München
02.06.2022 - 15:26 Uhr

Übergewicht und psychische Probleme – Corona setzt Kindern in Bayern zu

Die Corona-Beschränkungen haben sich bei vielen Kindern und Jugendlichen negativ auf Gesundheit und Wohlbefinden ausgewirkt. Die Folgen betreffen Psyche und Gewicht. Gesundheitsminister Holetschek verspricht Hilfen.

In der Pandemie haben Kinder zunehmend Probleme mit dem Gewicht bekommen. Symbolbild: Sebastian Kahnert/dpa
In der Pandemie haben Kinder zunehmend Probleme mit dem Gewicht bekommen.

Die Corona-Pandemie hat die Gesundheit von vielen Kindern und Jugendlichen in Bayern beeinträchtigt. Problematisch sind dabei weniger Covid-Infektionen und ihre Spätfolgen, da die allermeisten Kinder und Jugendlichen entweder keine Symptome aufwiesen oder nur einen milden Krankheitsverlauf hatten. Stark zugenommen haben dagegen psychische Probleme aus Furcht vor einer Ansteckung, aber auch wegen der Kontaktbeschränkungen während der Lockdowns, sowie Übergewicht aus Mangel an Bewegung. Das sind Ergebnisse des aktuellen Berichts zur Kindergesundheit in Bayern, den Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) vorlegte, sowie einer Studie der Krankenkasse DAK.

Nach den Daten aus dem Bericht zur Kindergesundheit verdoppelte sich der Anteil der 11- bis 17-Jährigen mit psychosomatischen Symptomen wie Bauch- und Kopfschmerzen sowie Niedergeschlagenheit während des zweiten Lockdowns um die Jahreswende 2020/21 nahezu im Vergleich zur "Vor-Corona-Zeit. Fast 60 Prozent der Jugendlichen dieser Altersgruppe gaben an, im zweiten Lockdown häufig gereizt gewesen zu sein. Das waren fast 20 Prozentpunkte mehr als vor der Pandemie. Laut DAK-Studie nahmen im Lauf der Pandemie stationäre Behandlungen wegen Depressionen, Angst- und Essstörungen bei 11- bis 17-Jährigen um durchschnittlich rund 25 Prozent zu. Besonders betroffen waren Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren.

"Psychische Veränderungen"

Die stellvertretende Vorsitzende des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Bayern, Gabi Haus, berichtete von einer "großen Zahl psychischer Veränderungen". Am wenigsten Betroffene gebe es bei Kindern und Jugendlichen in einem geordneten sozialen Umfeld mit festen Kontakten in Vereinen und Jugendeinrichtungen. Bei diesen hätten die Netzwerke zumeist auch während der Lockdowns gehalten. Als deutlich anfälliger hätten sich Kinder und Jugendliche mit hoher Nutzung elektronischer und sozialer Medien sowie nur losen Kontakten im "Spaß-Bereich" erwiesen. Als gravierend bezeichnete Haus die Folgen des Bewegungsmangels. 30 bis 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen würden angegeben, während der Pandemie an Gewicht zugelegt zu haben.

Nach Einschätzung Holetscheks hat die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen auch während Corona funktioniert, der Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen gehe es nach wie vor gut. Es bestehe aber kein Zweifel, dass die Pandemie erhebliche körperliche, psychische und soziale Folgen habe, die sich teilweise erst noch zeigen würden. Holetschek kündigte deshalb an, den Gesundheitsstatus von Kindern und Jugendlichen in den kommenden Jahren "sehr aufmerksam" in den Blick zu nehmen. Vor diesem Hintergrund fördere der Freistaat den weiteren Ausbau der stationären Kinder- und Jugendpsychiatrie. Kritisch äußerte sich Holetschek zu den oft langen Wartezeiten in der ambulanten psycho-sozialen Betreuung. Hier Abhilfe zu schaffen, sei in erster Linie Aufgabe der zuständigen Selbstverwaltungsorgane im Gesundheitswesen.

Bessere Koordination

Haus sprach sich dafür aus, die Hilfsangebote niederschwelliger auszubauen und besser zu vernetzen. Es gebe viele Angebote, doch würden diese oft ohne Kenntnis voneinander existieren. Eine bessere Koordination könne dazu führen, die vorhandenen Kapazitäten effizienter und patientengerechter zu nutzen. Kritik kam von den Landeschefs der Arbeitswohlfahrt (Awo), Nicole Schley und Stefan Wolfshörndl. Sie forderten die Staatsregierung auf, im Sinne der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen die akute und weiterführende Versorgung, aber auch präventive Maßnahmen flächendeckend auszubauen.

Die meisten Kapazitäten befänden sich in den großen Städten, was für Betroffene auf dem Land oft lange Fahrzeiten und eine unzureichend gewährleistete Nachversorgung bedeute. "Diese gravierenden Defizite im Versorgungssystem für psychisch erkrankte und belastete Kinder und Jugendliche müssen sofort beseitigt werden", erklärten die Awo-Chefs.

 
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