozess oder beim Baader-Meinhoff-Verfahren. Vorsitzender Richter Gerhard Heindl lehnt das ab. Der Automatenknacker-Prozess sei „nicht von herausragender Bedeutung für die Bundesrepublik Deutschland“.

Und so wird es Nachmittag, ehe die Geständnisse erfolgen. Mit Einschränkung: Es habe keine Abrede als Bande gegeben. Zwar geben der 40-Jährige und der 27-Jährige zu, nach Nordbayern gedüst zu sein. Sie arbeiteten eine Liste von etwa 60 Bankfilialen ab, um geeignete Objekte zu finden. Dabei half eine App: „Wo ist der nächste Geldautomat?“ Aber den dritten Angeklagten wollen beide außen vor lassen.

Dabei handelt es sich um den kleinen Bruder (25), der einen VW California für die Touren angemietet haben soll. Er soll auch den Golf seiner Freundin zur Verfügung gestellt haben, obwohl auf dem Hof ein Audi S5, Mercedes ML und ein Mitsubishi Pajero standen. Wusste der 25-Jährige, wohin die Fahrten gingen? „Er wusste nichts“, sagen die Älteren. Der 25-Jährige wird am Montag nicht mehr gehört, weil die Zeit zu weit fortgeschritten ist. Zumindest ihn dürften die vielen Verhandlungspausen nicht gestört haben: Er durfte – im Beisein von Polizisten – mit seiner Bremer Freundin plaudern. Als Zeugin ist die blonde Schönheit abgeladen: Das Paar hat sich in Haft verlobt, was ein Zeugnisverweigerungsrecht nach sich zieht. Fortsetzung des Verfahrens ist am Montag, 18. 11., 9 Uhr.

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