16.10.2020 - 16:04 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Trockenheit, Sturm und Borkenkäfer drücken Holzpreise auf Sinkflug

Der Klimawandel und seine Folgen machen den Bayerischen Staatsforsten schwer zu schaffen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr klafft ein Millionenloch in der Kasse.

Ein Mitarbeiter der Staatsforsten prüft frisch geschlagenes Schadholz.
von Jürgen UmlauftProfil

Die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) sind 15 Jahre nach ihrer Gründung zum ersten Mal ins Minus gerutscht. Hauptgrund sind die historisch niedrigen Holzpreise, da der Markt wegen Trockenheit, Sturmbruch und Borkenkäferbefall mit Schadholz überschwemmt wird. Der operative Verlust summierte sich auf rund 36 Millionen Euro, der Jahresfehlbetrag mit den Rückstellungen für die Altersversorgung der Mitarbeiter auf 80 Millionen Euro. Für das laufende Geschäftsjahr sieht der Vorstand trotz anziehender Holzpreise noch keine Besserung. "Wir befinden uns aktuell in der schwierigsten Phase seit Unternehmensgründung", erklärte BaySF-Vorstandschef Martin Neumeyer auf der Jahrespressekonferenz des Unternehmens in München.

Um den Staatsbetrieb wieder in die Gewinnzone zu führen, plant das Unternehmen eine strukturelle Neuausrichtung und ein Sparprogramm. Bis die Maßnahmen wirkt, soll zur Überbrückung eine Kreditaufnahme in Höhe von bis 130 Millionen Euro vorbereitet werden. Ein Personalabbau ist nicht vorgesehen, um den Erhalt und den klimatoleranten Umbau der Staatswälder nicht zu gefährden. "Wir geben keinen Quadratmeter Wald auf, wir sparen nicht am Wald", sicherte Neumeyer zu. Der neue Finanzvorstand Manfred Kröninger sprach von einer "Konzentration auf die Kerntätigkeit" und kündigte Kürzungen bei Sachinvestitionen und Ausgaben an.

Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) lehnte staatliche Hilfen für die BaySF vorerst ab. Bevor der Freistaat als Eigentümer eingreife, müsse das Unternehmen alle ihm möglichen Maßnahmen zur Konsolidierung ergreifen. Auch sie sprach sich aber gegen einen Personalabbau aus. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage dürften der personalintensive Walderhalt und der Umbau in stabile Mischwälder nicht gefährdet werden, da der Klimawandel "ohne Erbarmen fortschreitet". Die Staatsforsten müssten auch in Zukunft ein "Vorzeigeunternehmen für klimagerechte Waldbewirtschaftung" bleiben, betonte Kaniber.

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