13.12.2018 - 17:48 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

"Überholspur" für Gymnasiasten: Piazolo verteidigt Konzept

Das von Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Mittwoch vorgestellte Modell für eine "Überholspur" zum schnelleren Abitur an den bayerischen Gymnasien ist von der Opposition im Landtag zurückhaltend positiv aufgenommen worden. Nicht alle waren jedoch begeistert.

Michael Piazolo (Freie Wähler), bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus, spricht auf einer Pressekonferenz zur geplanten "Überholspur" am neunjährigen Gymnasium.
von Jürgen UmlauftProfil

Bezweifelt wurde vor allem, ob die in der Mittelstufe zusätzlich vorgesehenen Unterrichtsmodule für die "Überholer" ausreichend sind, um die 11. Klasse ohne Defizite beim Einstieg in die Oberstufe überspringen zu können. Piazolo verteidigte sein Konzept der "individuellen Lernzeitverkürzung" im Bildungsausschuss als "hoch attraktives und qualitätvolles Angebot".

Nach Piazolos Plänen können ab dem Schuljahr 2021/22 entsprechend fähige und leistungsbereite Schüler an allen bayerischen Gymnasien in der 8. Klasse in eine drei Jahre dauernde Vorbereitungszeit einsteigen. Vorgesehen sind dafür zwei zusätzliche Unterrichtsstunden pro Woche, die abwechselnd in Deutsch, Mathematik und einer Fremdsprache sowie später in einem selbst gewählten Profilfach gegeben werden. Ergänzt wird das Programm durch eine individuell zu gestaltende "Studierzeit" außerhalb des Unterrichts, die fachlich und organisatorisch von Lehrkräften und Mentoren begleitet wird.

Die endgültige Entscheidung zur Verkürzung der Schulzeit fällen die Eltern Ende der 10. Klasse nach eingehender Beratung durch die Lehrer. "Der Elternwille ist entscheidend", betonte Piazolo. Er versprach, dass das Angebot an allen bayerischen Gymnasium vorhanden sein wird. Für die nötige Sach- und Personalausstattung werde gesorgt. Zugangsberechtigt sei grundsätzlich jeder Schüler am Gymnasium. Eine Pflicht zum "Überholen" bestehe auch nach Abschluss des zusätzlichen Programms nicht. Die Größe der Lerngruppen auf der "Überholspur" soll bei rund zehn Schülern liegen.

Die Grüne Gabriele Triebel begrüßte die flexiblen und individuellen Gestaltungsmöglichkeiten am neuen G9. Sie bezweifelte aber, dass die zusätzlichen Module für die "Überholer" ausreichend seien, zumal in die 11. Klasse neue Schwerpunkte im Bereich Digitalisierung, politische Bildung und Berufsvorbereitung integriert werden sollen. "Wie soll das funktionieren, mit zwei zusätzlichen Wochenstunden die 34 Wochenstunden der 11. Klasse mit ihren besonderen Inhalten zu kompensieren?", fragte sie. Simone Strohmayr (SPD) mahnte eine bessere individuelle Förderung auch für wenig leistungsstarke Schüler und andere Schularten an.

Der Ausschussvorsitzende Markus Bayerbach (AfD) erklärte, die "Überholspur" entspreche der Forderung seiner Partei nach passgenauen Lösungen für besonders begabte Schüler. Er kritisierte jedoch den letztlich entscheidenden Elternwillen und sprach sich für ein Veto-Recht der Lehrkräfte aus. Für die FDP betonte Matthias Fischbach, das neue Modell dürfe "keine Alibi-Veranstaltung" werden. Die Sach- und Personalausstattung müsse den hohen Ansprüchen gerecht werden. Otto Lederer (CSU) lobte die "Überholspur" als gute Antwort auf die wachsende Vielfalt der Schülerschaft an den Gymnasien. Eva Gottstein (Freie Wähler) sprach von einem "praxisnahen Modell". Es handle sich dabei nicht um eine Form der Begabtenförderung. Die "Überholspur" sei ausdrücklich eine Chance auch für jene Schüler, die sich dank Fleiß und Engagement zutrauten, das Gymnasium in acht Jahren zu schaffen.

Mehr zum Thema

Deutschland & Welt
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.